Schulischer Rückblick auf Gestern

Schulischer Rückblick auf Gestern

Winterbach

Winterbach. Die Namen von über 5000 Schulkindern und lückenlos alle Klassenbilder ab dem Jahre 1908, eine ausführliche Schulchronik, die Entwicklung der Schülerzahlen, die in der Schule gelehrten Schreibschriften und eine Reihe Erinnerungsfotos - das alles enthält die über 400 Seiten umfassende "Chronik der Volks- und Grundschule Winterbach", die am Sonntag im Pfarrheim vorgestellt wurde. "Das Buch läutet die 770-Jahr-Feier des Ortes ein", verkündete Ortsvorsteher Gerhard Weiand (CDU) vor über 60 Gästen. "Die Heimatfreunde haben mit viel Fleiß alles zusammengetragen, um es den nachfolgenden Generationen auf vielen Buchseiten zu erhalten."Der Band sei ein großartiger Rückblick auf das Gestern, dem jedoch leider kein Morgen folgen würde, denn vor einigen Jahren sei die Winterbacher Grundschule nach fast 200 Jahren aufgelöst worden. Nicht nur der Autor Anton Scheid und die beiden inzwischen verstorbenen Heimatfreunde Anton Horras und Leonhard Thome hätten viel Zeit aufgewendet. Auch der stellvertretende Vereinsvorsitzende Peter Kirsch habe unzählige Stunden in das Buch investiert.

Im munteren Plauderton und ganz in Mundart erzählte der 83-jährige Toni Scheid, wie er im Jahre 1985 mit seiner Heimatkundearbeit angefangen und seither 10 000 Bilder aus dem Ort gesammelt habe. Dem ersten Buch über die Wegekreuze sei bald danach der Band über die Pastöre, Ordensleute und Organisten gefolgt. Nun sei die Schulchronik vollendet. Der Leiter des Ottweiler Schulmuseums, Professor Horst Schiffler, erzählte zunächst aus der Schulgeschichte allgemein. Vor der französischen Revolution habe es noch keine Schulpflicht gegeben, die Kinder seien daheim beschäftigt worden. In einer Niederschrift von damals sei festgehalten, "dass die Jugend (deshalb) ganz ohne Zucht aufwächst". Ab 1810 habe es in Winterbach, das seinerzeit zu Lothringen gehörte, regelmäßig Schulunterricht gegeben. "Wer damals die Initiative ergriffen hat, war nicht mehr zu ermitteln", sagte der Redner. In den ersten Jahren habe es nur eine Winterschule gegeben. Sie haben am Michaelistag, dem 29. September, begonnen und bis Ostern gedauert. Unter der Regierung des Herzogs Ernst von Sachsen Coburg-Saalfeld habe sich die Schulsituation in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbessert, weil er festgestellt hatte, "dass das Schulwesen an bedeutenden Gebrechen leidet". Mehrere Jahrzehnte unterrichtete der Lehrer Gert Krug, der heute in Urweiler wohnt, an der Winterbacher Schule. Der Ruheständler wusste viel aus dieser Zeit zu berichten. Sein Rückblick ließ Erinnerungen an die Schule wach werden. Das Klarinettenquartett Schaumberger Land unter Leitung von Horst Nagel übernahm den musikalischen Teil der Präsentation.

Die "Chronik der Volks- und Grundschule Winterbach", 400 Seiten, gebunden, kostet 27 Euro. Verkauf während der 770-Jahr-Feier und im örtlichen Einzelhandel.

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