SPD stellt im Saarland die meisten Bürgermeister der 52 Gemeinden

Ergebnis der Bürgermeister-Stichwahlen im Saarland : Neunkirchen spendet der SPD Trost

Die SPD stellt nach den Stichwahlen die meisten Rathauschefs der 52 Gemeinden. Die CDU freut sich über Siege in Saarbrücken und St. Ingbert.

Die Bürgermeister-Stichwahlen am Pfingstsonntag in 13 saarländischen Städten und Gemeinden sind vor allem in Saarbrücken mit einer faustdicken Überraschung zu Ende gegangen. Fritz Schuster war bis 1976 der letzte CDU-Oberbürgermeister gewesen, der im selben Jahr von Oskar Lafontaine (SPD) abgelöst wurde. Seitdem regierten 43 Jahre lang ausschließlich Sozialdemokraten die Landeshauptstadt. Doch Uwe Conradt (42, CDU), Chef der Landesmedienanstalt, gelang es mit 50,3 Prozent der Stimmen, der Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD, 49,7 Prozent) das Amt zu entreißen, das die 61-Jährige seit 2004 innehatte (siehe auch Seite A 3). Britz erklärte, dass die Debatte um die Verzögerungen beim Neubau des Ludwigsparkstadions und die Affäre bei der Berufsfeuerwehr eine Rolle beim Wählerverhalten gespielt haben könnten. Conradt will nun vorangehen und antreiben. Und dabei möglichst viele Saarbrücker Bürger einbinden. Ob und wie Conradt das gelingt, hängt auch von den Mehrheiten im Stadtrat ab. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Thomas Lutze plädierte für eine Neuauflage der SPD/Grünen/Linke-Koalition.

Britz teilt das Schicksal der bereits im ersten Wahlgang gescheiterten Eppelborner Bürgermeistern Birgit Müller-Closset (SPD). Nach der Stichwahl muss auch die deutlich geschlagene Blieskasteler Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener (CDU, 31,3 Prozent) ihren  Chefsessel im Rathaus für Bernd Hertzler (SPD, 68,7 Prozent) räumen. Somit bleiben in 48 der 52 Saar-Kommunen Männer am Ruder. Neben der Völklinger Oberbürgermeisterin Christiane Blatt (SPD), die nicht zur Wahl stand, sind jetzt drei neue Bürgermeisterinnen gewählt worden. In Püttlingen, der Heimatgemeinde von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, wird Denise Klein (SPD, 53,7 Prozent) Rathauschefin, die sich gegen Edmund Altmeyer (CDU, 46,3 Prozent) durchsetze. In Mandelbachtal gelang Maria Vermeulen (SPD, 72,9 Prozent) ein Erdrutschsieg gegen den Amtsinhaber Gerd Tussing (CDU, 27,1 Prozent). Auch Überherrn wird künftig von einer Frau regiert: Die 42-jährige Anne Yliniva-Hoffmann (SPD) gewann mit 64,7 Prozent deutlich gegen den parteilosen Konkurrenten Michael Fetik (35,3 Prozent).

Trotz des Verlustes der Landeshauptstadt stellt die SPD in 23 von 52 Rathäusern künftig den Verwaltungschef. Die CDU kann nur noch auf 18 Bürgermeister aus ihren Reihen zählen. Die Zahl der unabhängigen Bürgermeister, die keiner der beiden großen Parteien  angehören, ist leicht angestiegen. In elf Kommunen haben sich die Bürger für unabhängige Kandidaten entschieden.

Freude und Erleichterung löste bei der SPD der Sieg von Jörg Aumann in der SPD-Hochburg Neunkirchen aus. Bürgermeister Aumann lag mit 57,6 Prozent vor dem zuvor recht unbekannten CDU-Kontrahenten Dirk Käsbach (42,4 Prozent). Erster Gratulant bei Aumann war der aus Altersgründen scheidende Oberbürgermeister Jürgen Fried (SPD).

Bei der CDU rief neben Saarbrücken auch der Ausgang der Stichwahl in St. Ingbert große Freude hervor. Hier setzte sich der christdemokratische Finanzstaatssekretär Professor Ulli Meyer  (55,3 Prozent) gegen den parteilosen Amtsinhaber Hans Wagner (44,7 Prozent) durch. Meyer führte seinen Sieg auch auf die parteiübergreifende Unterstützung zurück, die er nach dem ersten Wahlgang, bei dem er noch 0,3 Prozentpunkte hinter Wagner gelegen hatte, erfahren habe. Unter anderen hatte der SPD-Alt-OB Winfried Brandenburg zur Wahl Meyers aufgerufen.

In Riegelsberg und Heusweiler entschieden dagegen die Amtsinhaber die Stichwahlen für sich. Der Riegelsberger Bürgermeister Klaus Häusle (SPD, 61) machte mit 50,2 Prozent der Stimmen hauchdünn das Rennen vor Benjamin Schmidt (CDU, 32). In Heusweiler konnte Bürgermeister Thomas Redelberger (CDU) dagegen mit 55,6 Prozent einen klareren Vorsprung gegenüber seinem Konkurrenten Stefan Schmidt (SPD) verbuchen. Schmidt nützte die Schnapszahl von 44,4 Prozent nichts.

Auch in der alten Montan-Stadt Sulzbach ließ der Bürgermeister Michael Adam (CDU) mit 69,7 Prozent seinen SPD-Herausforderer, den Landtagsabgeordneten Dieter Heckmann (30,3 Prozent), weit hinter sich. Heckmann hatte in der Woche vor der Stichwahl noch 5000 Postkarten verteilt, ums sein  Programm „den Menschen noch einmal näherzubringen“, wie er berichtete.

Kleinblittersdorf hat mit Rainer Lang (SPD) einen neuen Rathauschef, der sich mit 53,7 Prozent gegen seine CDU-Mitbewerberin Erika Heit (46,3 Prozent) durchsetzte. Lang löst damit am 1. Mai 2020 den parteilosen Bürgermeister Stephan Strichertz ab, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl antrat.

In der Gemeinde Wallerfangen siegte Horst Trenz (SPD) mit 55,3 Prozent der Stimmen gegen Nicole Reiners-Gerard (CDU), die auf 44,7 Prozent kam. Trenz, bisher Verwaltungschef im Landesarbeitsgericht, beerbt damit am 1. Oktober seinen Parteifreund Günter Zahn, während Reiners-Gerard, HTW-Personalchefin, sich „auf jeden Fall“ weiter politisch im Gemeinderat engagieren will. In Losheim erzielte Helmut Harth (56, parteilos) 56 Prozent und wird Bürgermeister, Björn Kondak (37, SPD) musste sich mit 44 Prozent zufrieden geben.

Neunkirchens Bürgermeister Jörg Aumann (SPD, l.) und CDU-Kandidat Dirk Käsbach beobachten am Wahlabend gemeinsam die Ergebnisse aus den Wahlbezirken. Am Ende hatte Aumann die Nase bei der OB-Wahl vorn. Foto: Volker Ammann
Ministerpräsident Tobias Hans (CDU, l.) gratuliert Ulli Meyer (CDU) zum Wahlsieg in St. Ingbert. Meyers Ehefrau Claudia Meyer-Lang freut sich mit. Foto: Conny Jung. Foto: Cornelia Jung

Die Wahlbeteiligung war in Saarbrücken mit 33,3 Prozent am schwächsten, in Mandelbachbachtal und Blieskastel mit mehr als 57 Prozent am besten.

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