1. Saarland

Schülerprojekt möchte an die Juden in Nalbach erinnern

Schülerprojekt möchte an die Juden in Nalbach erinnern

Über eine unmenschliche Zeit berichtete Walter Löb an der Schule am Litermont in Nalbach. Von seinem Schicksal als Halbjude während der NS-Herrschaft erfuhren rund 50 Schülerinnen und Schüler der Zehnerklassen.

"Hat der eiskalte Augen gehabt", berichtete Walter Löb über seinen Eindruck von Adolf Hitler. Zehn Jahre war Löb gewesen, als er den Führer leibhaftig in Saarlouis am Choisyhof gesehen hatte. Die Folgen der NS-Ideologie für ihn als Halbjuden schilderte Löb am Montagmorgen vor etwa 50 Schülern der Nalbacher Schule am Litermont. Mit dabei war der Geschäftsführer des Adolf-Bender-Zentrums, Willi Porz. Mutter katholisch, Vater Jude, damit waren die Weichen gestellt für Missachtung, Unterdrückung und Verfolgung. Seit 1934 wohnten die Löbs mit vier Söhnen und zwei Töchtern in Saarlouis. Darunter der 1928 geborene Walter. 1933 übernahm Hitler in Deutschland die Macht. Im vom Völkerbund verwalteten Saarland bekämpften sich demokratisch gesinnte Parteien und die NSDAP. "Das hat uns Kindern sogar gefallen, wenn die alten Flappesen sich verkloppt hann", erinnerte sich Löb.

1935 folgte die Rückgliederung des Saarlandes ans Reich, und 1936 entstanden auch hier Jungvolk, Hitlerjugend und andere Organisationen. Deren Uniformen schaltete bei vielen den Verstand aus, vermittelte Löb. "Die fühlten sich als was Besseres. Ich durfte da nicht hin, weil ich ja Halbjude war." Schulkameraden distanzierten sich von ihm, deren Eltern meinten, er solle besser weg bleiben. Zunehmend waren die Löbs von Schikanen betroffen. Der Vater, der als Viehhändler arbeitete, erhielt Berufsverbot. In der Pogromnacht wurde er aus dem Haus gezerrt, wie viele andere in Saarlouis, und auf den Viehmarkt getrieben. Walter Löb beobachtete dieses Geschehen. "Ich habe mich gefühlt, wie wenn ich unter Verrückten leben würde. Die haben sich über jeden gefreut, den sie niederschlagen konnten."

Später entkam sein Vater durch Flucht nach Shanghai, wo er für die Japaner im Straßenbau arbeiten musste. Löbs Mutter war allein für die Familie zuständig, Walter Löb half mit, so gut er konnte. Ein Bruder starb an Lungenentzündung, weil ein deutscher Arzt keine Juden behandeln durfte. Eine behinderte Schwester wurde in der NS-Anstalt Hadamar getötet. Walter Löb selbst entkam 1943 an seinem Arbeitsplatz in Metz einer Gestapo-Razzia nur durch Hilfe des Widerstandes. Für den war er bis 1944 als Kurier zwischen Nancy und Saverne im Elsass unterwegs. "Der Nationalsozialismus war ein System", sagte Löb abschließend, "in dem Kinder vor ihren Eltern Angst hatten und Eltern vor ihren Kindern." So habe ein Schüler seine eigenen Eltern denunziert. "Der Vater kam in eine Strafkompanie und blieb im Krieg."

Die Lebensgeschichte Walter Löbs war Auftakt für ein neues Projekt an der Schule am Litermont. Darin erarbeiten Schüler unter Mithilfe des Adolf-Bender-Zentrums Vorschläge für das Erinnern an die jüdische Bevölkerung in Nalbach.