1. Saarland

Spielhölle kontra Gotteshaus

Spielhölle kontra Gotteshaus

Hofeld-Mauschbach. Der schlichte Saal - trotz kleinem Altar und gegenüberliegender Orgel - erinnert nicht sofort an ein Gotteshaus. Gleicht mangels christlicher Symbole eher einem hohen Versammlungsraum. Erst recht, als sich der Namborner Gemeinderat hier an unüblicher Stelle zur regulären Sitzung traf. In der evangelischen Kirche des Ortsteils Hofeld

Hofeld-Mauschbach. Der schlichte Saal - trotz kleinem Altar und gegenüberliegender Orgel - erinnert nicht sofort an ein Gotteshaus. Gleicht mangels christlicher Symbole eher einem hohen Versammlungsraum. Erst recht, als sich der Namborner Gemeinderat hier an unüblicher Stelle zur regulären Sitzung traf. In der evangelischen Kirche des Ortsteils Hofeld. Und das hatte einen akuten Grund: Das Gotteshaus, obwohl auf einer Anhöhe versteckt liegend, könnte schon bald keines mehr sein. Denn die evangelische Kirchengemeinde St. Wendel, zu der die Gläubigen in Hofeld-Mauschbach gehören, will sich von dem Bau aus den 1950ern trennen. Der Grund: Nutzen und Kosten stünden in keinem Verhältnis. Ein Gottesdienst im Monat und ansonsten Leerstand im ganzen Haus rechne sich nicht mehr.

Können Vereine helfen?

Doch das will das Presbyterium (Kirchenparlament) nicht so ohne weiteres akzeptieren und sucht nach Lösungen. Deshalb spannt das Gremium auch die Lokalpolitik ein, um die Kirche als solches zu retten. Ursula Kugler ist eine glühende Verfechterin des Standorts. Als Vertreterin der losen Interessengruppe zum Erhalt schwor sie den Gemeinderat ein, sich ebenfalls stark zu machen. "Wir sind im ganzen Saarland die einzige evangelische Gemeinde, deren Mitgliederzahl steigt", gab Kugler zu bedenken. Zudem seien die hiesigen Protestanten eine junge Gemeinschaft mit vielen Familien. "Wir haben über 5000 Mitglieder in der St. Wendeler Kirchengemeinde, davon sind 3000 berufstätig." Die wenigen Wegzüge stabilisierten die Zahl. Im Gegenteil: Durch Aussiedler aus Russland wachse die Gemeinde.

Trotzdem rechne sich die Hofelder Kirche nicht mehr.

Kugler mit mitschwingender Unverständnis: "Die Kirchengemeinde St. Wendel ist nicht in Finanznot, aber sie überdenkt, Hofeld aufzugeben." Darum arbeite eine Projektgruppe aus Presbytern und weiteren Protestanten an Vorschlägen, zum um einen Geld einzunehmen, zum anderen um das Haus regelmäßig zu nutzen. Ein Vorschlag: Die Gemeinde will das Haus Vereinen bereitstellen, damit diese hier feiern und arbeiten können. Pfarrerin Anne Lungová, die zum Treffen mit dem Gemeinderat erschienen war: "Es geht nicht um hohe Mieteinnahmen, sondern darum, dass das Haus genutzt wird." Zustimmendes Nicken der Politiker an ihren Tagungstischen. Und Bürgermeister Theo Staub (SPD) sicherte zu, die evangelische Gemeinde dabei zu unterstützen.

Allerdings berichtete er bereits von auswärtigen Interessenten, eine Spielhölle in der Gemeinde Namborn zu eröffnen. Staub: "Wir hatten schon die Anfrage eines Casino-Betreibers, der sich nach dem Kirchenverkauf erkundigte."

Die Zeit läuft ab

Bis Ende März muss die Hofelder Projektgruppe unter Leidung von Lungová ein Konzept vorlegen. Wie der St. Wendeler Kirchenleiter, Superintendent Gerhard Koepke mitteilte, werde sich dann nach einer Probephase entscheiden, ob die Ideen greifen und die Kirche als Solches zu retten ist.

Nichtsdestotrotz gebe es einen Investitionsstau. Zwar sei das Gebäude saniert. Allerdings die alten Bettenzimmer, Duschen und Aufenthaltsräume im Keller müssten erneuert werden. Koepke: "Sie sind in Schuss, aber entsprechen längst nicht mehr dem heutigen Standard." ArchivFotos: Matthias Hiekel (DPA)/Katalog

"Wir hatten schon die Anfrage eines Casino-

Betreibers, der sich nach dem Kirchen- verkauf erkundigte."

Bürgermeister Theo Staub (SPD)

Am Rande

 Ist die Hofelder Kirche noch als solche zu retten? Protestanten kämpfen dafür. Foto: Bonenberger&Klos
Ist die Hofelder Kirche noch als solche zu retten? Protestanten kämpfen dafür. Foto: Bonenberger&Klos

Wegen zurückgehender Kirchensteuerabnahmen steht auch das evangelische Pfarrhaus in Leitersweiler zur Disposition. Das teilt St. Wendels Superintendent Gerhard Koepke mit. Die evangelischen Kirchen in Leitersweiler und St. Wendel sind vorerst runter von der Gefahrenliste, verkauft zu werden. hgn