1. Saarland

Spezielles Tröpchen für die Eucharistiefeier

Spezielles Tröpchen für die Eucharistiefeier

Perl. Ein Höhepunkt des saarländischen Obermoselweinjahrs ist die Weinsegnung am Namenstag des heiligen Johannes am Montag, 27. Dezember, im Rahmen eines Dankgottesdienstes in der ehemaligen Dekanatskirche in Perl. Das feierliche Hochamt beginnt um 10.30 Uhr. Nach dem Gottesdienst tragen vier Winzer ein Fass mit dem gesegneten neuen Wein zur Verkostung ins Vereinshaus

Perl. Ein Höhepunkt des saarländischen Obermoselweinjahrs ist die Weinsegnung am Namenstag des heiligen Johannes am Montag, 27. Dezember, im Rahmen eines Dankgottesdienstes in der ehemaligen Dekanatskirche in Perl. Das feierliche Hochamt beginnt um 10.30 Uhr. Nach dem Gottesdienst tragen vier Winzer ein Fass mit dem gesegneten neuen Wein zur Verkostung ins Vereinshaus. Das Weinfässchen wird vor Beginn des Gottesdienstes vor dem Hochaltar zur Segnung aufgestellt.Die Weinsegnung in der Perler Pfarrkirche am dritten Weihnachtsfeiertag ist ein alter Brauch, der in vielen Weinregionen durchgeführt wird. Der Winzerwein vor dem Altar ist nicht der einzige Wein bei der Messfeier. Für die Gestaltung des Gottesdienstes verwendet Pfarrer Uwe Janssen jedoch einen besondern Wein. Es ist der Messwein.

Ursprung der Bedeutung

Bei seinem letzten Mahl vor seinem Tod trank Jesus mit seinen Jüngern Wein, hier liegt der Ursprung für die liturgische Bedeutung des Weines in der christlichen Eucharistie, bei der Brot und Wein Zeichen für Christi Leib und Blut sind. Der Messwein unterliegt jedoch strengen Herstellungsregeln. Nach dem Kirchenrecht "Codex Iuris Canonici" Can 924 (Paragraph 3) muss unter anderem der Messwein naturrein und aus Weintrauben gewonnen sein und darf nicht verdorben sein. Für ein einheitliches Vorgehen bei der Verwendung von Messwein haben die Bischöfe 1976, unter Berücksichtigung des Deutschen Weinrechts, für alle Bistümer eine Verordnung über den Gebrauch von Messwein bei der Eucharistiefeier erlassen. Der kirchliche Weinerlass wurde erforderlich, weil das deutsche Weingesetz den Begriff "naturrein" nicht mehr kennt. Im Weingesetz von 1930 war dies noch der ungezuckerte Wein. Nach dem Weingesetz von 1971 wurde dieser Begriff ersetzt durch "Qualitätswein mit Prädikat".

Autorisierte Winzer

Diese Spitzengruppe deutscher Weine beinhaltet die Prädikate Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein. Nicht zugelassen für Messweine sind Tafelweine. Nasszuckerung ist für die Bereitung von Messwein ausdrücklich verboten. Der Messwein muss besonders gekennzeichnet sein und darf nur von autorisierten Winzern oder Händlern, die vom Bistum zugelassen sind, an die Pfarreien verkauft werden. Für die Weine aus Ländern der Europäischen Gemeinschaft gilt die Brüsseler EG-Weinverordnung vom 1. August 1970.

Noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts gab es für den Messwein strenge Regeln. Der Kellermeister oder der Lieferant musste vor "Gott und dem Allmächtigen schwören, für Messwein nur solchen Wein zu verwenden, der unter allen Reinlichkeitsmaßnahmen, geerntet, gekeltert, gelagert, abgelassen und umgefüllt wurde".

Man kann auch heute davon ausgehen, dass der Bedarf der Kirche an Messwein für liturgische Zwecke entscheidend war, dass die Weinherstellung auch in der Zeit nach dem Untergang des Römischen Reiches weiter gefördert wurde. Nach kirchlichen Unterlagen kamen der Messwein sowie der Wein für den täglichen Konsum des Klerus bis Anfang des vergangenen Jahrhunderts überwiegend aus Weinbergen des klösterlichen oder kirchlichen Besitzes.

Wichtige Einnahmequelle

Der Verkauf von Wein aus kirchlichen Gütern stellte vom Mittelalter bis heute eine wichtige Einnahmequelle dar. In früheren Jahren war für Messwein nur Rotwein zugelassen, der als Symbol für das Blut Christi steht. Unter Papst Sixtus IV. (1471-1484) wurden erstmals Weißweine zugelassen. Vermutlich haben unschöne Rotweinflecken in den liturgischen Gewändern der Priester und in den Altardecken zur Umstellung von Rotwein auf Weißwein geführt, weil Rotweinflecken für die Küsterinnen und Pfarrhaushälterinnen aus den Gewändern schwer zu entfernen waren.

Sollte das Fässchen Wein, dass die Jungwinzer am Montag, 27. Dezember, nach der Weinsegnung ins Perler Vereinshaus tragen, ein "Qualitätswein mit Prädikat" sein, so könnte der Wein nach den kirchenrechtlichen Bestimmungen als Messwein verwendet werden.