1. Saarland

Schulunterricht? Nein, Blues gibt es jetzt in der guten Stube

Schulunterricht? Nein, Blues gibt es jetzt in der guten Stube

Herrensohr. Das Foyer mit der großen Flügeltür erinnert noch in seinen Dimensionen an die alte Grundschule in der Petrusstraße 22. Ein Blick in die Wohnstube verrät: Hier wurde mit Liebe zum Detail und im ursprünglichen Geist des Hauses umgebaut: "Wir haben es erst einmal entkernen müssen. Dann wurde es renoviert und wir haben gleichzeitig darin gewohnt

Herrensohr. Das Foyer mit der großen Flügeltür erinnert noch in seinen Dimensionen an die alte Grundschule in der Petrusstraße 22. Ein Blick in die Wohnstube verrät: Hier wurde mit Liebe zum Detail und im ursprünglichen Geist des Hauses umgebaut: "Wir haben es erst einmal entkernen müssen. Dann wurde es renoviert und wir haben gleichzeitig darin gewohnt. Damals war ich hochschwanger", erinnert sich Barbara Dunkel (46), Mutter von zwei Söhnen. Die Wahlsaarländerin aus dem Rheinland mit dem abgeschlossenen Gesangsstudium hat seit 15 Jahren ein Engagement im Opernchor des Staatstheaters. Für Insider der Kulturszene ist sie mit ihrem Mann, dem Solopianisten Wolf Giloi spätestens durch ihr Chansonprogramm "Eigenarten" ein Begriff. Das Musiker-Paar hauchte vor 13 Jahren, als das alte Petrusschulhaus in den Familienbesitz kam, den 44 Jahre alten Mauern eine musikalische Seele ein.

"Wir haben vor fünf Jahren unsere hauseigene Bühne geöffnet", erinnert sich Barbara Dunkel. Es sei ein Herzenswunsch ihres Mannes gewesen. Er habe sich immer schon einen Saal für seine zwei Konzertflügel gewünscht. "Das ehemalige Klassenzimmer hat sich dann aber prima dafür geeignet", sagt sie.

Nach und nach haben Künstlerkollegen die privaten Bretter für Kleinkunstprogramme entdeckt. Und eins davon kommt am Samstag im jazzmusikalischen Gewand daher: Die "Bluzmatics" werden ihr Bühnenprogramm zum Besten geben.

"Ich kenne Wolf schon seit 20 Jahren", erzählt Bertold Bach, Kaltnaggischer und Schlagzeuger der Band. Er sitzt mit am Esstisch neben der Küchenzeile. Die offene Küche mutet wie eine Theke an. "Wir haben schon früher zusammen gespielt", sagt Bach. Barbara Dunkel muss jetzt ins Staatstheater. Im Gehen fasst sie zusammen: "Am Samstag haben wir die achte Veranstaltung im Haus. Das ist immer eine schöne Sache. Wir freuen uns auf die Bluzmatics", ruft sie noch nach. Wie sich herausstellt, ist Bach ein alter Jazzhase, denn er hat schon mit der Schweizer Jazz-Schlagzeug-Legende Charly Antolini auf der Bühne gestanden. "Musiker treffen sich irgendwie immer wieder. Ich habe früher schon mit den Bluzmatikern Gernot und Stefan in einer anderen Band gespielt", sagt der 66-jährige Hobbymusiker.

Die fünfköpfige Band mit einer Altersspanne von 24 bis 66 Jahren spielt seit vielen Jahre Blues "From Chicago to L.A.", jede Menge Klassiker und Eigenkompositionen. "Gernot Scheerer mit Vater Fritz Scheerer werden die Gitarren rocken, Stefan Groß ist mal kein Ingenieur am Samstag, sondern der dritte Gitarrist im Bunde. E-Bassist Dieter Weber gibt die Klangbasis", erläutert Bach. Wolf Giloi kommt gerade aus dem Saal. Seine Pianoklänge begleiteten das Gespräch.