1. Saarland

Online im Alter?: Seniorenheime wollen WLan einrichten

Online im Alter? : Seniorenheime wollen WLan einrichten

Noch ist die Nachfrage eher gering. Doch auch in den Seniorenheimen im Saarland soll der Fortschritt Einzug halten – in Form von WLan.

Auch im hohen Alter wollte Hans B. (Name geändert) stets auf dem Laufenden bleiben und wissen, was in der Welt passiert. Als er in das Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) „Am Stumpen“ in Riegelsberg einzog, nahm er seinen Computer kurzerhand mit. Auf das Internet musste er auch dort nicht verzichten, denn die Einrichtung verfügt – als bislang eine der wenigen im Saarland – über WLan für die Bewohner. „Er hat zum Beispiel von seinem Zimmer aus Online-Banking gemacht und sogar mir erklärt, wie das funktioniert“, erinnert sich Einrichtungsleiterin Birgit Blass an den inzwischen verstorbenen Herrn: „Auf der Seite kochbar.de hat er Rezepte ausgedruckt und mir gezeigt, dass er diese Gerichte gerne essen würde. Das fand ich toll!“

Immer mehr Senioren sind im World Wide Web unterwegs. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, nutzen 55 Prozent der über 65-Jährigen in Deutschland das Internet (Stand 2016). Tendenz steigend. Neben E-Mails schreiben, nutzen sie es zum Zeitunglesen oder zur Videotelefonie mit ihren Angehörigen.

Hans B. sei bislang aber die Ausnahme, sagt Birgit Blass. Seit der Eröffnung des Seniorenzentrums mit 107 Plätzen im Juli 2015 war er der einzige, der das Angebot nachfragte, sagt Blass.

Ähnlich sieht die Lage in den 26 weiteren Awo-Seniorenresidenzen mit ihren insgesamt rund 2500 Plätzen aus. „Derzeit wird nur vereinzelt nach Internet gefragt“, sagt Awo-Sprecher Jürgen Nieser auf SZ-Anfrage. Tendenziell fragten eher jüngere Menschen, die schon vor dem Renteneintrittsalter pflegebedürftig seien. Er weiß von einzelnen Bewohnern, die sich mit Internetsticks von Mobilfunkanbietern behelfen. Aktuell ist nur das Awo-Seniorenhaus in Riegelsberg mit WLan ausgestattet. Ende des Jahres soll die Einrichtung in Völklingen ausgerüstet werden, bis 2020 der Neubau des Seniorenhauses „Klosterkuppe“ in Merzig am Netz sein. „Unser Ziel ist es, jedem Bewohner künftig Internet anzubieten“, sagt Nieser. Er rechnet mit einer steigenden Nachfrage. Mit welcher Technik die Ausrüstung erfolgen wird – etwa WLan oder LTE – hänge auch von der technischen Entwicklung ab. Mitunter machten es weitläufige oder verwinkelte Gebäude schwierig, einen guten WLan-Empfang einzurichten.

Dass die Nachfrage derzeit gering ist, führt der Awo-Sprecher auch auf das Pflegestärkungsgesetz des Bundes zurück, das darauf abziele, dass die Menschen so lange wie möglich im eigenen Zuhause bleiben. Da die Bewohner immer später in die Einrichtungen kämen, seien sie dann häufig mental und motorisch nicht mehr zur Internetnutzung fähig. Diesen Eindruck bestätigt auch der Sprecher des Landesverbands des Deutschen Roten Kreuzes, Martin Erbelding. Das DRK betreibt im Saarland zwei Seniorenzentren: „Im Schnitt kommen die Bewohner mit 82 Jahren zu uns.“ Diese Generation sei noch nicht online unterwegs.

Auch in den 13 Seniorenhäusern der Caritas Trägergesellschaft Saarbrücken (cts), sei die Nachfrage nach einem Internetzugang überschaubar, aber es würden mehr, sagt cts-Sprecherin Renate Iffland: „Sie kommen verstärkt von Senioren, die sich für die Wohnform des Betreuten Wohnens interessieren.“

In Zukunft werde das Thema jedoch wichtiger. Daher laufe derzeit in der cts-Altenhilfe ein Projekt zur Digitalisierung, bei dem unter anderem das Thema Internet/WLan für Bewohner eine wichtige Rolle spielt. „Das Konzept sieht einen Internetzugang über einen WLan-Hotspot vor, wie es bereits in anderen Einrichtungen des Trägers – im Schulzentrum St. Hildegard, im St. Barbara Hospiz Bous, in Teilen des CaritasKlinikums Saarbrücken sowie in allen Wohngruppen der cts-Jugendhilfe umgesetzt wird“, teilt Iffland mit. Musterhaus in der Altenhilfe sei die St. Barbarahöhe in Auersmacher, wo derzeit Um- und Neubaumaßnahmen laufen. Neuere Häuser seien baulich so angelegt, dass WLan angeboten werden könne. Vereinzelt nutzten Bewohner aber auch individuelle Lösungen.

Der Fachausschuss „Stationäre Pflege“ der Saarländische Pflegegesellschaft registriert eine verstärkte Nachfrage nach einem Internetzugang bei neuen Bewohnern, weniger Interesse bestehe bei Bewohnern, die schon länger in einer Einrichtung leben. Bei allen neuen Altenhilfeeinrichtungen werde die nötige Infrastruktur für das Internet geschaffen. „Nach Einschätzung der Mitglieder unseres Fachausschusses kann die Internetnutzung einen Beitrag zur Vorbeugung von Verein­samung der Altenheimbewohner leisten“, teilt SPG-Geschäftsführer Jürgen Stenger mit. Neue Herausforderungen für das Pflegepersonal entstehe nicht, denn dieses sei nicht berechtigt, sich um etwaige technische Probleme mit den Geräten der Bewohner zu kümmern.

Stück für Stück hält die technische Entwicklung auch in saarländischen Altenheimen Einzug: „Inzwischen haben die ersten Bewohner Handys und zeigen uns, was sie damit können“, sagt Einrichtungsleiterin Birgit Blass. Aber Kommunikation via Whatsapp oder Filme streamen mit Netflix – davon seien sie noch weit entfernt. Was ihre eigene Zukunft angeht, hat die 57-Jährige klare Erwartungen: „Spätestens, wenn es bei mir so weit sein sollte, muss es in der Einrichtung Internet geben.“