1. Saarland

So nah und doch so fern: Cattenom

So nah und doch so fern: Cattenom

Der Montagsspaziergang der Atomkraftgegner in Saarbrücken hat in dieser Woche angesichts der Atom-Katastrophe in Japan einen gewaltigen Zuwachs der Teilnehmerzahl erfahren: 600 Menschen gingen schweigend mit, um ihre Anteilnahme für die Japaner zu zeigen, aber auch um ihre Forderung nach einem sofortigen Abschalten der Atomkraftwerke in Deutschland zu unterstreichen

Der Montagsspaziergang der Atomkraftgegner in Saarbrücken hat in dieser Woche angesichts der Atom-Katastrophe in Japan einen gewaltigen Zuwachs der Teilnehmerzahl erfahren: 600 Menschen gingen schweigend mit, um ihre Anteilnahme für die Japaner zu zeigen, aber auch um ihre Forderung nach einem sofortigen Abschalten der Atomkraftwerke in Deutschland zu unterstreichen. Viele begaben sich zum ersten Mal gegen die Atomkraft auf die Straße, darunter Eltern, die in großer Sorge um die Zukunft ihrer Kinder sind. Die knallgelben "Atomkraft Nein Danke!" Anstecker waren wieder in großer Zahl zu sehen, nur der grüne Umweltstaatssekretär Klaus Borger wollte seinen schicken anthrazitfarbenen Mantel mit einem Anstecker nicht beschädigen, wie er selbst sagte. Mit seinem breitkrempigen Hut war Borger ohnehin eher gekleidet wie für die Messe "Jagd und Hund" als für eine Anti-Atom-Demo. Als deplaziert empfanden manche Demonstranten bei der Schlusskundgebung den Auftritt der Grünen-Chefs Hubert Ulrich, der sich für die unklare Haltung der Saar-Grünen zur Verfassungsklage gegen die Laufzeitverlängerung Pfiffe und Buh-Rufe anhören musste.Die Atomkraftgegner an der Saar sammeln jetzt Argumente und Kräfte, um gegen das störanfällige Atomkraftwerk in Cattenom zu Felde zu ziehen. Das liegt zwar nah an saarländischen Kommunen, doch abseits des politischen Zugriffs von deutscher oder besser europäischer Seite. Am Freitag schloss sich der Städte- und Gemeindetag der Initiative der Bürgermeister von Merzig, Mettlach, Perl und Rehlingen-Siersburg an, die Unterschriften dafür sammeln, dass für Cattenom die gleichen Sicherheitsstandards gelten wie für die jetzt abgeschalteten deutschen Reaktoren. Offenbar entsteht gerade eine Anti-Cattenom-Bewegung im Saarland: Doch wann werden die Saarländer zu ihren französischen Freunden jenseits der Grenze ziehen, ihnen ihre Ängste offenbaren und im Angesicht der vier Cattenom-Reaktoren die Abschaltung fordern?