1. Saarland

Sie operieren durch ein Schlüsselloch

Sie operieren durch ein Schlüsselloch

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St. Wendel. "Mir wurde die Gallenblase entfernt, und man sieht gar nichts." Das können seit einiger Zeit Patienten des Marienkrankenhauses in St. Wendel sagen. Ihnen wurde in der Abteilung für Allgemein- und Visceralchirurgie die Gallenblase durch einen so genannten Singleport entfernt.Bei diesem neuen Verfahren der minimalinvasiven Chirurgie, auch Schlüssellochchirurgie genannt, wird durch einen Schnitt im Nabel ein einziger Port (Zugang) eingesetzt. Durch diesen Port werden dann die für die Operation notwendigen Geräte wie Kamera, Licht, Skalpell und andere eingeschoben. Zurück bleibt somit nur die Narbe im Nabel, und die ist nicht zu sehen.

Der größte Vorteil dieser Operationsmethode sei kosmetischer Natur, erklärt Chefarzt Dr. Uwe Kröninger. Denn äußerlich seien keine Spuren der Operation zu erkennen. Die Arbeit durch nur ein Schlüsselloch verlängere allerdings, wie Kröninger erklärt, die Operationszeit und fordere auch den Operateur stärker. Schlage man die Kosten für das spezielle Operationsbesteck zum höheren Zeitaufwand hinzu, rechne sich die Singleport-Methode für das Krankenhaus nicht. "Mit diesem Angebot wollen wir aber zeigen, dass die Chirurgie des Krankenhauses die neuesten Techniken beherrscht und anbieten kann."

Regelmäßige Schulungen und Lehrgänge gehörten für das ärztliche Personal zum Alltag, sagt Oberarzt Dr. Heiko Bernhardt, der selbst eine Schulung im Singleport-Verfahren absolviert hat.

Mit 250 Gallenoperationen pro Jahr liege das Marienkrankenhaus bei den Fallzahlen im landesweiten Vergleich mit an der Spitze, berichtet Kröninger. Bis auf wenige Ausnahmen werden diese Eingriffe minimalinvasiv vorgenommen, also mit drei bis vier kleinen Einschnitten in der Bauchdecke.

Die Schlüssellochtechnik habe gegenüber dem früher notwendigen größeren Bauchschnitt viele Vorteile, erklärt der Chefarzt. Der wichtigste für die Patienten: "Sie erholen sich viel schneller von dem Eingriff und können schon nach wenigen Tagen wieder entlassen werden."

Wichtig sei für beide minimalinvasiven Verfahren eine gute Vorbereitung des Patienten, geklärte Befunde und gute Planung der Operation. Für Notoperationen mit nicht vollends geklärten Befunden sei das herkömmliche Verfahren meist die bessere Wahl.

Die minimalinvasive Chirurgie ist am Marienkrankenhaus auch bei gut- und bösartigen Erkrankungen des Darms und bei der Versorgung von Hernien (Brüchen) die Regel.

Stichwort

 Mit diesen Instrumenten sind die Operationen durch nur kleine Schnitte in der Bauchdecke möglich. Foto: Klinik
Mit diesen Instrumenten sind die Operationen durch nur kleine Schnitte in der Bauchdecke möglich. Foto: Klinik

Die chirurgische Abteilung des St. Wendeler Marienkrankenhauses mit den Fachabteilungen Unfall- und Allgemein- und Visceralchirurgie hat insgesamt 63 stationäre Betten. Zudem stehen der Chirurgie vier Betten den Intensivstation zur Verfügung. ddt