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Tiere im Saarland
Spinner, Spanner und Schwärmer

Vielfältig und schön: Schmetterlinge im Saarland FOTO:
Reden. Vielfältig und schön – die Schmetterlinge des Saarlandes findet der Suchende bisweilen in der Natur. Eine große Sammlung einheimischer Arten gibt es auch, allerdings hinter verschlossenen Türen.

Das Eingangsportal des Grubengebäudes mit dem Redener Hannes fällt auf. Die schlichte Eingangstür des Seitentrakts versteckt sich eher. Was sich hinter der Tür verbirgt, kann der touristische Besucher an keinem Detail erkennen. Die Sammlungen eines kompletten Naturkundemuseums lagern in den Magazinen.


Das saarländische Umweltministerium hat hier in Reden sein Zentrum für Biodokumentation untergebracht. Fünf Mitarbeiter pflegen  die naturwissenschaftlichen Sammlungen, die bis zur Jahrtausendwende größtenteils der Universität des Saarlandes gehörten. Zu den bemerkenswerten Sammlungen gehört die der Schmetterlinge. Die ersten Exemplare sammelte der damalige Ordinarius und Leiter des zoologischen Instituts der Saar-Uni, Gustaf de Lattin, von 1960 bis 68. Immer wieder kommen private Sammlungen dazu. Mitglieder des nach dem Ordinarius benannten naturwissenschaftlichen Vereins Delattinia haben mit ihrer Arbeit zum heutigen Umfang der Sammlung erheblich beigetragen. Sie umfasst inzwischen etwa eine Million Schmetterlinge, darunter zirka 55 000 gezählte und präparierte aus dem Saarland. Seit 2003 kümmert sich Andreas Werno hauptberuflich um die filigranen Tiere. Anfangs war der studierte Gartenbauer beim Verein Delattinia angestellt. Später übernahm ihn das Umweltministerium.

„Als kleiner Bub bin ich über die Wiesen gelaufen. Dabei flatterten viele Schmetterlinge um mich herum.“ So begann die Faszination des heute 50-Jährigen an den Faltern. Werno beobachtet die flatternden Tiere beispielsweise auf Teneriffa oder hinter seinem Haus in Nunkirchen. Das Besondere dieser Insektenwelt speziell im Saarland sieht Werno in der Vielzahl der Arten auf vergleichsweise kleiner Fläche. Derzeit gebe es hier etwa 2500 Arten. Etwa 1600 Arten umfasst die Sammlung in Reden.



Gut 55 000 Schmetterlinge aus dem Saarland lagern in den Regalen. Andreas Werno pflegt die Sammlung.
Gut 55 000 Schmetterlinge aus dem Saarland lagern in den Regalen. Andreas Werno pflegt die Sammlung. FOTO: Robby Lorenz / ROBBY LORENZ

Neben den Schmetterlingen kümmert sich Andreas Werno um die Belange der einheimischen Flora und Fauna, die die Europäische Union festgelegt hat und die auch europaweit bearbeitet werden. Dazu gehören die Neobiota, die sich alarmierend entwickeln. Beispielsweise gehören Waschbär und Signalkrebs zu den Arten, die sich im Saarland invasiv verbreiten, obwohl sie hier zuvor nicht heimisch waren.

Eine weitere Arbeitsaufgabe ist das Insektensterben, das laut einer Langzeitstudie seit der Wende die Populationen um 75 Prozent reduziert hat. Und nicht zuletzt kümmert er sich um das Monitoring europaweit gefährdeter und geschützter Tier- und Pflanzenarten.

Andreas Werno wünscht sich von den Saarländern mehr Aufmerksamkeit für die naturwissenschaftlichen Sammlungen. Die würden zu wenig als Kulturgut wahrgenommen. Das Saarland sei das einzige Flächen-Bundesland ohne Naturkundemuseum.

Vielfältig und schön: Schmetterlinge im Saarland FOTO: