1. Saarland

So viele Äpfel wie selten zuvor

So viele Äpfel wie selten zuvor

St. Ingbert/Bliestal. Der Spätsommer steht vor der Tür und der Blick auf die Streuobstwiesen unserer Region kündigt schon jetzt eine frühzeitige und ertragreiche Apfelernte an

St. Ingbert/Bliestal. Der Spätsommer steht vor der Tür und der Blick auf die Streuobstwiesen unserer Region kündigt schon jetzt eine frühzeitige und ertragreiche Apfelernte an. "Die Bäume biegen sich und dank des warmen und sonnenreichen Frühlings kann in diesem Jahr schon ab Mitte September mit der Ernte begonnen werden", sagt Wolfgang Hegmann, Vorsitzender des Vereins Bliesgau Obst. Auch die örtlichen Obst- und Gartenbauvereine, etwa in Erbach, Einöd, Kirkel oder Schwarzenbach, bestätigen auf Anfrage unserer Zeitung diese "riesige Apfelernte". Viele der vielen rührigen Vereinsmitglieder können sich kaum mehr an ein solch reiches Ertragsjahr erinnern. "Man könnte sagen: Saarpfalz ist Obstland", sagt Peter Otto Schmidt beim Fest des Obst- und Gartenbauvereins in Schwarzenbach.Der Saarpfalz-Kreis, insbesondere die Landschaft in der Biosphäre Bliestal, ist ein vielfältiger Lebensraum von Flora und Fauna. Sie stellen eine einmalige schützenswerte Struktur dar. "Es gibt artenreiche Salbei-Glatthaferwiesen und Kalk-Halbtrockenrasen, und auch insbesondere die Streuobstwiesen spielen eine große landschaftsprägende Rolle." So beschreibt Eric Thielgen die einzigartige Saarpfalz-Region in seiner Bachelor-Arbeit "Die Erarbeitung eines fachlichen Konzeptes zum Erhalt und zur Reaktivierung von Streuobstbeständen im Biosphärenreservat Bliesgau unter Maßgabe einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und Zertifizierung". Der Saarländer Thielgen ist Absolvent der Hochschule Rhein-Main, Fachbereich Meisenheim, im Studiengang Landschaftsarchitektur. Ein wichtiges Ziel sei es, die Streuobstbestände dauerhaft zu sichern und eine Reaktivierung zu gewährleisten. Deshalb suche man gemeinsam mit Fachleuten auch aus dem Biosphärenzweckverband nach Möglichkeiten, wie eine künftige Reaktivierung und Erhaltung der Streuobstbestände im Reservat gesichert werden könne. Derzeit existieren 77 529 Obstbäume in der Gau-Region.

Da die Nachfrage an Apfelsaft und Streuobstprodukten groß ist, werden viele Äpfel gebraucht. Deshalb bietet auch in diesem Jahr der Verein Bliesgau Obst in Kooperation mit Fruchtgetränke Gersheim GmbH Streuobstwiesenbesitzern und Mitgliedern die Möglichkeit, die Streuobst-Äpfel abzugeben. Ein besonderer Anreiz hierzu sind die Abnahmepreise von Fruchtgetränke Gersheim. In diesem Jahr zahlt das Unternehmen den Mitgliedern von Bliesgau Obst für je 100 Kilogramm Mostobst 15 Euro. Für Nichtmitglieder verbleibt es bei dem Preis von zwölf Euro je 100 Kilogramm. Neben dem finanziellen Obolus hat jeder, der seine Äpfel abgibt, das gute Gefühl, den Rohstoff für den Bliesgau-Apfelsaft zu liefern und gleichzeitig einen Beitrag zum Erhalt der wertvollen Natur- und Kulturlandschaft zu leisten.

Die besten Ratgeber sind in den Orten die jeweiligen Obst- und Gartenbauvereine. Informationen gibt es zudem in Homburg beim Saarpfalz-Kreis, Telefon (0 68 41) 10 40, beim Biosphärenzweckverband in Blieskastel, Tel. (0 68 42) 96 00 90, und beim Verband Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz, Tel. (0 68 87) 9 03 29 99.

Auf einen Blick

Bekannt sind die Streuobstwiesen für ihren großen Reichtum an Tier- und Pflanzenarten. Bis zu 1000 verschiedene Tierarten können in Streuobstbeständen leben. Zahlreiche Arten, wie der Gartenrotschwanz, der Wendehals, der Steinkauz oder auch viele Insekten, sind durch den zunehmenden Verlust an Obstwiesen aller Orten vom Aussterben bedroht. Die artenreichen Pflanzengemeinschaften auf den extensiv genutzten Wiesen werden von Arten wie der gelb blühenden Schlüsselblume, dem blau blühenden Wiesensalbei oder verschiedenen Orchideenarten dominiert. Streuobstwiesen dienen auch als Gen-Reservoir für alte Obstbaum-Sorten. Die schönsten, erhaltenswertesten Obstbaumwiesen befinden sich im südwestlichen Bliesgau um die Gemeinden Mandelbachtal, Gersheim und Blieskastel. Haupt-Obstarten sind Äpfel, Zwetschge, Süßkirsche und Birne. jkn