1. Saarland

So sprachlos wie der kecke Knirps

So sprachlos wie der kecke Knirps

Tobi ist mit den Nerven völlig am Ende. Denn mein Kumpel bespaßt seinen dreijährigen Neffen. Unentwegt. Von morgens früh bis abends spät. Wie lang schon? Na seit zwei nicht enden wollenden Tagen. Dessen Eltern sind verreist. Auf Kurzurlaub. Erholen sich. Zum ersten Mal seit der Geburt des Kleinen ohne Kind

Tobi ist mit den Nerven völlig am Ende. Denn mein Kumpel bespaßt seinen dreijährigen Neffen. Unentwegt. Von morgens früh bis abends spät. Wie lang schon? Na seit zwei nicht enden wollenden Tagen. Dessen Eltern sind verreist. Auf Kurzurlaub. Erholen sich. Zum ersten Mal seit der Geburt des Kleinen ohne Kind. Bevor zu den anstehenden Feiertagen ihre zahlreichen Verwandten, wie seit Wochen angedroht, sie heimsuchen. Tobi hatte deshalb im Anfall völliger Unzurechnungsfähigkeit angeboten, den Kleinen bei sich aufzunehmen. "Selbstverständlich", sagte er mit Stolz geschwellter Brust. "Bin schließlich sein Patenonkel." Wichtig zu wissen: Bisher beschränkte sich seine Betreuungszeit immer nur auf wenige selektive Stunden. Jetzt stehen weitere drei Tage bevor.Thea grinst schelmisch, als Tobi bei ihr aufkreuzt. Den Knirps im Schlepptau, an seiner Hand zerrend. "Schönes Augenpiercing trägst Du da", sagt meine beste Freundin mit Blick auf seine tief hängenden Augenringe und feixt.

Mein Kumpel schildert melodramatisch den soeben beendeten Besuch im Spielzeuggeschäft. Wie sich der kecke Nachwuchs in einem unbeobachteten Moment im Schaufenster breit machte. Dort ganz ungezwungen bediente, eine geöffnete Kiste mit Bauklötzen nach der anderen gleichmäßig in der Auslage und darüber hinaus verteilte. Tobi konnte gar nicht so schnell herbeisprinten, wie das Kind mit einem breiten Grinsen das Tohuwabohu anrichtete.

Während Tobi bedröppelt vor Thea steht, brabbelt der Kleine unentwegt vor sich her. Und obwohl sie sich all erdenkliche Mühe gibt, versteht sie kein Wort. Sollte er mit drei Jahren nicht besser reden können? Mein Kumpel tut dies als Irrwitz ab: "Natürlich kann mein Patenkind sprechen! Seine Eltern und ich wissen nur noch nicht, welche Sprache."