1. Saarland

So geht es Saarlands Eisdielen nach dem Corona-Sommer

Eisdielen haben die warmen Monate gut überstanden : Corona lässt Umsatz der Eisverkäufer schmelzen

In diesem Jahr läuft alles anders. Das gilt auch für die Eiscafés, die trotz des heißen Sommers erhebliche Verluste einfahren mussten.

  Mit den hohen Temperaturen im März hatte auch die Corona-Krise Einzug gehalten. Nun neigt sich die Eisdielen-Saison dem Ende zu. Wie gut sind die Gelaterias im Saarland durch den Pandemie-Sommer gekommen? Laut Annalisa Carnio von der Union der italienischen Speiseeishersteller (Uniteis) ist die Lage der Eisdielen sehr unterschiedlich. „Die Eisdielen mit großer Terrasse und viel Innenraum sind derzeit in sehr großen Schwierigkeiten“, erläutert Carnio. Der Grund: Viel Fläche bedeute hohe Mieten, viel Personal und erhebliche weitere Kosten. „Die kleineren Eisdielen haben sich dagegen gut durchgeschlagen“, so Carnio. „Sie haben weniger Platz und Personal, damit weniger Kosten, konnten aber mit dem Straßenverkauf einen ordentlichen Umsatz generieren.“

Vor allem dank des guten Wetters im Juni, Juli und August sei die Nachfrage nach einem Eis zum Mitnehmen in der Pandemie groß gewesen. Sich gemütlich auf die Terrasse setzen und in Ruhe einen Eisbecher essen, das wollten dagegen nur die wenigsten. Das war oft auch gar nicht so einfach. Durch die Corona-Auflagen mussten die Eiscafés Abstand wahren und konnten nur rund die Hälfte der sonst üblichen Tische aufstellen, die mussten außerdem nach jedem Gast infiziert werden. „Wenn man das ordentlich machen will, braucht man dasselbe Personal und hat am Ende nur die Hälfte der Einnahmen“, so Carnio.

Dabei traf die Corona-Krise die Eisdielen gleich zu Beginn besonders hart. „Im Winter fahren die Eisdielen immer auf Sparflamme und zehren von ihren Rücklagen“, so die Uniteis-Sprecherin. „Gerade als mit dem Frühling dann die höheren Temperaturen kamen, kam auch der Lockdown.“ Im März und April hätten die Eisdielen schwere Verluste gemacht, manche hätten sich mit Bring- und Abholdiensten ausgeholfen. Auch wenn die Eisdielen im Sommer aufholen konnten, blickt der Verband mit Sorge auf den Winter, da die Eisdielen diesmal keine Rücklagen bilden konnten. Auch wenn längst nicht mehr alle Eisdielen im Winter schließen, sei das Geschäft in den kalten Monaten natürlich ein anderes. „Auch im Winter lohnt sich noch der Eisverkauf, gerade auch wegen den Weihnachtsmärkten und anderen Veranstaltungen oder für Eisdielen in Einkaufszentren“, sagt Carnio. „Aber ob das auch in diesem Winter so aussehen wird, wissen wir nicht. Viele Weihnachtsmärkte sind ja abgesagt worden.“

Was der Verband für ganz Deutschland berichtet, deckt sich mit den Erfahrungen der saarländischen Eisverkäufer. Emiliano Antoniazzi vom Eiscafé Cortina in Merzig ist, wie er sagt, insgesamt gut durch diesen Sommer gekommen. „Der Sommer war ok, es fehlt zwar am Ende schon einiges an Umsatz, aber wenn man alles bedenkt, war es doch noch eine Super-Saison“, sagt Antoniazzi. Die Corona-Auflagen hätten auch ihm zu schaffen gemacht, erzählt er. „Um den Mindestabstand einzuhalten, mussten wir zehn Tische weniger aufstellen als letztes Jahr.“ Gerettet hätten ihn schließlich das gute Wetter und der Straßenverkauf. „Zum Glück hatten wir ein Bombenwetter, von März bis September war Sommer.“ Doch nun ist endgültig der Herbst hereingebrochen. „So wie das Wetter jetzt ist, kann ich eigentlich morgen schließen“, sagt der Merziger Eisdielen-Besitzer. Länger zu öffnen, als es das Wetter zulässt, sei völlig unmöglich. „Wir müssen schauen, wie lange es noch geht, wie lange das Wetter noch mitspielt.“

Carlos Resende, Inhaber des Eiscafés Lido in St. Wendel, weiß Ähnliches zu berichten. „Der Sommer lief dank Straßenverkauf gut, aber der Umsatz aus dem Frühjahr fehlt eben“, berichtet Resende. Während des Lockdowns konnte er nur Eis zum Mitnehmen verkaufen, aber auch als er wieder Tische aufstellen durfte, sei keine Normalität eingekehrt. „Das war nicht wie ein normales Jahr“, sagt Resende. „Die Stimmung der Leute war nicht dieselbe, die wenigsten wollten sich gemütlich an einen Tisch setzen.“ Resende überlegt derzeit, ob er sein Eiscafé in diesem Jahr auch im Herbst noch länger geöffnet lässt als sonst üblich, um den verlorenen Gewinn zumindest ein wenig wettzumachen.

Mit etwas anderen Bedingungen hatte Francesco Gatto vom Eiscafé Rialto in Saarbrücken zu kämpfen. Seine Eisdiele liegt nicht in der Innenstadt, sondern im Saarbasar. Damit war sein Geschäft vom Lockdown härter betroffen als so manch anderes, denn der Saarbasar war knapp zwei Monate komplett geschlossen. „Vom 20. März bis 18. Mai mussten wir komplett zu bleiben“, erzählt Gatto. Nach dem Lockdown habe man den verlorenen Umsatz nicht wieder ausgleichen können. „In diesem Jahr war nichts so, wie es sein sollte, vor allem der Umsatz.“ Andere Eisdielen hätten da mehr Glück gehabt, auch weil sie selbst im Lockdown noch Eis zum Mitnehmen verkaufen konnten. Einen Vorteil hat das Eiscafé Rialto allerdings: Da es im warmen Inneren des Saarbasars liegt, hat sie das ganze Jahr über geöffnet. Und wenn bald das Weihnachtsgeschäft losgeht, sagt bestimmt auch im November und Dezember manch ein Kunde nicht nein zu einer Kugel Eis.