So kommt Shakespeare auf den Hund

Ein Besuch in der Maske des Saarländischen Staatstheaters : So kommt Shakespeare auf den Hund

Ein Besuch in der Maskenbildnerei des Staatstheaters, wo gerade eine aufwändige Hunde-Maske für „Shakespeare in Love“ entsteht.

Das Gerüst steht. Aus Mieder-Stäbchen geformt und mit Thermokunststoff überzogen. Ist das ein Terrier? Oder doch eher eine Dogge – mit ein bisschen Jagdhund drin? Vermutlich spielt es für die Zuschauer gar keine so große Rolle, welche Hunderasse Vorbild für den Entwurf von Kostümbildnerin Elisabeth Vogetseder war. Was zählt, ist die Umsetzung: Und die liegt in den bewährten Händen von Susanne Schunck, seit 1996 in der Maske am Saarländischen Staatstheater tätig.

Bereits vor Weihnachten hat die Maskenbildnerin mit dem Anfertigen dieser sehr speziellen Maske für „Shakespeare in Love“ begonnen. Wie viele Stunden Arbeit bisher darin stecken, sei schwer abzuschätzen, erzählt sie bei unserem Besuch. Dafür ist Susanne Schunck zu viel auf Achse, „Bärte säubern, Perücken frisieren“, die alltäglichen Routinen einer Maskenbildnerin halt. Aber über den Daumen gepeilt, könnte es durchaus eine ganze Woche gewesen sein, meint sie. Bis jetzt. Noch hat Susanne Schunck den Kopf des „Hundestatisten“, so der Arbeitstitel, nicht fertig gestellt.

Ist das nicht fast schon ein bisschen Luxus, den das Staatsschauspiel sich und damit letztlich den Zuschauern gönnt? Ja und nein, versucht Chef-Maskenbildnerin Birgit Blume den komplexen Sachverhalt und die Arbeit ihrer kreativen Mitarbeiterinnen zu erklären. Der Maske  steht ein fester Jahresetat zur Verfügung. Mit dem gilt es hauszuhalten. Am günstigsten sei es da natürlich, sich im Fundus zu bedienen. Das monetär „Schlimmste“, was der Chefin für eine Produktion passieren kann, sind dagegen Silikonmasken. Die, teuer im Material und kompliziert anzufertigen, schlagen richtige Krater ins Budget.

Genau wie selbst angefertigte Perücken: eine unglaublich filigrane kunsthandwerkliche Fleißarbeit, bei der Haar für Haar in den Gaze-Stoff geknüpft wird. „Früher rechnete man für eine Perücke 40 Stunden, heute muss das viel zügiger gehen“, sagt Blume.

Doch zurück zur Hundemaske. Der fehlen noch die Jutefetzen, die dem Tier etwas Schäbiges, Vagabundenhaftes verleihen sollen. Bei der ersten Kostümprobe diese Woche gilt es dann aber – für die Maskenbildnerin ein absoluter Pflichttermin. Ganz genau wird sie aufpassen, ob alles passt: ob die Augenlöcher groß genug sind, die Verschlüsse an der richtigen Stelle sitzen, sich Halskrause und Maske nicht ins Gehege kommen. Was nützt einem schließlich die genialste Maske, wenn sie den Schauspieler behindert. In dem Fall Uwe Keller oder Rudolf Schmitt, die jeweils als Hund über die Bühne fegen, bellen, Menschen anspringen und – rauchen!

„Es ist ein ungezogener Hund“, verrät Ines Schäfer, Referentin für Pressearbeit. „Der gehorcht überhaupt nicht“, sondern sorgt für reichlich Chaos. Das Stück selbst, inszeniert von Schauspieldirektorin Bettina Bruinier, wird ein Kracher, ist sie sich ganz sicher.

Basierend auf dem gleichnamigen, mit sieben „Oscars“ bedachten Kinofilm, entzückte die Komödie letztes Jahr erstmals ein deutsches Theaterpublikum. Jetzt bringt Saarbrücken „die turbulente, mitreißende“ Liebesgeschichte inklusive „urkomischer Verwechslungen“ auf die Bühnenbretter.

„Die Ausstattung wird prunkvoll kreativ“, freut sich Ines Schäfer – und damit ganz anders, als man es womöglich von modernen Stücken erwartet. Ohne zu viel verraten zu wollen: Allein die aufwändigen Masken, Kostüme und das Bühnenbild lohnen einen Besuch. Und wo sonst kann man schon mal einen rauchenden  Doggen-Terrier-Jagdhund erleben. . .

Premiere von „Shakespeare in Love“ ist am Sonntag, 3. Februar, 18 Uhr im Großen Haus. Karten unter Tel. (06 81) 3 09 24 86.
www.staatstheater.saarland.de

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