1. Saarland

SPD sondiert noch mit beiden OB-Kandidaten

SPD sondiert noch mit beiden OB-Kandidaten

St. Ingbert. Sven Meier hat gestern mit seiner Ankündigung, in der OB-Stichwahl Hans Wagner und damit einen Wechsel an der Rathausspitze unterstützen zu wollen, die Öffentlichkeit überrascht (wir berichteten). Und offenbar auch seine Partei, wie Thomas Berrang, der Fraktionsvorsitzende der SPD im St. Ingberter Stadtrat, gestern bei einem Besuch in unserer Redaktion verdeutlichte

St. Ingbert. Sven Meier hat gestern mit seiner Ankündigung, in der OB-Stichwahl Hans Wagner und damit einen Wechsel an der Rathausspitze unterstützen zu wollen, die Öffentlichkeit überrascht (wir berichteten). Und offenbar auch seine Partei, wie Thomas Berrang, der Fraktionsvorsitzende der SPD im St. Ingberter Stadtrat, gestern bei einem Besuch in unserer Redaktion verdeutlichte. "Ein Kandidat, zumal wenn er sich im Wahlkampf so engagiert hat wie Sven Meier, hat als Person sicherlich das Recht zur eigenen Meinung", sagte Berrang. Der Stadtverband und die Stadtratsfaktion der SPD in St. Ingbert müssten sich nach seiner Einschätzung allerdings eine Wahlempfehlung genau überlegen. "Es gibt drei Alternativen", meinte Berrang. "Wir sprechen uns für Georg Jung oder Hans Wagner aus oder verzichten auf eine Empfehlung." Dabei sei zu fragen, was am besten zur Programmatik der Sozialdemokraten passe, aber auch, was in den rund acht Jahren nach der Wahl eines Oberbürgermeisters in der Stadtpolitik geschieht.Um diese Themen sei es auch in einer Sitzung gegangen, zu der sich die SPD-Fraktion am Montagabend wie jede Woche routinemäßig getroffen habe. An den intensiven Diskussionen, von den Berrang berichtete, hätten sich auch die SPD-Stadtverbandsvorsitzende Christina Wieth und Sven Meier beteiligt. Berrang: "Am Ende haben wir uns auf einen Vorschlag geeignet, wie wir vor der Stichwahl verfahren wollen." Demnach soll die SPD-Stadtverbandsvorsitzende bei Jung und Wagner die Bereitschaft zu einem Gespräch mit den Sozialdemokraten sondieren. Besteht diese Bereitschaft, würden Christina Wieth und Thomas Berrang Gespräche mit den OB-Kandidaten suchen und ihnen Wahlprüfsteine vorlegen. Danach würden die Parteigremien mit den Gesprächsergebnissen befasst. "Das kann bis Allerheiligen alles passiert sein", schätzte Berrang.

Der Fraktionsvorsitzende gab aber auch seine Einschätzung zu den beiden Kandidaten ab: Mit Georg Jung gebe es bei allem Streit in den vergangenen Jahren ein beachtliches Maß an Gemeinsamkeiten und eine erkennbare Schnittmenge mit SPD-Positionen. Etwa bei der Baumwollspinnerei, der Haltung zu Privatisierungen oder beim wirtschaftlichen Engagement der Stadt. Hans Wagner habe hingegen bei Stilfragen Pluspunkte gesammelt. Er müsse aber noch zeigen, wo Kompromisse mit sozialdemokratischen Haltungen möglich seien.

Entschieden entgegen trat Berrang gestern jedoch dem Eindruck, in der St. Ingberter SPD gebe es einen Riss oder seine Unterstützung für Sven Meier sei nur halbherzig gewesen. Im Vorfeld der OB-Wahl habe er mit Meier die Aufgabengebiete klar abgesprochen: "Ich hielt mich in der Pressearbeit und mit Präsenz bei Terminen zurück, kümmerte mich um die Routine im Rat und überließ unserem OB-Kandidaten die thematische Arbeit innerhalb der Fraktion." An diese Absprache habe er sich gehalten.

Die aktuelle Kritik an seiner Person aus SPD-Reihen erklärte Berrang mit der jüngsten Wahlniederlage: "Mit Kritikern muss man immer leben, vor allem nach enttäuschenden Ergebnissen wird ein Schuldiger gesucht." Auch zum Umstand, dass sich ausgerechnet der SPD-Kreisvorsitzende Meiers Schwenk zu Wagner zueigen machte, äußerte er sich: "Stephan Pauluhns Präferenz in dieser Frage war mir bekannt. Mit Gremien der St. Ingberter SPD war sein Vorstoß aber nicht abgesprochen." "Sven Meier hat nur seine persönliche Meinung geäußert."

Thomas Berrang,

SPD-Fraktionschef