1. Saarland

Solarpark kann nach Kastel kommen

Solarpark kann nach Kastel kommen

Der Solarpark auf dem ehemaligen Bahnhof in Kastel kann gebaut werden. Bei einigen Enthaltungen sprach sich der Gemeinderat für den entsprechenden Plan aus. Der mit Bäumen und Hecken bewachsene Böschungsstreifen zur Autobahn bleibe weitestgehend erhalten.

Kastel. Dass das Wort "Mähwiese" für so viel Diskussionen sorgen würde, das hatte Hugo Kern vom Büro Kernplan nicht gedacht. Sein Unternehmen hat im Auftrag der Gemeinde den Bebauungsplanentwurf für die Fotovoltaikanlage auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände in Kastel gefertigt. Und in diesem Entwurf war der Böschungshang zur Autobahn A 1 als Mähwiese bezeichnet worden. Zurzeit wachsen hier noch Bäume und Hecken. Die auch weitestgehend erhalten bleiben. So hat es der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung im Castellum in Kastel beschlossen.Anwohner der kleinen Siedlung "Zur Münzbach" hatten sich im Planungsverfahren gegen die Umwandlung der Böschung in eine Mähwiese und für den Erhalt des Baumstreifens ausgesprochen. Und auch Unterschriften für den Erhalt in Kastel gesammelt. 381 Kasteler Bürger haben unterschrieben. Etwa 20 Besucher verfolgten vor Ort die Ratssitzung.

Hugo Kern stellte den neuesten Entwurf des Bebauungsplanes vor. In diesem wird festgeschrieben, dass im oberen Böschungsbereich direkt an der Autobahn eine dichte Reihe von Bäumen stehen bleibt. Kern: "Eingriffe im Rahmen des Solarparkbaus sind hier unzulässig."

Im unteren Bereich dürften Bäume zurückgeschnitten werden, wenn sie Schatten auf die Solarmodule werfen. Der Planer: "Hier darf nur im Einzelfall zurückgeschnitten werden." Sein Fazit: "Ich denke, damit ist eine verträgliche Lösung gefunden." Zumal erst im Laufe des Sommers bei einer erneuten Ortsbegehung geprüft werde, wie groß der Schattenwurf sei, und was man machen müsse, sagte der Kasteler Ortsvorsteher Magnus Jung (SPD).

Kern unterstrich auch, dass ein Lärmgutachten ergeben habe, dass der Böschungsbewuchs entlang des ehemaligen Bahnhofes keine Lärmschutzfunktion erfülle, allerdings eine Sichtschutzfunktion.

Die SPD-Fraktion sprach sich für die überarbeitete Planung aus. Alle Bedenken und Anregungen des Ortsrates Kastel seien aufgegriffen worden. Das Lärmgutachten komme zu dem Ergebnis, dass es zu keinen nennenswerten zusätzlichen Lärmbelästigungen kommen werde, sagte für die SPD ihr Fraktionsvorsitzender Erwin Scherer. Und weiter: "Der Beschlussvorschlag trägt den berechtigten Anliegen der Bürger aus Kastel Rechnung." Der Ortsrat Kastel hatte sich am Abend vor der Ratssitzung ebenfalls einstimmig für die Planung ausgesprochen.

Die CDU-Fraktion hingegen zeigte sich in diesem Punkt gespalten. Ihr Fraktionsvorsitzender Alexander Schweizer sprach sich indirekt gegen mögliche Baumfällungen aus: "Aufgabe der Gemeinde ist es nicht, den Schattenwurf zu beseitigen." Thomas Leidinger, CDU, hingegen sagte: "Die Bürger haben sich beteiligt. Alle Interessen sind berücksichtigt."

Bürgermeister Franz Josef Barth unterstrich: "Die Belange der Anwohner sind soweit wie möglich berücksichtigt worden. Es gibt aber auch Rechte des Betreibers. Das ist ein guter Kompromiss." Das sah auch der Kasteler Ortsvorsteher Magnus Jung so. Lärmschutz sei in Kastel ein Dauerbrenner. Bei der jetzigen Planung könne man aber davon ausgehen, dass keine zusätzliche Lärmbelästigung auf die Bürger zukomme.

Nachdem auch einige der Bürger der Münzbach zu Wort gekommen waren, beantragte die CDU-Fraktion zunächst eine Sitzungsunterbrechung.

Und dann eine geheime Abstimmung über den so genannten Abwägungsbeschluss zum Bebauungsplan. Das Ergebnis: 15 Ja-Stimmen, sechs Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Von den 22 anwesenden Ratsmitgliedern gehören elf der SPD an, neun der CDU, je einer der FWG und den Linken.

Die Änderung des Flächennutzungsplanes beschloss der Rat dann bei drei Enthaltungen aus der CDU-Fraktion und des Linke-Ratsmitgliedes. Der Bebauungsplan selbst passierte dann bei drei Enthaltungen (CDU und Linke) den Rat.

Meinung

Geheimnistuerei war unnötig

Von SZ-RedakteurVolker Fuchs

Die CDU-Fraktion im Nonnweiler Gemeinderat hat in der jüngsten Sitzung des Rates in Kastel bei der Diskussion um den Solarpark kein gutes Bild abgegeben. Nicht deshalb, weil sie nicht geschlossen für oder gegen die Planung gestimmt hat. Das muss auch bei einer Fraktion grundsätzlich möglich sein. Sondern, weil sie dies nach einer Sitzungsunterbrechung in geheimer Abstimmung getan hat. Diese Geheimnistuerei war in diesem Fall völlig unnötig und unverständlich, zeugte von wenig Rückgrat. Zumal alle Ratsmitglieder wissen, dass der umstrittene Böschungsstreifen, selbst wenn er ganz dicht bewachsen wäre, im Kernort Kastel am Verkehrslärm von der Autobahn nichts ändert.

Hintergrund

Der Solarpark wird auf dem Gelände des ehemaligen Kasteler Bahnhofes gebaut. Dieses Areal liegt eingezwängt zwischen der Autobahn A 1 und der Landstraße L 147. Zu erreichen ist es über die wenige Häuser umfassende Siedlung "Zur Münzbach", wenige hundert Meter vom Kreisel Gomms Mühle entfernt. Auf dem 1,3 Hektar großen Gelände sollen Solarmodule mit einer Leistung zwischen 0,7 und einem Megawatt aufgestellt werden. Das ist genug, um etwa 200 Haushalte zu versorgen. Investor ist die Firma Wattwerk aus Luxemburg, die mit Kosten von rund 1,7 Millionen Euro rechnet. vf