Spannende Spurensuche unter der Erde

Spannende Spurensuche unter der Erde

Holzkohle und Erzabbau rund um Walhausen gehören zusammen. Der historische Bergwerksverein Walhausen erforscht die Bergbauvergangenheit des Ortes. Er beteiligt sich auch an den Walhauser Köhlertagen von diesem Samstag bis 31. August mit einer eigenen Ausstellung.

Was für ein Abenteuer. Ausgerüstet mit elektronischen Gasmessgeräten, mit Helmen, Lampen und wasserdichter Kleidung gingen im Jahr 2005 Mitglieder des Historischen Bergwerksvereins Walhausen und ein Vertreter des Bergamtes auf Spurensuche. Erstmals erforschten sie ein zuvor entdecktes Stollensystems des ehemaligen Kupferbergwerkes Walhausen. Das Wasser stand ihnen dabei bis zum Hals. Wortwörtlich gemeint. Denn der so genannte tiefe Stollen diente früher wohl zum Entwässern verschiedener Bergwerke.

"Man konnte zur Überraschung der Beteiligten ein Stollensystem befahren, welches das Herz eines jeden Bergbauhistorikers höher schlagen lässt", beschreibt Wolfgang Kilian, Vorsitzender des Bergwerksvereins, die Situation. In einer Pressemitteilung berichtet er über die Erstbegehung und das Engagement des Vereines.

Zur Überraschung aller wurden damals 400 Meter begehbare Strecke, ein tiefer Stollen (angelegt zum Entwässern mehrerer angeschlossener Bergwerke) entdeckt.

Überraschender Fund

Gefunden wurden ein Kupferabbau, ein Bleiabbau, zwei noch bis heute unerforschte Gesenke (senkrechte Schächte), teilweise noch im Holzausbau, darüber hinaus noch anstehende Kupfer- und Bleivererzungen. Ein Höhepunkt waren Reste eines 2,30 Meter breiten Handhaspels (Handkurbel zu Erzförderung). In der durch Bergleute bearbeiteten Wand ist die Jahreszahl 1744 eingemeißelt. Zum Abstieg in einem Gesenke ist sogar noch eine alte Holzfahrt (Leiter) unbeschadet, und unter Wasser sogar noch tragfähig, erhalten geblieben.

Beim näheren Erkunden des Bergbausystems fand man auch noch Reste von Blei- und Kupfermineralien. Das untertägige System reicht in der Tiefe bis unmittelbar hinter das bebaute Gebiet der Löschbachstraße, so der Verein. Dort ist der Ablauf des nach dem Winter reichlich angestauten Wassers stark behindert, verursacht durch Gesteinsmaterial eines zweiten Schachtes (Haufwerk).

Untertägig in Richtung Mosberg-Richweiler endet das Stollensystem, nachdem einige leichte Verbrüche überquert wurden, in einem Schuttkegel, der aus Sicherheitsgründen noch nicht überwunden wurde, hinter dem es aber sicherlich noch weitergeht.

Nach Ansicht des Vereines ist das Stollensystem eines der interessantesten Industriedenkmäler im Saarland. In Walhausen wurde von 1454 bis etwa 1792 Kupfer und Blei abgebaut.

Seit 1984 arbeiten Mitglieder der 1983 gegründeten Forschungsgruppe Historischer Bergbau Walhausen an der Freilegung eines alten, vollständig verfüllten Bergwerksschachtes. Beim Beginn der Arbeiten ahnte man nicht, dass es sich bei dem aufgefundenen Objekt um einen 32 Meter tiefen und etwa zwei auf vier Meter großen Schacht handelt. 1995 wurde, um die bergbaulichen Tätigkeiten in geordnete Bahnen zu bringen, der Historische Bergwerksverein Walhausen gegründet, der noch heute etwa 100 Mitglieder aus ganz Deutschland in seinen Reihen hat. 2005 fanden die Bergbaufreunde im Schacht den Zugang zum oben beschriebenen Hauptabbaugebiet des ehemaligen Kupferbergwerks Walhausen.

Der Verein Walhausen hat den tiefen Zugangsschacht in technisch schwieriger Arbeit in der Vergangenheit durch den Einbau von Holzbühnen befahrbar gemacht. Es besteht die Absicht, durch den Einbau von verzinkten Gitterrostbühnen dieses Kulturdenkmal auch der Bevölkerung zugänglich zu machen. Bis dahin wird aber noch einiges Wasser den Löschbach hinunter fließen.

Es muss von Seiten des Vereins geklärt werden, ob Gelder aus Töpfen der saarländischen Tourismusförderung oder der Industriedenkmalpflege in Anspruch genommen werden können.

walhausen.de

Zum Thema:

Auf einen BlickDer Historische Bergwerksverein Walhausen wird im Rahmen der Walhauser Köhlertage, die vom 17. bis 31. August stattfinden, in einem Zelt eine Bilderausstellung über das vor acht Jahren wiedergefundene alte Stollensystem zeigen. Vor Schulklassen und Besuchergruppen werden während der Köhlertage Vorträge über die Montangeschichte in der Region gehalten. Kleine Filme über den historischen Bergbau werden auch gezeigt. Mit in den Stollen gefundenen Mineralien, die von den Besuchern und Schülern auch unter Mikroskopen betrachtet werden können, will der Verein den Bergbau, der in der Region um Walhausen zwischen 1454 (erste urkundliche Erwähnung) und etwa 1792 stattgefunden hat, der Bevölkerung näher bringen. Auch nachgebaute Arbeitsgeräte und in den Stollen gefundene Werkzeuge aus dem 18. Jahrhundert werden zu sehen sein. red