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Selbst ein Baguette kann den Bauch quälen

Selbst ein Baguette kann den Bauch quälen

Saarbrücken/Neunkirchen. "Glutenfrei" - diesen Begriff sieht man immer häufiger an den Regalen in Supermärkten. Darüber, was genau er bedeutet, machen sich wohl die wenigsten Gedanken. Aber für 400 und mehr Menschen im Saarland bedeutet dieses Wort ein Stück Normalität und ein Stück Genuss. Gluten ist ein Klebereiweiß, das einige Menschen nicht vertragen

Saarbrücken/Neunkirchen. "Glutenfrei" - diesen Begriff sieht man immer häufiger an den Regalen in Supermärkten. Darüber, was genau er bedeutet, machen sich wohl die wenigsten Gedanken. Aber für 400 und mehr Menschen im Saarland bedeutet dieses Wort ein Stück Normalität und ein Stück Genuss. Gluten ist ein Klebereiweiß, das einige Menschen nicht vertragen. Diese chronische Erkrankung des Dünndarms heißt Zöliakie. Um ohne Beschwerden leben zu können, müssen sich Betroffene glutenfrei ernähren."Ich habe tolle glutenfreie Nudeln im Supermarkt entdeckt", "Und ich habe eine Kuchenmischung gefunden, die ich vertrage" - zu Beginn des Treffens der Zöliakiegruppe Saarland im Neunkircher KOMMzentrum tauschen sich 22 Frauen und Männer lebhaft über neue, glutenfreie Entdeckungen aus. Sie alle wissen, wie es ist, auf frische Brötchen und leckere Croissants verzichten zu müssen. Doch die meisten kommen gut zurecht mit der neuen Ernährungsweise. Sind viele doch froh, am Ende eines langen Leidensweges zu sein. So auch Petra Zimmer aus St. Ingbert. Schon als Kind habe sie die typischen Symptome gehabt: ständige Bauchschmerzen, Blähbauch. "Ich habe 45 Jahre gelitten", sagt sie heute. Erst vor fünf Jahren, bei einer Kur am Bodensee, ist eine Ärztin auf die Idee gekommen, sie auf eine Glutenunverträglichkeit hin zu testen. "Die sicherste Diagnose ist die Darmbiopsie", erklärt Marko Hensel. Er leitet zusammen mit Margit Johann-Alles die Selbsthilfegruppe Saarland der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG). Zusätzlich zu Gluten- kommt bei Petra Zimmer eine Laktoseintoleranz. Das schränkt ihr Essensangebot zusätzlich ein. "Ich bin immer gerne Frühstücken gegangen", sagt sie. Das sei heute nur noch möglich, wenn sie ihr eigenes Brot mitnimmt. In der Regel sei das kein Problem. "Doch neulich bin ich aus einer Bäckerei geflogen, obwohl meine Begleitung und ich ein Frühstück dort bestellt haben, ich habe nur das Brötchen gegen mein glutenfreies Brot getauscht." Generell - so wird im Gespräch der Gruppe deutlich - wird das Essen in einem Restaurant schnell zu einer Herausforderung. "Mein Tipp an euch: Sprecht direkt mit dem Koch", so Hensel. Der könne sagen, was möglich ist und sich auf den "besonderen" Gast einstellen. Unterwegs sein oder in Urlaub fahren - das ist für Ingrid Böck aus Landsweiler-Reden kaum noch möglich. Sie leidet sehr stark, ihr Dünndarm ist durch die Krankheit porös geworden. 2008 ist Zöliakie bei der heute 69-Jährigen nach einer Kapsel-Endoskopie (mit Hilfe einer Mini-Kamera in einer Kapsel wird der Dünndarm untersucht) diagnostiziert worden. Vorher ist die ehemalige Krankenschwester von Arzt zu Arzt gegangen. "Es fällt mir heute noch schwer, mich umzustellen", gibt Ingrid Böck zu. "Ich habe 65 Jahre normal gegessen." Beim Einkaufen müssen die Betroffenen sorgfältig lesen. Aber was die Kennzeichnung von Gluten auf Lebensmitteln betrifft, hat sich viel zum Positiven entwickelt. Da sind sich Marko Hensel und Margit Johann-Alles einig.

Nächstes Treffen im KOMMzentrum: 2. April, 19 Uhr.

alles-ernährung.de/

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Hintergrund

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms. Hervorgerufen wird sie durch eine Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten. Gluten kommt vor allem in Getreidearten wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer vor. Infos unter www.dzg-online.de red