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Sommerhitze: Spaß und Stress

Sommerhitze: Spaß und Stress

Wetterfühligkeit - pure Einbildung oder tatsächlich nachzuweisen? Jedenfalls sind zurzeit mehr Menschen in Behandlung wegen Symptomen, die dem mit schwül-drückende Klima in Verbindung gebracht werden.

St. Wendel. Zickt die ansonsten doch recht verträgliche Kollegin wie aus heiterem Himmel herum? Fühlt sich der Partner wie gerädert, obwohl er die ganze Nacht im Bett verbracht hat? Nörgelt der Kumpel über Übelkeit und kann sich nicht erklären woher? Und jammert dann auch noch der Nachbar über Kreislaufprobleme? Dann sind wir nicht allein unter den Deutschen, die per se jede Malaise unbewiesen aufs Wetter schieben. Seit Wochenanfang hat dies einen triftigen Grund, wird sogar von Medizinern bestätigt. Die schwüle, drückende Wetterlage setzt mächtig zu. Viele hängen in den Seilen.Wenn's gut geht, fühlen sich die meisten nur ermattet, einfach schlapp. Doch es gibt auch Menschen, die kollabieren wegen der Hitze. Dr. Hans Jürgen Schönenberger: "Seit Montag haben wir viele Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen und Atemnot." Dem Chefarzt der Abteilung Innere Medizin am St. Wendeler Marienkrankenhaus liegen nach eigenen Angaben zwar keine konkreten Zahlen dazu vor. Aber "wir merken, dass es mehr geworden ist". Die Symptome, mit denen Patienten seit Wochenanfang bei ihm und seinen Kollegen landen würden: Kreislaufprobleme wie Schwindel bis hin zum Kollaps. Sicherlich könne dies durchaus mit der Schwüle zusammenhängen, sagt der Spezialist. "Doch ein Internist sucht auch immer nach anderen Ursachen."

Und wer glaubt, das ereile nur Ältere, sieht sich getäuscht. Der 64-jährige Schönenberger: "Es trifft zurzeit jede Altersklasse." Das fange bei Schlaflosigkeit an, gehe über dauerhafte Kopfschmerzen und setze sich bis zur Austrocknung fort. Darum empfiehlt der Mediziner: "Viel trinken. Mineralwasser, ob mit oder ohne Kohlensäure, und Tee."

Dass übrigens Kaffee den Körper austrocknet, stimme so nicht. Der Organismus unterscheide keine Flüssigkeiten, bestätigt Schönenberger. "Ich trinke selbst gern Kaffee, aber ein Durstlöscher ist er nicht." Zumal er dann in größeren Mengen als den üblichen Tassen getrunken werden müsste. Was allerdings passieren könne durch übermäßigen Kaffeekonsum: Der Betroffene renne öfter zur Toilette, weil das Bohnengebräu "harndrängend" wirke. Somit wiederum werde der Körper dann ausgeschwemmt, und dem Organismus drohe dann indirekt eine Austrocknung.

Völligen Verzicht bei Sommerhitze verlangt der St. Wendeler Chefarzt auf Alkohol. Der setze den ohnehin schon belasteten Kreislauf zusätzlich unter Druck. Gleichzeitig biete sich leichte Kost an: statt Fett triefenden Eisbeins leichter Salat oder Gemüse, auch für Nicht-Vegetarier.

Fühlt sich jemand trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bei hohen Außentemperaturen unwohl, sollte er diese Warnsignale ernst nehmen. Schönenberger: "Wenn Schwindel auftritt, ist der Gang zum Arzt der richtige." Wenn das Wetter auf den Magen schlägt, sich dazu Durchfall und Erbrechen einstellen, dann ebenfalls. Denn hier drohe Flüssigkeitsmangel. "Der ist fast nur durch Infusionen aufzufangen, besonders bei älteren Patienten."