1. Saarland

Schwerer Sturz am BordsteinStadt Saarbrücken musste zahlen

Schwerer Sturz am BordsteinStadt Saarbrücken musste zahlen

Neuweiler/Sulzbach. Wer Helga Thamerus-Schell per Handschlag begrüßen will, der muss zurzeit mit der linken Hand vorlieb nehmen. Die Frau hat sich bei einem Sturz das rechte Handgelenk gebrochen. Solche Unfälle passieren öfter. Der Fall der verletzten Frau jedoch könnte für Aufsehen sorgen

Neuweiler/Sulzbach. Wer Helga Thamerus-Schell per Handschlag begrüßen will, der muss zurzeit mit der linken Hand vorlieb nehmen. Die Frau hat sich bei einem Sturz das rechte Handgelenk gebrochen.

Solche Unfälle passieren öfter. Der Fall der verletzten Frau jedoch könnte für Aufsehen sorgen. Weil sie nicht irgendwo gestürzt ist, sondern auf einem zerbröselten Bordstein in Neuweiler. Die Frau hat sich einen Anwalt genommen. Sie will Schadensersatz von der Stadt Sulzbach. Ihr Rechtsanwalt hat die Stadt angeschrieben und den Sachverhalt dargestellt: Seine Mandantin war am 21. März (Karfreitag) um 23.30 Uhr mit ihrem Hund unterwegs. Sie ging in Neuweiler die Straße Am Hang bergab. Vor dem Anwesen Nummer 11 stand sie auf dem Bürgersteig und traf Peter D. Es folgte eine kurze Unterhaltung und man wünschte sich frohe Feiertage. Fröhliche Ostern aber konnte Helga Thamerus-Schell sofort vergessen. Weil sie, als sie sich umdrehte um ihren Weg fortzusetzen, auf dem "vollkommen unebenen und teilweise zerbröckelten" Randstein des Bürgersteigs stürzte. Sie fiel auf den rechten Arm und brach sich das Handgelenk.

Ihr Anwalt legt in seinem Brief an die Verwaltung dar, dass der Bürgersteig und insbesondere der Randstein "in diesem Bereich in keiner Weise verkehrssicher" sei. Der Rechtsbeistand stellt einen Verstoß gegen die Verkehrssicherungspflicht der Stadt Sulzbach fest. Schlechte Beleuchtung an dieser Stelle hätten den Unfall im Übrigen noch begünstigt.

Die Verwaltung hat den Vorfall gleich weitergereicht an die GVV-Kommunalversicherung - den Haftpflichtversicherer der Stadt Sulzbach. Die jedoch ist, wie aus der Antwort auf das anwaltliche Schreiben hervorgeht, nicht gewillt, für den erlittenen Schaden einzutreten. "Der Bürgersteig in besagtem Bereich", schreibt die GVV, "befindet sich in einem ordnungsgemäßen und verkehrssicheren Zustand". Und: "Lediglich der Randsteinbereich ist geringfügig beschädigt." Solche Unebenheiten seien aber nicht gefährlich und müssten vom Fußgänger ohne weiteres hingenommen werden. Der Schaden könne somit nicht reguliert werden.

Pascal Jenal, Fachanwalt im Saarbrücker Büro Staab &Kollegen, ist zwar in diesen Fall nicht involviert. Gleichwohl hatte er schon mehrere ähnlich gelagerte Fälle auf dem Schreibtisch (siehe zweiter Text). "Ich würde da nicht gleich die Flinte ins Korn werfen", rät er Helga Thamerus-Schell. Die Stadt habe eine Verkehrssicherungspflicht. Und wenn sich erweise, dass die Stelle, an der die Frau stürzte, schon längere Zeit nicht im ordnungsgemäßen Zustand sei, dann könnte ein Gericht womöglich zu dem Schluss kommen, dass die Stadt ihrer Unterhaltungspflicht nicht nachgekommen sei. Und dann müsse sie für den Unfall haften.

Helga Thamerus-Schell will jetzt die Stadt Sulzbach auf Schadensersatz verklagen. Saarbrücken. "Saarbrücken muss Schmerzensgeld zahlen" lautete im März 2005 die Überschrift über einen SZ-Bericht, der sich mit einem Sturz und dessen Folgen befasste: Weil ein verrostetes Geländer auf dem Flachdach eines Abstellraums ihrem Gewicht nicht standhielt, waren an der Ensheimer Wickersbergschule drei junge Leute dreieinhalb Meter in die Tiefe gestürzt. Ein 16-Jähriger trug durch den ungebremsten Aufprall eine Platzwunde am Kopf und einen Fersenbeinbruch davon. Acht Wochen lang war der Azubi krankgeschrieben. Träger der Grundschule: die Landeshauptstadt Saarbrücken. Für den baulichen Zustand der Einrichtung war der städtische Gebäudemanagementbetrieb (GMS) zuständig. Der schwer verletzte 16-Jährige hatte die Stadt auf Schmerzensgeld verklagt.

Das Landgericht Saarbrücken und später das OLG gaben der Klage des jungen Mannes in vollem Umfang statt. Die Stadt wurde zur Zahlung von 10000 Euro verurteilt. Nach Angaben von Rechtsanwalt Pascal Jenal hatte von Anfang an nie ein Zweifel an der Haftung der Stadt für die durch das schadhafte Geländer verursachten Schäden bestanden. mh