"Skurril und mit großem Aberwitz"

"Skurril und mit großem Aberwitz"

Saarbrücken. "Hochmut, Verfolgung und Enthauptung"? Nein, kein Drama über die Französische Revolution, sondern eine "Hysterische Familienkomödie". Durchaus französischen Ursprungs, aber mit aktuellem Inhalt: Die Autorin Marion Aubert entwirft darin ein ebenso bizarres wie urkomisches Kaleidoskop an Personen, die in unterschiedlichen Konstellationen aufeinander treffen

Saarbrücken. "Hochmut, Verfolgung und Enthauptung"? Nein, kein Drama über die Französische Revolution, sondern eine "Hysterische Familienkomödie". Durchaus französischen Ursprungs, aber mit aktuellem Inhalt: Die Autorin Marion Aubert entwirft darin ein ebenso bizarres wie urkomisches Kaleidoskop an Personen, die in unterschiedlichen Konstellationen aufeinander treffen.

Alltag, Familie, Beruf, Medienwelt, Politik durchdringen sich, in wildem Tempo schlüpfen die Schauspieler in Mehrfachrollen von einer Figur in die nächste - hier steht die durch eine ironische Brille betrachtete Trivial-Welt Kopf.

Inszeniert wird das Stück nun am Saarländischen Staatstheater von dem jungen Regisseur Christopher Haninger. Er wurde 1977 in Tuttlingen, Nähe Bodensee, geboren, ist Vater einer kleinen Tochter und lebt als freischaffender Regisseur in Berlin. Erste Hospitanzen absolvierte er am Maxim-Gorki-Theater Berlin, anschließend assistierte er Dimiter Gotscheff am Hamburger Thalia Theater und am Wiener Burgtheater. Auch an den Münchner Kammerspielen war Haninger schon tätig und führte in Konstanz unter Dagmar Schlingmann erstmals selbst Regie. In Saarbrücken inszenierte er in Sparte4 Heinrich Kleists "Michael Kohlhaas" und Eugene O'Neills "Der haarige Affe".

Für "Primeurs - Festival frankophoner Gegenwartsdramatik" 2009 hatte er "Hochmut, Verfolgung und Enthauptung" schon als szenische Lesung bearbeitet. Das Bilderlabyrinth und Personenkarussell fand er so reizvoll, dass er es nun auf die Bühne der Alten Feuerwache bringt.

Keine leichte Aufgabe: "Der Text ist voller assoziativer Verknüpfungen, der Zuschauer muss sich ständig neu orientieren", erzählt Haninger, der dem "szenischen Panoptikum" eine "große dramatische Qualität" bescheinigt, die nicht kalkuliert sei: "Überraschungsträchtig, skurril, augenzwinkernd, mit großem Aberwitz und viel Lust entstanden." Wodurch es sich erfrischend abhebe von unzähligen zeitgenössischen, langweiligen "hergestellten Milieustücken".

Doch wie packt man sowas an? "Man kann diesen Text nur so direkt wie möglich annehmen", meint Haninger. Hohes Tempo, "überspannte Aggregatszustände", da gelte es, einen fließenden Rhythmus zu finden - Herausforderung und Riesenspaß zugleich. Ort des Geschehens ist ein reduzierter Raum mit drehbarem Sofa (Bühne und Kostüme: Gregor Wickert). Haninger ist kein Freund von Ausstattungs-Opulenz, ihm ist eine "lustvolle Performance" lieber: "Wenn ich ins Theater gehe, will ich Schauspieler sehen, kein aufwendiges Interieur."

Premiere: Samstag, 6. November, 19.30 Uhr, Alte Feuerwache. Nächste Termine: 11., 12. und 27. November. Karten: (06 81) 30 92-4 86.

theater-saarbruecken.de

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