1. Saarland

Schutzplanken als drohende Gefahrenquelle

Schutzplanken als drohende Gefahrenquelle

Zwischen Selbach und Primstal wurden neue Leitplanken installiert. Was Zweiradfahrer ärgert: Die Pfosten sind nicht gepolstert.

Es ist vermutlich eine Horrorvorstellung für so ziemlich jeden Zweiradfahrer: Flott unterwegs auf abschüssiger Straße, stürzt er in einer Kurve. In vollem Karacho geht es in Richtung Leitplanken - und deren scharfkantiger Pfosten. Die Verletzungen sind schrecklich. "Daher verstehe ich nicht, dass man gerade auf dieser Strecke Leitplanken erneuert beziehungsweise neu installiert, ohne an den Pfosten spezielle Schutzpolster für Motorrad- oder auch Radfahrer anzubringen", sagt Bodo Zipf. Die Landstraße, die den Unmut des Selbachers auf sich zieht, liegt quasi vor seiner Haustür. Es geht um die L 134, die seinen Wohnort mit Primstal verbindet - die Strecke ist verhältnismäßig reich an anspruchsvollen Kurven. Mitte der Woche errichtete die Firma Rienäcker aus Duisburg die letzten 160 von insgesamt 1455 Metern neuer Schutzplanken.

"Es handelt sich um die Absicherung vor gefährlichen Hindernissen, etwa die steil abfallende Böschung und Bäume in kritischem Abstand zur Fahrbahn", erklärt Klaus Kosok, Sprecher des Landesamtes für Straßenbau (LfS), warum entlang der L 134 weitere Schutzzplanken errichtet wurden. "Eine Maßnahme nach der RPS 2009." Die Abkürzung steht für Richtlinien für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeugrückhaltesysteme, Ausgabe 2009. "Und ein Unterfahrschutz oder Crash-Absorber", so heißen die Schutzpolster, die bei einem Sturz schlimmste Verletzungen bei Motorrad- oder Fahrradfahrern verhindern sollen, "sind in den uns vorgegebenen Richtlinien nicht vorgesehen", erklärt der LfS-Sprecher. Folglich seien diese an den rund 1400 Kilometern Landstraßen im Saarland nirgends installiert. "Aber beispielsweise an der Strecke von Selbach nach Gronig gibt es schon solche Schutzpolster an den Pfosten", sagt Zipf. Der Selbacher fährt selbst Motorrad, habe "zum Glück" aber noch keine nähere Bekanntschaft mit Leitplanken machen müssen.

"Die Crash-Absorber, die an manchen Strecken im Land zu finden sind, wurden nicht vom LfS installiert, sondern von Privatleuten oder durch private Initiativen", erläutert Kosok. Crash-Absorber kämen nur dann in Betracht, "wenn die Unfallkommission nach Unfall-Ereignissen eine besondere Gefahrenlage feststellt und weitergehende Sicherungsmaßnahmen anordnet". Das Landespolizeipräsidium führe eine Statistik über Unfälle im Straßenverkehr, und das Abkommen von Zweirädern von der Fahrbahn sei ein Hauptkriterium für die Einschätzung der Kommission. "Es wird also lieber gewartet, bis etwas passiert?", fragt SZ-Leser Bodo Zipf.

"Die Straße zwischen Selbach und Primstal ist kein Unfallschwerpunkt - auch für Motorradfahrer nicht", sagt Andreas Riemenschneider, Chef der Polizeiinspektion Nordsaarland. Aber: "Der Leser hat prinzipiell recht, dass er sich über eine solche Ausstattung Gedanken macht."

Er wolle dem Landesamt keine Empfehlung geben. Doch sei es seiner Ansicht nach durchaus sinnvoll, vonseiten des LfS noch einmal über die Installation solcher Crash-Absorber nachzudenken. Schließlich sei die kurvige Straße bei Motorradfahrern sehr beliebt. Aber Riemenschneider betont noch einmal: "Diese Strecke ist kein Unfall-Schwerpunkt."