1. Saarland

So schön kann ein Lagerfeuer-Kochkurs im Saarland sein

Serie Abenteuer in der Region : Feuer und Flamme für das Kochen im Wald

Andreas Ruthig aus Oberbexbach bietet mit seinem Unternehmen „Natürlich - Wildsein - Waldsein - Freisein“ (NWWF) besondere Erlebnisse in der Natur an. Wir haben einen Lagerfeuer-Kochkurs im Wald bei Marpingen besucht und berichten, wie das Vier-Gang-Menü gekocht wurde und wie es geschmeckt hat.

„Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand“.

Dieser kluge Satz des britischen Naturforschers Charles Darwin ziert den Faltprospekt von NWWF, dem kleinen Unternehmen von Andreas Ruthig aus Oberbexbach.   NWWF steht für „Natürlich – Wildsein – Waldsein – Freisein“. Ruthig bietet Erlebnisse in der freien Natur an, zum Beispiel Survivalkurse (Überlebenskurse), Projekttage für Schulen, Geburtstags- und andere Feiern – und einen Lagerfeuer-Kochkurs. Der findet in der Regel samstags von 14 bis 18 Uhr statt. Wir haben uns aus Termingründen für einen Werktagabend mit ihm verabredet und zwei Freunde mitgebracht. 

„Hallo, herzlich willkommen in unserem Waldcamp“, begrüßt uns Andreas, der große, bärtige Kerl mit den tätowierten Unterarmen. Zuerst stellt er uns sein  Team vor, die „Woodmen Cooking Crew“ – so steht es auf ihren T-Shirts: Seine Frau Bianca,  Tim, gelernter Koch und Fleischer, Max, das junge Allroundtalent, Tom, Angler und Jäger, Metzgermeister Stephan  und Michaela sowie Sandra mit ihren Kindern Lana (13) und Fiona (11).

„Die Natur muss gefühlt werden.“

Diese Aussage des deutschen Forschungsreisenden Alexander von Humboldt, hat Andreas Ruthig verinnerlicht. Er verdient seine Brötchen als selbstständiger Versicherungsfachmann, doch in jeder freien Minute zieht es ihn in die Natur. „Vor ein paar Jahren, 2018 bis 2019, habe ich acht Monate draußen geschlafen, davon 16 Tage in Schweden“, erzählt er. Seit fünf Jahren bietet er zusammen mit seinem Kooperationspartner Jochen Schweitzer (München) Outdoor-Erlebnisse an. Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland, von Stuttgart über Dortmund bis nach Kiel.    „Das Verständnis für die Natur und ihre Produkte ist uns sehr wichtig. Das wollen wir fördern, sonst geht es verloren. Bei unseren Kursen können die Leute das kennenlernen“, erklärt Andreas. Inzwischen hat er auch eine staatliche Ausbildung zum Waldpädagogen absolviert, vermittelt sein Wissen und seine Naturverbundenheit auch an junge Leute. „Kindergärten, Schulklassen und auch Menschen mit Behinderung sind bei uns im Wald zu Gast. Dabei werde ich von der Diplom-Sozialpädagogin Britta Groß aus Marpingen unterstützt.“ 

„Wenn man die Natur wahrhaftig liebt, so findet man es überall schön.“

Diese Einschätzung des niederländischen Malers Vincent van Gogh teilen Andreas und seine Woodmen Cooking Crew. Und so hat er ein zirka 2500 Quadratmeter großes Gelände im Wald bei Marpingen (Kreis St. Wendel) gekauft und mit seinen Waldmännern und -frauen ein Camp eingerichtet. „Der Bürgermeister von Marpingen, Volker Weber, hat uns dabei von Anfang an unterstützt.“ Um zwei große Feuerstellen stehen breite, überdachte Sitzbänke aus Holz zur Verfügung (der sogenannte Wikingerbereich). Darüber ist ein dekorativer, wasserabweisender Event-Fallschirm gespannt. Außerdem gibt es zwei Unterstände zum Vorbereiten der Speisen. Einer ist mit zwei kleinen runden Backöfen ausgerüstet - das sind umgebaute Bierfässer.

In dem Camp kann man auch übernachten, unter anderem in einem kleinen Baumhaus, das ebenfalls von einem Schirm geschützt wird. Nachdem wir weitere Stationen des Camps wie die selbstgebauten Übernachtungsmöglichkeiten, das Team und seine Philosophie kennengelernt haben, versorgt uns Andreas mit kühlen Getränken aus dem Versorgungszelt – und dann geht es los mit dem Kurs. „Wir bereiten jetzt mit euch zusammen ein Vier-Gang-Menü zu“, kündigt er an. Es gibt Flammkuchen „Elsässer Art“, gebratene Paprika mit überbackenem Balkankäse, knusprigen Spießbraten mit Bratkartoffelsalat  sowie Apfel-Chimichangas mit Vanillesoße. „Das hört sich großartig an“, freut sich Gerhard, Genussmensch und ambitionierter Hobbykoch. Er meldet sich zur „Gruppe Flammkuchen“, schnappt sich ein Messer und schneidet zuerst mal Zwiebeln in dünne Ringe. Claudia entscheidet sich für die Beilage zum Hauptgericht, den Bratkartoffelsalat. Gisela kümmert sich um die Paprika-Vorspeise. Dazu werden rote Paprika und Zwiebeln mit der Schale in eine Feuerstelle mit Glut gelegt. „Wenn die Haut schwarz geworden ist, könnt ihr die Paprika herausnehmen und schälen“, erklärt Camp-Chefkoch Tim, der inzwischen als Justizhauptwachmeister arbeitet.

Er zeigt uns an einem Tisch neben den Feuerstellen, wie der Spießbraten vorbereitet wird. Ein großes Stück Schweinekamm wird zugeschnitten, die Innenseite mit Salz, Pfeffer und Paprika gewürzt, mit Speck- und Zwiebelwürfel belegt, zusammengerollt und mit Bindegarn in Form gebracht.    Über offenem Feuer beziehungsweise Glut wird er bei gleichmäßigem Drehen (da wechseln sich alle ab) zirka zwei bis zweieinhalb Stunden gebraten und ab und zu mit Paprikamarinade und Bier eingepinselt.

An der anderen Feuerstelle brennt ein stattliches Holzfeuer, der Schwenker ist vorbereitet. Allerdings nicht mit einem Grill, sondern mit einer runden Gusseisenplatte. Darauf kommt Öl und dann befördert Claudia mit einer großen Kelle die Kartoffelwürfel auf die Platte überm Feuer.  Inzwischen sind die kleinen runden Flammkuchen ofenfertig. Sie wandern auf einen heißen Stein, der im oberen Drittel der Bierfass-Backöfen angebracht ist, darunter lodert das Holzfeuer. Ein paar Minuten später sind sie fertig und werden verteilt. Der erste Gang unseres Lagerfeuer-Menüs schmeckt köstlich, alle sind von den knusprig-aromatischen Flammkuchen begeistert.

Und es geht sehr schmackhaft weiter.  Gisela und Bianca haben die geschälten Paprika (dafür benötigt man Geduld und Fingerspitzengefühl) und die Zwiebeln auf kleine Tonschälchen verteilt, gießen die Marinade aus Olivenöl, Balsamico, Knoblauch, Honig und Senf, Petersilie, Salz und Pfeffer an und bröseln den Balkankäse drüber. Auch die Schälchen kommen kurz in die beiden Bierfass-Backöfen – und dann ist die Freude groß: „Mmhhh, sind die lecker, ein tolles Rezept. Das werden wir zu Hause auch mal probieren.“ 

Während Claudia aus ihren Bratkartoffeln mit Hilfe von Eiern, Gurken und einer Öl-Essig-Senf-Sahne-Marinade einen Salat zaubert, nehmen Andreas und Tim die zwei fertig gegarten Spießbraten vom Feuer. Zusammen mit der heißen Zwiebelsoße wird alles angerichtet – ein Festessen! Knusprig und saftig das Fleisch, pikant der Salat und die Soße. Dazu lassen wir uns Bier und Wein munden.  Zum Abschluss kommt noch einmal die Grillplatte zum Einsatz. Darauf werden die Apfel-Chimichangas gebraten, das sind mit Apfelscheiben gefüllte Teigfladen.

„Wer einen Baum pflanzt, wird den Himmel gewinnen.“

Das hat der chinesische Philosoph Konfuzius einmal gesagt.  Wer sich mit Gleichgesinnten um eine Feuerstelle versammelt, wird einen wunderschönen Nachmittag (oder in unserem Falle Abend) verbringen, könnte man hinzufügen. Denn jetzt sitzen wir auf den gemütlichen Holzbänken um die beiden Lagerfeuer und unterhalten uns über das Essen und seine Zubereitung, über die Natur, den Umgang der Menschen damit, den Klimawandel und die jüngsten Katastrophen wie die Überschwemmungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Es wird immer dunkler. Und stimmungsvoller. Andreas und seine Helfer stellen selbstgebastelte Fackeln auf, das Holzfeuer knistert, die Flammen lodern, die Glut leuchtet. „Ich hätte nicht gedacht, dass man am Lagerfeuer so feine Speisen zubereiten kann,“ resümiert Gerhard. Und auch Claudia ist Feuer und Flamme für das Kochen im Wald: „Ein wundervoller, genussreicher Abend.“ In der Tat, dass das Braten, Grillen und Kochen am offenen Feuer so vielseitig und schmackhaft ist und so viel Spaß macht, hatte keiner von uns vermutet. Auch Andreas und seine Crew sind zufrieden. „Neun Monate war unser Waldcamp wegen Corona zu, jetzt können wir wieder kochen, sproochen und lachen.“

 Natürlich - Wildsein - Waldsein - Freisein (NWWF), Andreas Ruthig, Schäferweg 12, 66450 Bexbach.

nwwf.camp

Hier geht es zur Bilderstrecke: So schön war es beim Lagerfeuer-Kochkurs im Saarland