So bunt, wie Kinder es lieben

So bunt, wie Kinder es lieben

St. Wendel. Punkt, Punkt, Komma Strich: Aus Rasierschaum entsteht ein Gesicht auf der Tischplatte der Grashüpfer-Gruppe. Die Kinder greifen in den Schaum, kneten und matschen, verteilen ihn auf dem Tisch. "Das ist eine Übung für die Wahrnehmung" sagt Ruth Maier-Kuhnen, die Leiterin der Integrativen Kindertagesstätte Lummerland der Lebenshilfe St. Wendel

St. Wendel. Punkt, Punkt, Komma Strich: Aus Rasierschaum entsteht ein Gesicht auf der Tischplatte der Grashüpfer-Gruppe. Die Kinder greifen in den Schaum, kneten und matschen, verteilen ihn auf dem Tisch. "Das ist eine Übung für die Wahrnehmung" sagt Ruth Maier-Kuhnen, die Leiterin der Integrativen Kindertagesstätte Lummerland der Lebenshilfe St. Wendel.Szenenwechsel: Die Kinder sitzen auf dem Boden. Hochkonzentriert schöpft eines Linsen in einen kleinen Teller. Greifen, rieseln, in Gefäße abmessen, all das lernen die Kleinen spielerisch. "Über das Greifen Erfahrungen machen", darum geht es beim Spielen mit Naturmaterialien. Behinderte und nicht behinderte Kinder erleben dies gemeinsam. Maier-Kuhnen: "Das Miteinander ist ganz wichtig."

Schwächeren helfen

Das Miteinander steht seit ihrer Gründung 1996 im Mittelpunkt der Integrativen Kindertagesstätte der Lebenshilfe. Denn hier wachsen behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam auf. Behinderungen sind da nichts Schlimmes mehr oder gar abstoßend, sondern normal. Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Schön unterstreicht: "Die Kleinen nehmen mit kindlichen Augen die Behinderung wahr."

Dem Schwächeren helfen, ihn unterstützen, das lernen die Kinder wie selbstverständlich. Das fängt bei ganz einfachen Dingen an: Jemandem aus der Jacke helfen, den Rollstuhl an den Tisch fahren zum Beispiel. "Unser Kindergarten hat Atmosphäre, man spürt die Menschlichkeit", sagt Maier-Kuhnen.

Die Nachfrage nach Plätzen ist groß. "Wir waren schon im alten Gebäude ausgebucht." Und man sei es auch im neuen. 70 Kinder aus dem ganzem Landkreis St. Wendel besuchen die Integrative Kindertagesstätte im neuen Haus, das nach dem verstorbenen Lebenshilfe-Geschäftsführer "Haus Klaus Schreiner" benannt ist.

Hinzu kommen drei Kinderkrippen mit 30 Kleinkindern in Wohnhäusern in der Nachbarschaft. Eine vierte Krippe ist in Planung. Obwohl diese noch nicht genehmigt ist, sei die Warteliste schon voll, freut sich Hermann Scharf, ebenfalls Geschäftsführer der Lebenshilfe.

31 Erzieherinnen und ein Erzieher arbeiten mit den Kindern, wegen der Integration von Behinderten ist der Personalschlüssel deutlich höher als in anderen Kindertagesstätten.

Der Tag beginnt mit dem gemeinsamen Frühstück. Dann gibt es verschiedene Angebote, auch auf die Jahreszeit abgestimmt. Das Mittagessen aus der eigenen Küche kommt frisch auf den Tisch. Nach einer Ruhepause folgt das Nachmittagsprogramm. Mit eingebaut werden auch die speziellen Förderangebote, ob Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie. Maier-Kuhnen: "Auch das entlastet die Eltern, sie müssen keine eigenen Termine machen, haben so mehr Zeit für die Familie."

Seit Juli ist die Kindertagesstätte in einem Neubau im St. Floriansweg in St. Wendel untergebracht. 6,7 Millionen Euro hat dieser gekostet. Gebaut wurden für dieses Geld sechs große Gruppenräume mit je einer kindgerechten Küchenzeile, einem Ruhe- und einem Förderraum. Klar, alle Räume sind behindertengerecht und barrierefrei. Dazu kommt auf jeder der beiden Etagen ein behindertengerechtes Pflegebad.

Schnell eingelebt

Eine 250 Quadratmeter große Sport- und Bewegungshalle, die Großküche, ein Therapiezentrum runden das Projekt ab. Nicht zu vergessen ein Snoezelen-Raum, ein Zimmer, in dem ein Wasserbett, Licht- und Toneffekte den Kindern helfen, zu entspannen und ihre Wahrnehmung zu verbessern. Bestechend und auffallend sind die bunten Farben, in denen der Kindergarten gehalten ist. "Es macht viel mehr Spaß", freut sich die Leiterin Maier-Kuhnen über die neuen Räume. Innerhalb einer Woche hätten sich die Kinder eingelebt und gesagt: "Das ist unser Kindergarten."

Der Elternbeitrag richtet sich nach der Betreuungszeit, die bei zehn, sieben oder fünf Stunden liegt. Infos bei Ruth Maier-Kuhnen, Telefon (0 68 51) 9 30 14 20.

Hintergrund

Das neue Gebäude der Kindertagesstätte Lummerland ist nach Klaus Schreiner benannt. Schreiner war Geschäftsführer der Lebenshilfe, er legte noch den Grundstein, starb aber nach schwerer Krankheit.

Über das gewachsene Leitbild der Einrichtung können sich die Besucher schon im Foyer unterrichten. An die Wand gemalt sind die sieben Leitgedanken.

Eine Auswahl: Was ich mir von dir wünsche:

Gib mir Zeit, die Dinge, die ich schon kann, auch alleine zu tun, und hilf mir nur da, wo ich es nicht schaffe.

Schenke mir jeden Tag etwas Zeit zum gemeinsamen Spielen, Lesen oder um einander zu erzählen, was uns gerade beschäftigt.

Lass mich Kind sein und setze Vertrauen in mich. vf

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