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Schwimmende Saargeschichte

Schwimmende Saargeschichte

Rilchingen-Hanweiler. Nein, sie ist nicht untergegangen. Und dank ihr wird auch die historische Schifffahrt auf der Saar nicht versinken. Die Anna-Leonie, die vermutlich letzte Peniche auf der Saar, ist schwimmende Zeitgeschichte. Am kommenden Freitag wird das Treidelschiff in Rilchingen-Hanweiler vom Stapel laufen. Zum zweiten Mal

Rilchingen-Hanweiler. Nein, sie ist nicht untergegangen. Und dank ihr wird auch die historische Schifffahrt auf der Saar nicht versinken. Die Anna-Leonie, die vermutlich letzte Peniche auf der Saar, ist schwimmende Zeitgeschichte. Am kommenden Freitag wird das Treidelschiff in Rilchingen-Hanweiler vom Stapel laufen. Zum zweiten Mal.Das erste Mal war 1925, bei der Schäfer-Werft in Luisenthal. "Damals gab es noch keine Züge an der Saar, deshalb mussten Kohle und Stahl auf dem Wasser transportiert werden", erzählt Werner Becker. Der 75-Jährige ist Präsident des Saarländischen Fischereiverbandes, der das Schiff 2007 für den symbolischen Betrag von einem Euro kaufte. Und vor dem Untergang bewahrte.

"Ohne dieses Schiff wäre die Industrialisierung an der Saar nicht so schnell vorangeschritten", glaubt Becker. 300 Tonnen konnte das Schiff laden. Gezogen wurde es von zwei Pferden auf dem so genannten Treidelpfad am Ufer der Saar - heute über weite Strecken ein asphaltierter Radweg. "Hätte man damals 300 Tonnen an Land transportieren wollen, hätte man 150 Pferde dazu gebraucht", erzählt Becker. In Auftrag gegeben hatte das Schiff die Familie Kind, benannt wurde es nach den zwei Töchtern der Familie: Anna und Leonie. "Soweit ich weiß, sind später insgesamt fünf Kinder an Bord der Anna-Leonie gezeugt worden", sagt Becker augenzwinkernd. 1964 wurde das Schiff außer Betrieb gestellt. Mehrere Jahre gammelte es am Ufer in der Nähe des Saarbrücker Bürgerparks vor sich hin. 1991 wurde es zur Wirotius-Werft in Rilchingen-Hanweiler geschleppt, wo es endgültig in Vergessenheit zu geraten drohte. Erst als der Fischereiverband die Peniche an den Haken bekam, kriegte das Schiff wieder Oberwasser.

Wenn die Anna-Leonie übermorgen wieder in die Saar gleitet, wird sie aussehen wie einst. Mit Liebe zum Detail ist das Schiff für insgesamt 700 000 Euro restauriert worden. Den Löwenanteil schoss das Landesdenkmalamt zu (auf Initiative des ehemaligen Umweltministers Stefan Mörsdorf), weitere Gelder stammen von Saartoto und dem Fischereiverband. Die Kajüte, der Ofen, die Fenster - alles ist auf der Wirotius-Werft originalgetreu wieder hergerichtet worden. Tipps zur detailgenauen Restaurierung hat sich Becker unter anderem bei Fachleuten in Hamburg geholt. Bald nach dem Stapellauf soll es nach Saarbrücken gezogen werden und bis zum Saarspektakel unterhalb des Staatstheaters ankern. Und dann? "Dann wird Ministerpräsident Peter Müller eine Kabinettssitzung der Landesregierung auf dem Schiff abhalten, das hat er mir versprochen", sagt Becker. Ihren Liegeplatz wird die Peniche schließlich an der Schleuse Rehlingen haben.

Im Frühjahr 2012 muss die Anna-Leonie allerdings noch einmal in die Werft. Dann wird sie mit Exponaten und Schautafeln zur Kohle- und Stahlgeschichte sowie zur Schifffahrtsgeschichte im Saarland bestückt - und ein Museumsschiff. Wird es Eintritt kosten? "Nicht mehr als zwei Euro", verspricht Becker. "Wir wollen keinen Gewinn machen, aber mit den Eintrittsgeldern und Spenden die jährlichen Unterhaltskosten von rund 15 000 Euro finanzieren." Auch sollen auf der Anna-Leonie einwöchige Fischereilehrgänge angeboten werden - immerhin ist der heutige Schiffseigentümer ein Verband für rund 14 000 Angler an der Saar. Und wenn die Anna-Leonie nicht nur ein guter Köder für wissbegierige Angler, sondern auch für Museumsbesucher ist, wird sie wohl niemals mehr untergehen.

Den Stapellauf der Anna-Leonie am Freitag gegen 13 Uhr können Interessierte am besten vom Parkplatz des Supermarktes "Match" in Saargemünd verfolgen.