Sitzenbleiben schwer gemacht

Sitzenbleiben schwer gemacht

Saarbrücken. Der Gipsy-Jazz, früher Zigeuner-Jazz genannt, kennt verschiedene Spielarten. So sind etwa Sinti- und Roma-Jazz ganz unterschiedliche Stile, wie Tony Lakatos am Samstag im Gespräch vor seinem Auftritt erläuterte. Unter dem Titel "Gypsy Colours" war der Saxofonist mit seinem Quintett im Rahmen des Festivals Jazz-Transfer im Domicil Leidinger zu Gast

Saarbrücken. Der Gipsy-Jazz, früher Zigeuner-Jazz genannt, kennt verschiedene Spielarten. So sind etwa Sinti- und Roma-Jazz ganz unterschiedliche Stile, wie Tony Lakatos am Samstag im Gespräch vor seinem Auftritt erläuterte. Unter dem Titel "Gypsy Colours" war der Saxofonist mit seinem Quintett im Rahmen des Festivals Jazz-Transfer im Domicil Leidinger zu Gast.

"Der Sinti-Jazz stammt aus dem westlichen Teil Europas, etwa aus Frankreich, Deutschland, Belgien", weiß Lakatos; bekannteste Vertreter waren Django Reinhardt und Stéphane Grappelli. "Roma-Musik jedoch kommt aus dem östlichen Europa, wo die verschiedenen Roma-Stämme leben", so Lakatos. "Wir versuchen nun, Jazz mit unserer Vergangenheit zu vermischen, mit Volksliedern aus Ungarn", versprach der Blue-note-Star für den Abend. Lakatos stammt aus Budapest, ist berühmter Solist der Bigband des Hessischen Rundfunks und war bereits häufig im Saarland zu hören.

Das Konzert im randvollen Club des Leidinger ließ an musikalischer Bandbreite kaum etwas zu wünschen übrig - von swingendem und groovendem Jazz in Reinkultur nach folkloristisch geprägten Melodien bis hin zu authentischer, orientalisch anmutender Volksmusik. Für letztere war die junge Sängerin Monika Rostas zuständig. Oft schien ihre Stimme mit kehligem Timbre und melodramatischen Farben förmlich über den bewegten Schwingungen des Ensembles zu schweben. Bei einigen Solobeiträgen entwickelte die schüchtern wirkende Sangeselfe freilich erstaunliches Temperament und überraschte mit flinker Silbenakrobatik. Stärkstes Pfund von Lakatos' gesamter ungarischer Truppe war die Spielfreude, die in einen wahren Jazztaumel mündete - da machte das Still-Sitzen Mühe. Heißsporn Elemer Balazs (Schlagzeug) trommelte schon mal mit den Fingern und trieb mit dem nicht minder energetischen György Orban (Kontrabass) die Rhythmen voran. Ein gutes Stimulans für die überbordende Musizierlust des quirlig und sehr originell in die Klaviertasten greifenden Szakcsi B. Lakatos. Als ruhender Pol und Chefdramaturg der heißen Truppe setzte Tony Lakatos seine wertvolle Puste in perfekter Dosierung ein: von elegant-lässigen Pirouetten mit dem Tenorhorn bis hin zum Klezmer-Feuer seines Sopransaxofons. Verdiente Ovationen. uhr

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