Seit 15 Jahren für Behinderte im Einsatz

Seit 15 Jahren für Behinderte im Einsatz

Merzig. Mit einem solchen Andrang hatten die Gastgeber nicht gerechnet: Rund 200 Besucher strömten gestern Morgen in die Merziger Stadthalle, um das 15-jährige Bestehen des Forums für Menschen mit Handicap zu feiern. Die zunächst etwa 100 bereitgestellten Stühle reichten jedenfalls lange nicht aus

Merzig. Mit einem solchen Andrang hatten die Gastgeber nicht gerechnet: Rund 200 Besucher strömten gestern Morgen in die Merziger Stadthalle, um das 15-jährige Bestehen des Forums für Menschen mit Handicap zu feiern. Die zunächst etwa 100 bereitgestellten Stühle reichten jedenfalls lange nicht aus. "Manchmal rechnet man eben auch zu vorsichtig", freute sich Petra Otto von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland, die als Moderatorin durch den Festakt führte.Eröffnet wurde die Jubiläumsfeier von Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich, es folgte ein kurzes Grußwort vom Merziger Oberbürgermeister Alfons Lauer. Beide hoben hervor, wie wichtig die Arbeit des Forums für Menschen mit Handicap sei. "Viele Landkreise beneiden uns darum", sagte Schlegel-Friedrich über das Forum, das 1996 gegründet wurde und dessen Träger der Landkreis Merzig-Wadern ist. Sie hoffe, dass das Netzwerk seine gute Arbeit "beibehalten und möglicherweise intensivieren" kann.

Aufgelockert wurden die Festreden durch ein Kulturprogramm. Die Musikgruppe der Schule zum Broch in Merchingen brachte das Publikum zum Klatschen, Mitmachen und Mitsingen, danach führten Schüler der Merziger Christian-Kretschmar-Schule zwei kleine Theaterstücke auf.

Höhepunkt des Programms war aber ohne Zweifel der Auftritt von Dr. Manfred Lütz. Der Arzt, Theologe und Bestseller-Autor hielt einen Vortrag mit dem Titel "Lebenslust - Über Risiken und Nebenwirkungen der Gesundheit".

In rund einer Stunde erklärte er den Zuhörern, warum der heutige "Gesundheitswahn" inzwischen religiöse Züge angenommen habe - und hielt dem Publikum mit einer Mischung aus Kabarett und Philosophie den Spiegel vor.

Nebenbei erzählte Lütz aber auch von seinem eigenen Engagement im Bonner Verein "Brücke Krücke". Von Hass oder bewusster Ausgrenzung von Behinderten wolle er nichts wissen. "Es gibt eigentlich keine Aversion gegen Behinderte. Ich glaube, die anderen Menschen haben Angst - weil sie's nicht kennen."

Kennenlernen und Informieren, das war auch die Idee, die 1996 zur Gründung des Forums für Menschen mit Handicap geführt hatte. "Selbst wir als Profis wussten zu wenig über andere Organisationen und deren Angebote", sagt Andrea Bachmann, die damals im Arbeitskreis Sozialarbeiter tätig war und das Netzwerk zusammen mit ihrer Kollegin Anne Schuler ins Leben rief.

"Wir starteten einen Aufruf in der Zeitung. Der Rücklauf war gigantisch." Mehr als 20 Antworten hätten sie bekommen, erinnert sich Bachmann, die das Forum noch heute geschäftsführend leitet.

In den 15 Jahren gemeinsamer Arbeit startete das Netzwerk verschiedenste Ausstellungen und Informationsveranstaltungen, fertigte einen Wegweiser für Menschen mit Behinderung und entwarf einen Parcours, auf dem Nichtbehinderte die Beeinträchtigung als Rollstuhlfahrer erleben konnten. Dazu gehören auch die Feiern unter dem Motto "Come together", bei denen Nichtbehinderte und Menschen mit Handicap zusammenkommen. Das große Pfund des Forums sei, dass auch die Betroffenen selbst mitmachen, sagte Andrea Bachmann. So zeichne eben ein Rollstuhlfahrer für den Bau des Rollstuhlfahrer-Parcours verantwortlich. Diese Synergien seien es, die das Forum ausmachen würden. Wie es in den nächsten 15 Jahren mit dem Netzwerk weitergehen wird, kann Bachmann noch nicht sagen. "Wir treffen uns fünf- bis sechsmal im Jahr, alle Treffen in 2012 haben sich überwiegend mit der nächsten ,Come together'-Party beschäftigt." Die findet am 14. Juni in der Garage in Saarbrücken statt, auch eine Feier im Merziger Raum ist in Planung. Foto: AGS

"Es gibt keine Aversion gegen Behinderte - man hat

nur Angst."

Gespannt lauschten die Gäste dem Vortrag von Dr. Manfred Lütz in der Stadthalle Merzig. Foto: owa.

Dr. Manfred Lütz