So macht man keine Werbung für die Stadt

So macht man keine Werbung für die Stadt

So macht man keine Werbung für die StadtZu "Sitzblockade gegen Nazi-Demo", SZ vom 4. Juni:Jazz-Frühschoppen auf dem Marktplatz, Marktschreier auf dem Christian-Weber-Platz, Flohmarkt am Forum und - ja - Nazis in der Innenstadt. Den Genehmigern ist das offensichtlich nicht seltsam vorgekommen

So macht man keine Werbung für die Stadt

Zu "Sitzblockade gegen Nazi-Demo", SZ vom 4. Juni:

Jazz-Frühschoppen auf dem Marktplatz, Marktschreier auf dem Christian-Weber-Platz, Flohmarkt am Forum und - ja - Nazis in der Innenstadt. Den Genehmigern ist das offensichtlich nicht seltsam vorgekommen. Hauptsache, man hatte die Gegendemo weit weg verbannt, denn man weiß ja: Die Gegendemonstranten sind die Gefährlichen - die Nazis dagegen friedliche Bürger wie Du und Ich. Wer also gerne Rechtsradikale hörte, bekam eine rund einstündige Vorlesung in der Universitätsstadt Homburg, sogar über Megafon, sodass auch niemandem etwas entging. Doch es gibt bei Vorlesungen immer ein Paar, die keine Ruhe geben. Junge Leute "rotteten" sich in der Innenstadt "zusammen", um gegen die Nazis vor Ort zu demonstrieren. Organisiert hatten die tapfere Gegenwehr engagierte Medizinstudenten, wofür ihnen ein ganz großes Lob gebührt. Sie taten - unterstützt von anderen Gruppen wie den Jusos - ihr Bestes, um den Nazis akustisch etwas entgegenzusetzen. Währenddessen herrschte in der Innenstadt lebhafter Verkehr von Fußgängern, denn die Talstraße war wegen der Demo für den Autoverkehr gesperrt - auch dies eine schöne Tradition bei Homburger Festen. Viele Passanten waren konsterniert, schüttelten den Kopf und nahmen gleich Umwege in Kauf, um dem braunen Gelichter zu entgehen. So macht man keine Werbung für die Stadt. Ganz im Gegenteil. Wer mit einer solchen Selbstverständlichkeit Jahr für Jahr Nazis aufmarschieren lässt, der hat nichts kapiert.

Doris Grieben, Homburg