1. Saarland

Sie können ihr Pech noch riechen

Sie können ihr Pech noch riechen

Ende Juni brannte es lichterloh, das Haus in der Mimbacher Mühlgasse 23. Die Sanierungsarbeiten gehen inzwischen schrittweise voran. Das Erdgeschoss dürfte im Dezember bezugsfertig sein.

 Der Dachstuhl ging Ende Juni fast komplett in Flammen auf.
Der Dachstuhl ging Ende Juni fast komplett in Flammen auf.

Im Dachgeschoss riecht es immer noch leicht verbrannt. Das kommt vom Dachstuhl, der Ende Juni fast komplett in Flammen aufging. Viele der Balken sind verkohlt, einige sogar völlig zerstört. In den übrigen Räumen dagegen ist kaum noch etwas von dem Brand zu sehen, der das Haus in der Mimbacher Mühlgasse 23 am 30. Juni komplett verwüstet hatte (wir berichteten). Die Wände sind bereits vom rußverschmierten Putz befreit, die vom Löschwasser ruinierten Teppiche sind ebenso verschwunden wie die wenigen Möbel, die zwar den Brand, nicht aber das Wasser überlebten. An dem Sonntag im Juni, an dem frühmorgens Flammen aus dem Dachgeschossfenster des Hauses der Familie Moschel schlugen, war kaum zu erwarten, dass es noch zu retten wäre. Glück im Unglück hatten die Bewohner Asta Moschel und ihre beiden Enkelinnen Eva und Lena. Weil Eva, die den Dachboden bewohnte, den Rauch rechtzeitig bemerkte, kam niemand zu Schaden. Das Haus allerdings brannte weitgehend aus - 100 Feuerwehrleute kämpften stundenlang gegen die Flammen, doch der Brand hatte ganze Arbeit geleistet: Das Haus glich einer Ruine. "Jetzt sieht es so aus, dass das Erdgeschoss im Dezember wieder bezugsfertig sein wird", sagt Andreas Hubertus. Er ist Generalagent der Saarland-Versicherungen und betreut den Wiederaufbau des über seine Agentur versicherten Hauses.

Warten auf das neue Dach

"Anfang Oktober soll ein neues Dach draufkommen, dann können wir innen Wände und Böden trocknen und mit dem Innenausbau beginnen", sagt er. Ein dreiviertel Jahr soll die Renovierung dauern - eine lange Zeit, in der die Bewohner anderweitig untergebracht sind. Die lange Dauer liegt einerseits daran, dass der Brand einen Großteil des Hauses zerstört hat. "Wir müssen den größten Teil des Hauses sanieren", sagt Hubertus. Andererseits galt das Haus aber auch mehrere Wochen als einsturzgefährdet - erst nachdem ein statisches Gutachten die Unbedenklichkeit belegt hat, konnte die Polizei das Haus betreten und nach der Brandursache forschen. "Das ist immer der erste Schritt", sagt Hubertus. Erst müsse bei einem Brand Vorsatz ausgeschlossen werden - denn wer sein Haus in Brand steckt, kann nicht mehr mit der Versicherung rechnen.

Seit der Freigabe geht die Sanierung allerdings zügig voran: Mehrere Wochen waren die Brandsanierer im Einsatz. Sie haben die verbrannten Möbel entsorgt, den Putz entfernt und die kaputten Wände weggeschlagen. Noch bedeckt ein Notdach aus Folie den Bau, wenn allerdings das Dach neu gedeckt ist, kann im Schutz vor Regen der Innenausbau beginnen. "Wir müssen jetzt ganz neu überlegen, wie die Zimmer angeordnet werden sollen", sagt Hauseigentümerin Marianne Moschel bei einer Besichtigung der Baustelle - die früheren Wände im Dachgeschoss gibt es nicht mehr, sie sind dem Brand zum Opfer gefallen. Auch der Estrich hat so gelitten, dass er erneuert werden muss. Für Familie Moschel ist nun Fantasie gefragt, wollen sie sich die kahlen Wände nun wieder als Wohnung vorstellen - denn alles muss neu gekauft werden. Von den Küchen über die Bäder bis hin zu jedem einzelnen Möbelstück. Die Frage, ob ein Abriss nicht sinnvoller gewesen wäre, verneint Versicherungsagent Hubertus. Grundsätzlich decke die Versicherung den Wiederaufbau und keinen Neubau ab, sagt er.

Neubau wäre teurer gewesen

Aber auch so wären Abriss und Neubau teurer geworden, sagt er. Denn alleine Abriss und Abtransport des alten Hauses hätten mit einem hohen fünfstelligen Betrag zu Buche geschlagen. Und weil das Mauerwerk erstaunlicherweise trotz des Brandes intakt geblieben ist, lässt sich das Haus im alten Zustand retten, wenn auch das gesamte Innenleben, bis hin zu Heizungen und Elektrik, erneuert werden muss.

Für Hubertus ist es nun wichtig, dass zumindest der untere Teil der Wohnung schnell fertig wird. Denn Asta Moschel, die bereits in dem Haus aufgewachsen ist, feiert Anfang des Jahres ihren 80. Geburtstag. "Und den soll sie in ihren eigenen vier Wänden feiern können", sagt Hubertus.