1. Saarland

Schüler in Nackenheim kümmern sich jetzt selbst um Pausenkiosk

Schüler-Selbsthilfe : Mainzer Schüler gründen Genossenschaft

Um die Schließung des Schulkiosks zu kompensieren, organisieren die Jugendlichen einen eigenen Vertrieb.

Weil es am Gymnasium Nackenheim bei Mainz keine Pausenverpflegung mehr gab, sind die Gymnasiasten selbst aktiv geworden. „Im Januar wurde unser Schulkiosk geschlossen“, berichtet Schülerin Annika Tietgen. Der Hausmeister, der den Kiosk betrieben hatte, ging in den Ruhestand, der Laden stand vor dem Aus. „Ab dem Sommer wollen wir nun übernehmen“, sagt Mitschülerin Lorena Ehlenberger. Vor kurzem gründeten die Jugendlichen dazu die Genossenschaft „Fairsnackt“.

Künftig wollen die jungen Genossenschafter an jedem Schultag in den beiden großen Pausen selbst hinter dem Kiosktresen stehen. „Alle unsere Produkte sind fair und nachhaltig produziert“, sagt Annika Tietgen. Darauf habe die Genossenschaft bei der Sortimentsauswahl Wert gelegt. Ein örtlicher Bäcker liefert Brezeln, die Limo kommt in Glasflaschen.

Die Geschäftsidee, einen Schulkiosk zu betreiben, habe sie sofort überzeugt, sagt Schulleiterin Antje Schwebler. Sie regt an, das Projekt künftig in eine Arbeitsgemeinschaft zu integrieren, so dass die jungen Gründer weiter an ihrem Geschäftsmodell feilen können.

Unterstützung bekommen die Neu-Genossenschafter vom Schulförderverein, vom Genossenschaftsverband und von der Mainzer Volksbank. Während der Förderverein als Träger das Konto zur Verfügung stellt, steht die Bank als Partnergenossenschaft mit Tipps zur Seite. Verbandsvertreter prüfen – wie bei einer echten Genossenschaft – jedes Jahr die Bücher.

Bank und Verband wollen mit ihrem Engagement ökonomische und ökologische Bildung voranbringen. Zu viele junge Menschen verließen die Schule als „ökonomische Analphabeten“, beklagt Bernhard Brauner vom Genossenschaftsverband. Darauf würden Studien hindeuten. „Und das merken auch wir als Ausbildungsbetrieb“, ergänzt der Vorstand der Mainzer Volksbank, Uwe Abel. Für viele Firmen werde es zunehmend schwerer, qualifizierte Azubis zu finden.

In Rheinland-Pfalz gibt es mit „Fairsnackt“ jetzt 15 Genossenschaften in Schülerhand. Manche bieten wie in Nackenheim Pausen-Snacks an, andere vertreiben Unterrichtsmaterialien, Schulkleidung oder Palettenmöbel. Bis zu 400 Schüler bringen sich so landesweit in den Genossenschaften ein.

Anders als Schülerfirmen, die etwa nur für ein Schuljahr oder für einen Wettbewerb aufgebaut werden, sind die Schülergenossenschaften auf Nachhaltigkeit ausgerichtet – zum Beispiel beim Wissenstransfer. „So können beim jahrgangsübergreifenden Arbeiten die Kleinen von den Erfahrungen der Großen profitieren“, erklärt der Referent für Ökonomische Bildung am Pädagogischen Landesinstitut, Michael Gombert.

Außerdem fördere das Engagement in einem Schüler-Start-up die Eigenständigkeit der Jugendlichen über den normalen Unterricht hinaus. „Sie erleben dabei ganz praktisch, was sie im Team gemeinsam bewegen können“, sagt Gombert.

(dpa)