1. Saarland

Schüler vermitteln bei Konflikten

Schüler vermitteln bei Konflikten

Wadern. Auf dem Wunschzettel jeder Schule ganz oben: das einvernehmliche und harmonische Miteinander aller Schüler. Die Wirklichkeit sieht aber eher so aus: Der Neue wird in seiner Klasse ausgegrenzt. Gespräche mit der Klassenlehrerin haben keine Verbesserung gebracht

Wadern. Auf dem Wunschzettel jeder Schule ganz oben: das einvernehmliche und harmonische Miteinander aller Schüler. Die Wirklichkeit sieht aber eher so aus: Der Neue wird in seiner Klasse ausgegrenzt. Gespräche mit der Klassenlehrerin haben keine Verbesserung gebracht. Wenn es um Ausgrenzung, Mobbing, Demonstration und Anwendung von körperlicher Gewalt unter Schülern geht, können Mitschüler die Streitenden zusammenbringen und vermitteln. Das Eingreifen von Erwachsenen (Lehrer, Schulleitung) kann die akute Situation beruhigen, oft aber nicht zu einer dauerhaften Lösung verhelfen. In vielen Fällen kann man den Kindern und Jugendlichen die Einigung in einem Streitfall durchaus selber zutrauen. Dabei helfen unparteiische Dritte, die von allen Seiten akzeptiert werden.Seit etwa drei Jahren ist Schoolworker Marcel Thome am Hochwald-Gymnasium dabei, Konfliktvermittlung durch Schüler systematisch in den Schulalltag zu verankern. Im laufenden Schuljahr bieten zwölf dafür ausgebildete Schüler aus den Klassenstufen 7 bis 9 ihre Hilfe als Mediatoren an. In den großen Pausen steht jeweils ein Zweierteam bereit, um einen zeitnahen Termin abzusprechen. Das eigentliche Vermittlungsgespräch findet während der Unterrichtszeit unter der alleinigen Leitung dieser beiden Konfliktvermittler statt. Kein Lehrer ist daran beteiligt, nichts dringt nach außen, alles geschieht freiwillig. Es ist alles - nur kein Tribunal. Niemand wird verurteilt. Am Ende steht eine Vereinbarung, mit der beide Konfliktparteien einverstanden sind.

Eine solch anspruchsvolle Mittlerrolle bei der Mediation will erlernt sein und muss immer wieder eingeübt und verbessert werden. Dazu treffen sich die ausgebildeten Mediatoren regelmäßig als AG, um Gesprächsführung und Lösungsstrategien zu besprechen. Neu dazugekommen sind Schüler aus der Jahrgangsstufe 6, die im Dezember an einem ganztägigen Einführungsseminar des saarländischen Jugendrotkreuzes in der Jugendherberge Weiskirchen teilgenommen haben.

Referentin Heike Weber nutzte die ersten Stunden mit den 20 Schülern vor allem für Kennenlernspiele und für das spielerische Herantasten an die Problemfelder Aggression, Konflikt und Gewalt. Dazu gehörte für die 15 Sechstklässler vom Hochwald-Gymnasium und die fünf Neuntklässler von der Erweiterten Realschule in Wadern beispielsweise die Einordnung von Formen der Gewalt auf einer Werteskala. Am Ende war Teamarbeit bei der Planung und dem Bau eines möglichst hohen Turmes aus Papier gefordert. Der Tag endete in einem Spielabend in Tischgruppen.

Richtig ernst wurde es am Samstag mit der Einübung in die Prinzipien und Regeln der Konfliktvermittlung. Ein Streit um ein Pausenbrot und um die Anfertigung eines Referates mussten geschlichtet werden, sowie die Nachwirkungen eines Diebstahles unter Schülern einvernehmlich geregelt werden. Dabei spielten zwei Schüler die Streitparteien, zwei andere übten die Mediation und ein fünfter Schüler beobachtete, ohne einzugreifen. Alle waren mit großem Eifer in ihren Rollen, auch wenn nicht immer eine Konfliktlösung gelang.

Zum praktischen Einsatz werden die neuen Streitschlichter erst im nächsten Schuljahr kommen. Bis dahin werden sie in einer Arbeitsgruppe zu Experten in der Konfliktvermittlung weitergebildet. red