1. Saarland

Schuften in mörderischer Hitze

Schuften in mörderischer Hitze

Dudweiler. "An Hupen und Beschimpfungen gewöhnt man sich, ich kann ja nicht jedem den Vogel zeigen", sagt Udo Klau und zuckt, hinter seinem Lenkrad sitzend, gelassen mit den Schultern. Der Müllwagenfahrer vom Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetrieb (ZKE) weiß, dass sein großes Fahrzeug in den Wohngebietsstraßen für Unmut sorgt

Dudweiler. "An Hupen und Beschimpfungen gewöhnt man sich, ich kann ja nicht jedem den Vogel zeigen", sagt Udo Klau und zuckt, hinter seinem Lenkrad sitzend, gelassen mit den Schultern. Der Müllwagenfahrer vom Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetrieb (ZKE) weiß, dass sein großes Fahrzeug in den Wohngebietsstraßen für Unmut sorgt. Vor allem bei den Autofahrern, vor allem wenn die Temperaturen in tropische Höhen steigen. Aber nicht nur in Bezug auf ungeduldige Autofahrer wissen die Müllwerker mit der Hitze locker umzugehen. T-Shirt wechseln, keinen Kaffee trinken, den Großteil der Arbeit möglichst vor der Mittagshitze schaffen, das ist ihr Rezept.

Als Fahrer Udo Klau am Morgen langsam von seinen Kollegen beim Rückwärtsfahren eingewunken wird, ist es noch angenehm kühl. Am Fuß eines 12-geschossigen Wohnhauses rollen die Lader Patrick Woll und François Supinski vier Großbehälter zum Müllauto, der Abfall in den Behältern kann bis zu 120 Kilo wiegen. Schlimmer seien allerdings die Großbehälter von Restaurants oder Pizzerien: "Essensreste stinken bestialisch", erklärt Klau und meint in Bezug auf die Wärme: "Müll riecht aber bei allen Temperaturen gleich, ob kalt, ob warm." Man gewöhne sich außerdem an den Geruch.

So ein Großbehälter mit Essensresten kann zwischen 200 und 250 Kilo wiegen. Wenn der schwere Behälter zur Trommel des Müllautos hinaufgezogen wird, wackelt das ganze Fahrzeug inklusive Fahrerkabine. Der 27-jährige Patrick Woll weiß schon, was er sich nach der anstrengenden Arbeit gönnen wird: "Kalt duschen und dann auf der Couch entspannen." Aber soweit ist es noch nicht. Etwa 120 Großbehälter von hauptsächlich Wohnhäusern, aber auch von Firmen und Altenheimen, leeren die drei Männer auf ihrer Tour.

Um sechs Uhr haben sie ihre Fahrt durch Dudweiler begonnen, langsam wird es in der Fahrerkabine hinter der großen Windschutzscheibe drückender. "Bei warmem Wetter muss ich einfach mehr Gas geben", scherzt Fahrer Udo. Allerdings steht er im Wohngebiet mehr, als er fährt. "Dann kann es hier drinnen zur Sauna werden." Eine Klimaanlage möchte Udo aber nicht, er fahre lieber mit offenem Fenster. Und ohne rote Augen.

Beim Fahren komme er bei dem heißen Wetter schon an einen "toten Punkt", an dem die Konzentration nachlässt. "Das merke ich aber und steige aus und bewege mich ein bisschen", erzählt er. Dem 42-jährigen François machen die warmen Temperaturen nichts aus, das sei für ihn besser als Regenwetter und nasse Kleidung.

Während der Fahrt zur Müllverbrennungsanlage Velsen streckt er seinen Arm aus dem offenen Fenster in den Fahrtwind. Zwei Mal während ihrer siebenstündigen Schicht fahren die Müllwerker zu der Anlage Velsen, um die Presstrommel zu entleeren. Einmal am Vormittag und später noch mal am Schichtende. Ob es bei den hohen Temperaturen zu Hause dann ein leichtes Mittagessen gibt? Einen Salat, meinen Udo und François. "Mit Steak", ergänzen sie lachend.

 Sonne, Schweiß und stinkender Unrat: Supinski und Woll entleeren einen der bis zu 250 Kilogramm schweren Großbehälter.
Sonne, Schweiß und stinkender Unrat: Supinski und Woll entleeren einen der bis zu 250 Kilogramm schweren Großbehälter.
 Sonne, Schweiß und stinkender Unrat: Supinski und Woll entleeren einen der bis zu 250 Kilogramm schweren Großbehälter.
Sonne, Schweiß und stinkender Unrat: Supinski und Woll entleeren einen der bis zu 250 Kilogramm schweren Großbehälter.
 Noch ist es angenehm kühl: Die Müllwerker François Supinski, Udo Klau und Patrick Woll (von links) erwartet bei ihrer anstrengenden Arbeit in Dudweiler ein heißer Tag. Fotos: Judith Pirrot/ZKE
Noch ist es angenehm kühl: Die Müllwerker François Supinski, Udo Klau und Patrick Woll (von links) erwartet bei ihrer anstrengenden Arbeit in Dudweiler ein heißer Tag. Fotos: Judith Pirrot/ZKE