Schulen sollen raus aus der digitalen Wüste

Digitale Bildung : Schulen sollen raus aus der digitalen Wüste

60 Millionen Euro erhält das Saarland ab 2018 vom Bund für die digitale Bildung. Doch Schulen und Lehrer müssen auch etwas dafür tun.

Vor knapp zwei Jahren muckten Saarlands Schüler auf: Was die IT-Ausstattung angehe, herrsche an den meisten Schulen noch tiefste Steinzeit. Was die Schüler schon damals erkannt haben, ist nun auch in der Politik durchgedrungen – und das nicht nur im Saarland, sondern bundesweit.

Im Herbst 2016 sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) den Ländern für einen Zeitraum von fünf Jahren fünf Milliarden Euro zu – für das Saarland wären das 60 Millionen. Mit dem Geld sollen die Schulen mit Breitband-Anbindung, Wlan-Netzen und Geräten ausgestattet werden. Im Gegenzug sollen die Länder pädagogische Konzepte aufstellen und die Aus- und Fortbildung der Lehrer organisieren.

Tatsächlich steht Deutschland beim Thema „Digitale Bildung“ im europaweiten Vergleich nicht besonders gut da. Während sich hierzulande 11,5 Schüler einen Computer teilen müssen, sind es zum Beispiel in Norwegen nur 2,4 Kinder. Im Saarland kommen an den Grundschulen auf einen Computer acht Schüler, an den Gymnasien sogar 13. Das soll sich nun ändern. Und Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) sieht das Land gut vorbereitet, um den sogenannten Digitalpakt zwischen Bund und Ländern umzusetzen. Zumindest in Teilen ist das Saarland sogar Vorreiter: Als erstes Bundesland hat es Mini-Computer für alle Drittklässler eingeführt, so genannte Calliope-Computer. Auch die ersten beiden „Smart Schools“, modellhafte digitale Schulen, sind hier angesiedelt.

Mit den 60 Millionen, die laut Commerçon ab 2018 fließen könnten, sollen aber nicht alle Schulen mit neuesten Smartphones und Tablets, die der Markt zu bieten hat, beliefert werden. „Das wäre ein Fehler, weil sie zwei Wochen später schon nicht mehr aktuell wären“, sagt der Minister. Stattdessen sollten die Schulen auf „einfache Standardgeräte“ setzen.

Er sieht aber zunächst andere Prioritäten: Flächendeckendes Wlan, eine landesweite Bildungscloud, also eine digitale Lernplattform, und vor allem eine bessere Breitbandanbindung. Schnelles Internet mit mindestens 25 Mbit/s gibt es nur an 15 Prozent der Gemeinschaftsschulen und 21 Prozent der Gymnasien. Geplant ist zudem, die Medienbildung verbindlich in die Lehrpläne zu schreiben. Ganz oben auf der Liste steht für Commerçon auch die Aus- und Fortbildung der Lehrer. Die dürfte auch nötig sein. Die Studie „Wie lernen Lehrer?“ der Vodafone Stiftung (März 2017) zeigt, dass bundesweit nur 31 Prozent der Lehrer zwischen 36 und 50 Jahren von sich selbst sagen, sie hätten eine hohe Medienkompetenz.

Doch haben die Lehrer, angesichts vielfältiger Aufgaben, etwa der Inklusion, überhaupt genug Zeit, sich fortzubilden? Commerçon versichert, den Lehrern werde genug Arbeitszeit eingeräumt. Beim Koalitionspartner CDU will er sich für ein langfristiges Finanzierungskonzept einsetzen, um die nötigen Ressourcen bereitzustellen.

Damit die Schulträger das Geld abrufen können, müssen sie ein Medienkonzept, quasi eine pädagogische Grundlage, vorweisen können. „Wir werden das Geld nicht einfach durchreichen“, betont Commerçon. Ein solches Konzept haben bisher allerdings nur 38 Prozent der Gemeinschaftsschulen und 23 Prozent der Grundschulen. Bei den Gymnasien sind es immerhin  65 Prozent. Der Minister ermuntert die Schulen deshalb dazu, sich anzuschauen, was andere Schulen sich überlegt haben: „Abschreiben ist ausdrücklich erlaubt!“

Er mahnte zudem, dass der Bund sich mit der Einmalzahlung von fünf Milliarden nicht aus der Verantwortung stehlen dürfe: „Die Kommunen und Schulträger wurden zu lange vom Bund allein gelassen.“ Der Bund müsse auch nach Ablauf der fünf Jahre sicherstellen, dass die Schulen in der Lage sind, ihre IT-Ausstattung zu warten und nötigenfalls zu ersetzen.

Bildungsminister Ulrich Commerçon Foto: Becker&Bredel. Foto: BeckerBredel

Doch noch liegen die fünf Milliarden gar nicht auf dem Tisch. Bundesbildungsministerin Wanka hat sie zwar zugesagt, Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat das Geld aber noch nicht bereitgestellt. Doch Commerçon ist zuversichtlich. Schließlich wird Schäubles Chefin, Kanzlerin Angela Merkel (CDU), nicht müde zu betonen, dass Deutschland den Anschluss in Sachen Digitalisierung nicht verpassen dürfe.

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