1. Saarland

Sorge um die Förderschule

Sorge um die Förderschule

Homburg/Blieskastel. Die UN-Behindertenkonvention soll allen Eltern die Möglichkeit der Entscheidung geben, welche Schule ihr Kind besuchen soll, wobei allen Bundesländern auferlegt wurde, dieses Recht umzusetzen

Homburg/Blieskastel. Die UN-Behindertenkonvention soll allen Eltern die Möglichkeit der Entscheidung geben, welche Schule ihr Kind besuchen soll, wobei allen Bundesländern auferlegt wurde, dieses Recht umzusetzen. Eltern der Franz-Carl-Schule äußerten Kritik an Überlegungen von Saar-Bildungsminister Klaus Kessler, eine Klausel in die Integrationsverordnung aufzunehmen, wonach bei "unbilligem Kostenmehraufwand" oder "zum Wohle des Kindes" Anträge von Eltern behinderter Kinder in die Förderschule abgelehnt werden können."Eltern und Schüler sind aufgeschreckt, wir befürchten die Schließung von Förderschulen", so die Eltern in einem Pressegespräch zum geplanten Modellversuch des Ministers ab dem kommenden Schuljahr für Kinder mit Lern- oder Sprachproblemen sowie mit Verhaltensauffälligkeiten. "Der persönliche und der private Bereich wären stark betroffen, etwa durch längere Fahrzeiten für Schüler." Erfreulich sei allerdings die Absicht, mehr Sonderpädagogen an Regelschulen einzusetzen. Landrat Clemens Lindemann stellte sich jetzt hinter die drei Förderschulen Lernen, deren Träger er ist. Man verschwende keinen Gedanken daran, auch nur einen Schulstandort der Sonderschulen Lernen wegfallen zu lassen, betonte er. Neben der Franz-Carl-Schule zeichnet der Kreis bei den Förderschulen Lernen verantwortlich für die Siebenpfeiffer-Schule in Homburg und die Albert-Schweitzer-Schule in St. Ingbert.

Für die Franz-Carl-Schule gibt es indes von den Eltern nur anerkennende Worte.

"Es ist toll, was hier die Lehrer leisten, schließlich benötigen die Kinder mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung", meinte Annette Musseyko, deren Tochter Marie (12) sich in der Franz-Carl-Schule optimal aufgehoben fühlt. "Unser Lars (9, Autist) hat auf der Grundschule einiges an Mobbing mitmachen müssen. Wie hier die Lehrer und Schüler mit dem Kind umgehen, ist vorbildlich. Der Lars ist zu einem stabilen, glücklichen Kind geworden, die Lehrer sind seine Freunde", freute sich Christopher Lahm-Wolter, der auch die Zusammenarbeit der Schule mit den Uni-Kliniken herausstellt.

Ein Schnuppertag an der Franz-Carl-Schule führte bei Alexander Roth (11) zur Einschulung an dieser Einrichtung. "Bei Alexander wurde in der Kita eine Lernbehinderung festgestellt. Der Junge ist jetzt das vierte Jahr hier, fühlt sich sehr wohl und vor allem geborgen. Seine Erfolgserlebnisse wirken sich auch auf das Familienleben positiv aus", stellte seine Mutter Waltraud fest.

"Die Kommunikation Eltern-Kind-Lehrer ist an dieser Schule top. Man stellte schnell fest, hier ist unser Sohn Maurice (12, Autist) von Beginn an willkommen, es wird auf die speziellen Bedürfnisse des Jungen eingegangen", lobte Mutter Maria Lagally. "Die Kinder blühen richtig auf, sie sind trotz Behinderung keine Außenseiter", meinte sie.

Alle Eltern bezeichnen die Integration an dieser Schule als ein ganz wichtiges Thema der Förderung, zumal der Franz-Carl-Schule das Förderzentrum angegliedert sei, das die integrative Unterrichtung von behinderten Schülern und Schülerinnen im Saarpfalz-Kreis koordiniere.

Alle am Schulleben beteiligten Personen, Ämter und Institutionen seien in eine dynamisch gestaltende Entwicklungsarbeit einbezogen, stellen die Eltern unisono heraus. "Wir werden für den Erhalt dieser Schule kämpfen." "Es ist toll, was hier die Lehrer leisten."

Annette Musseyko

Auf einen Blick

 Die Eltern der Franz-Carl-Schüler fürchten um den Standort der Schule, in der sie die Kinder bestens aufgehoben sehen. Foto: Hurth
Die Eltern der Franz-Carl-Schüler fürchten um den Standort der Schule, in der sie die Kinder bestens aufgehoben sehen. Foto: Hurth

Die Franz-Carl-Schule Blieskastel besuchen derzeit 45 Schülerinnen und Schüler in vier Klassen, im Team arbeiten sechs Pädagogen, Schulleiter ist Hans-Jürgen Latz. Insgesamt werden im Saarpfalz-Kreis 235 Schülerinnen und Schüler integrativ betreut. Der Schulentwicklungsplan sieht für die Schulen zwar eine Bestandsgarantie bis 2015 vor, die Eltern in Blieskastel sehen durch die Minister-Pläne jedoch eine große Unsicherheit. hh