1. Saarland

Sie wissen, wo sich Schnecken verstecken

Sie wissen, wo sich Schnecken verstecken

Fürstenhausen. Vergangenen Samstag, am Morgen, am Ende der Gelheidstraße im Völklinger Stadtteil Fürstenhausen: Schön wie ein junger Frühlingstag zeigt sich jetzt die Natur. Den Ökogarten der Volkshochschule (VHS) Völklingen gibt es hier seit 1985. Auf einer Fläche, in etwa so groß wie zwei Fußballfelder, erntet Ernst Einicke knackig frische Vitamine aus dem Vorjahr-Mausohrsalat

Fürstenhausen. Vergangenen Samstag, am Morgen, am Ende der Gelheidstraße im Völklinger Stadtteil Fürstenhausen: Schön wie ein junger Frühlingstag zeigt sich jetzt die Natur. Den Ökogarten der Volkshochschule (VHS) Völklingen gibt es hier seit 1985. Auf einer Fläche, in etwa so groß wie zwei Fußballfelder, erntet Ernst Einicke knackig frische Vitamine aus dem Vorjahr-Mausohrsalat. Helga Becker arbeitet sich auf einem Kniekissen durchs Erdbeerfeld, bevor Wildkräuter die Pflanzen ersticken.Theo Weis, seit 1986 dabei, ist der dienstälteste Hobbygärtner. Nachbarin Sylvia Scherer, die den Ökogärtnern bei Bedarf elektrischen Strom zur Verfügung stellt ("tausche Energie gegen naturbelassene Naturalien") schneit nach dem langen Winter herein. Jürgen Ehlert, Leiter des Ökogartens, bringt frischen Kaffee, Brötchen, Kekse und seine große Garten-Wissensmappe mit. Hier in der 1990 entstandenen Hans-Ackel-Hütte (nach einem früheren Mitstreiter benannt) lässt sich, zwischen Knoblauchzöpfen und Samentüren, Hacken und Spaten, rustikalen Tischen und Bänken, Bildern und Zeitungsausschnitten, gut über den Ökogarten plaudern. Beinahe alle heimischen Beerensträucher wachsen hier, sogar Wein, Ziergehölze, viele Apfel-, Birnen- und Zwetschgensorten. Es gibt Beete mit grünem Spargel, mit Mischkulturen, eine Kräuterspirale, mehrere Hochbeete und ein Minibiotop.

"Klein, aber fein, mein Froschkönig kommt jedes Jahr, wenn ich ihn wachküsse", lacht Helga Becker. Im Kompost versteckt sich die Ringelnatter. Im Ökogarten darf jeder, der will, mitarbeiten, wie es sich für eine VHS gehört: Es gibt jede Menge Informationen zum naturbelassenen Gartenbau, praktisch wie theoretisch. An diesem Samstag steht das Thema "Schnecken" zur Debatte. Noch zeigen sich die Weichtiere kaum: "Sie dürfen aber davon ausgehen, dass sie überall ihre Eier abgelegt haben." Ein aussichtsloser Kampf? "Nein", sagt Ehlert, "Sie müssen sturer sein als die Schnecken". Beispielsweise bieten Biogärtner überall im Garten Ackerschnecken und den besonders gefürchteten spanischen Wegschnecken Schlupfwinkel an - unter feuchten Brettern, Steinen oder Rhabarberblättern: "Dort können sie fix eingesammelt werden."

Ganz bequem geht das mit der langen Arterienklemme aus dem Operationssaal, einem Mittelding aus Schere und Pinzette. Weis: "Ein befreundeter Arzt hat sie mir geschenkt."

Einmal gesammelt, ereilt die Schnecken ("wir haben sie schließlich nicht eingeladen") ihr Schicksal. Sie werden mit kochendem Wasser vernichtet. Da die gefräßigen Schnecken schneller sind, als man im allgemeinen denkt, und jede Menge Salat wegknabbern, bevor Menschen überhaupt ans Aufstehen denken, stülpen die VHS-Ökos über jeden ihrer Setzlinge einen Eimer ohne Boden, der oben mit einem Fliegengitter gesichert ist. "Das hilft!"

Mehr mehr über das Gärtnern ohne Gift und chemische Wachstumsbeschleuniger lernen möchte, kommt einfach samstagmorgens ab 9.30 Uhr in den Fürstenhausener Ökogarten. Auskunft auch bei Leiter Jürgen Ehlert, Telefon (0 68 06) 86 01 67.

"Wir haben sie schließlich nicht eingeladen."

Ökogärtner

Jürgen Ehlert