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Schwaben-Export auf Ochsen-Tour

Schwaben-Export auf Ochsen-Tour

St. Wendel/Neunkirchen. Bis Ende 2013 will er etwa 300 neue IG-Metall-Mitgliedsbücher an den Mann oder auch die Frau bringen - ein konkretes Ziel von Michael Knopp. Ferner möchte er die weißen - sprich betriebsratslosen - Flecken auf der Firmen-Landkarte vermindern und die Gewerkschaft in jenen Betrieben stärken, wo sie schon den Fuß in der Tür hat

St. Wendel/Neunkirchen. Bis Ende 2013 will er etwa 300 neue IG-Metall-Mitgliedsbücher an den Mann oder auch die Frau bringen - ein konkretes Ziel von Michael Knopp. Ferner möchte er die weißen - sprich betriebsratslosen - Flecken auf der Firmen-Landkarte vermindern und die Gewerkschaft in jenen Betrieben stärken, wo sie schon den Fuß in der Tür hat. Die IG-Metall-Verwaltungsstellen Neunkirchen und Homburg (zu ihnen zählen auch der Kreis St. Wendel sowie angrenzende Teile von Rheinland-Pfalz) teilen sich seit Jahresbeginn den "Schwaben-Export" Knopp, der im östlichen Saarland und in der Pfalz drei Jahre als "Projekt-Sekretär" dicke Bretter bohren will."Die Verwaltungsstellen können beim IG-Metall-Bundesvorstand in Frankfurt einen solchen Projekt-Sekretär anfordern, weil sie von der Besetzung her oft das Potenzial in ihrem Zuständigkeitsbereich nicht abschöpfen können", erläutert Knopp im Gespräch mit der SZ. Und so verschlug es den Schwaben auf eigenen Wunsch ins Saarland. Er kennt die Klein- und Mittelbetriebe der Branche von innen, war Qualitäts-Assistent bei einer Elektro- und Maschinenbaufirma, dann Betriebsratschef bei einem Automobil-Zulieferer in seiner Heimatstadt Schwäbisch Gmünd. Mit 42 Jahren wollte er nun noch mal was anderes anpacken und wurde nach einem entsprechenden Trainee-Programm hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär im geschilderten Aufgabenbereich.

Zehn bis 15 Betriebe, denen ein Betriebsrat gut anstünde, hat er nach einer ersten Analyse im Raum Neunkirchen/St. Wendel im Auge, im Raum Homburg eventuell noch ein paar mehr. Das Anbahnen der Kontakte ist eine sensible Sache, gerade in Kleinst- und Familienbetrieben. Wie sie beispielsweise im Kfz-Handwerk die Regel sind, das Knopp als eigenständiges Arbeitsgebiet führt, weil es im Saarland noch in einem eigenen Arbeitgeberverband organisiert ist.

Auch mit dem Attribut "konfliktträchtig" belegt der Projekt-Sekretär sein Tun. Denn meist sind die Firmenchefs nicht sonderlich erbaut von der Aussicht, einen Betriebsrat zu bekommen. Das Klischee: "Jetzt kommt die IG Metall mit der Trillerpfeife" macht ihm bisweilen schon zu schaffen.

Grundsätzlich gelte: Man kann einer Firma einen Betriebsrat nicht "überstülpen". "Der Prozess muss von innen kommen, eine genügend große Anzahl von Beschäftigten muss das wollen", so Knopp. Deshalb sei es wichtig, zu solchen Leuten Kontakt zu bekommen und "Türöffner" zu finden, die den Kontakt herstellen. Hier sind dem Schwaben die saarländischen Umgangsformen ("Kennschd Du doh jemand?") zuträglich. Wenn Vorgespräche erfolgreich sind, kann ein Betriebsrat binnen zehn Wochen im Amt sein, bei Firmen mit weniger als 50 Beschäftigten im vereinfachten Verfahren sogar nach zwei Wochen.

Mitbestimmungs-Strukturen neu zu schaffen, ist das eine Anliegen Knopps, Hilfestellung zu geben, wo sie bereits existieren das andere. Hier will er bis zu einem Dutzend Klein- und Mittelstandsbetriebe im Bereich der beiden Verwaltungsstellen unter seine Fittiche nehmen. Denn, so die Erfahrung des 42-Jährigen, oft werde der Betriebsrat nicht so eingebunden, wie es vorgesehen ist - etwa bei der Anordnung von Mehrarbeit. Einen solchen beratenden Part hat er beispielsweise bereits bei Kuhn & Möhrlein in Illingen oder bei Neways in Neunkirchen übernommen.

Michael Knopp sieht sich nach dem ersten halben Jahr auf Saarland- und Pfalztournee gut angenommen. Der IG-Metaller, der japanische Kinofilme schätzt, weil sie eine andere, fremdartige Mentalität widerspiegeln, lobt nicht minder die Mentalität der Saarländer: "Die sind nicht so verbohrt wie die Schwaben!"