1. Saarland

Schritt für Schritt den Ärmsten helfenAlle sind zum Mitgehen und zum Mitspenden eingeladen

Schritt für Schritt den Ärmsten helfenAlle sind zum Mitgehen und zum Mitspenden eingeladen

St. Wendel/Duraikudieruppu. Dicht an dicht sitzen die Kinder in ihren Schulbänken, lauschen ihrer Lehrerin, sprechen dann laut nach, was sie ihnen vorsagt. Kaum zu glauben, dass so viele Kinder in einem Klassensaal Platz haben. Es ist Januar dieses Jahres: Eine kleine Delegation aus dem St. Wendeler Land besucht die St.-Josephs-High-School in dem südindischen Dorf Duraikudieruppu

St. Wendel/Duraikudieruppu. Dicht an dicht sitzen die Kinder in ihren Schulbänken, lauschen ihrer Lehrerin, sprechen dann laut nach, was sie ihnen vorsagt. Kaum zu glauben, dass so viele Kinder in einem Klassensaal Platz haben. Es ist Januar dieses Jahres: Eine kleine Delegation aus dem St. Wendeler Land besucht die St.-Josephs-High-School in dem südindischen Dorf Duraikudieruppu. Die Schule ist in den letzten zehn Jahren mit Spenden aus dem Saarland gebaut worden. Unter anderem mit Mitteln des St. Wendeler Hungermarsches. Und auch dieses Jahr wird der weitere Ausbau der Schule mit Erlösen aus dem Hungermarsch finanziert. Der beginnt am Sonntag, 25. September, elf Uhr, mit einem Gottesdienst in der Missionshauskirche.Zurück in den Januar: Die Delegation besteht aus Peter Adams und Hermann Scharf, die sich seit Jahren im Jochen-Rausch-Zentrum St. Wendel für die Indienhilfe engagieren. Mit dabei sind SZ-Redakteur Volker Fuchs und seine Frau Sigrid, die sich erstmals in Indien aufhalten und sich die verschiedenen Hilfsprojekte des Jochen-Rausch-Zentrums anschauen.

Unter anderem das Schulprojekt in Duraikudieruppu. Mit Spenden des Hungermarsches 2010 wurde der Ausbau der Schule finanziert. Das Gebäude wird aufgestockt. Hier entstehen weitere Klassenräume. Die Bauarbeiten laufen im Januar auf Hochtouren. Die tragenden Betonsäulen werden gegossen. Eine ganze Reihe von Menschen ist beschäftigt, darunter auch einige Frauen. Alles ist Handarbeit. So tragen Frauen den Kies in Körben auf dem Kopf in den ersten Stock, dort mischen Arbeiter diese mit Zement und Wasser zu Beton. Eine dritte Gruppe trägt den Beton zu den Arbeitern, die diesen in die Verschalung gießen. Maschinen gibt es nicht. Was auf den ersten Blick rückständig anmutet, bedeutet aber auf den zweiten Blick Lohn und Auskommen für eine ganze Reihe von Menschen.

Den Schulbesuch nutzen Peter Adams und Hermann Scharf auch, um Schulbänke zu übergeben. Auch diese sind mit Geldern aus dem Saarland finanziert und in der Werkstatt von Joseph Thomas gefertigt worden.

70 Kinder in einer Klasse

Thomas ist der Ansprechpartner der Indienhilfe vor Ort. Er kümmert sich nicht nur um den Ausbau der Schule, sondern auch um den Bau der Witwenhäuser. Er ist Schatzmeister des Vereines Care, der wenige Hundert Meter entfernt von der Schule das Kinderheim Mutter Theresa unterhält. Das Heim, das die Pfarreiengemeinschaft Oberthal finanziert. Die Kinder dieses Heimes besuchen natürlich auch die Schule. Thomas' Frau Karla ist Lehrerin und Schulleiterin. Die Schule selbst steht in Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde, die aber diese selbst nicht finanzieren kann.

Waren es im Mai vergangenen Jahres noch 230 Kinder, die die Schule besuchten, so sind es seit diesem Sommer sage und schreibe 345. Etwa 70 Kinder in einer Klasse, das war selbst für indische Verhältnisse zu viel. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres sind die sechs neuen Klassenräume im ersten Stock bezugsfertig. Trotzdem setzen die Schüler weiter auf die Hilfe aus dem Saarland. Denn mit Geldern aus dem Hungermarsch dieses Jahres sollen die Schulhalle und ein PC-Labor fertiggestellt werden.

Die 345 Kinder, übrigens Christen und Hindus, werden von der fünften bis zur zehnten Klasse in tamilischer Sprache unterrichtet. Viele arme Kinder aus den umliegenden Dörfern kommen hierher. Die Schule genießt einen guten Ruf. Den sie sich auch mit saarländischer Hilfe erworben hat.

Auf diese Hilfe hoffen auch die Kinder der kleinen Dorfschule in Vijaya Achampadu. Ihre alte Schule ist nichts anders als ein großer Raum mit zugigen Lehm- und Holzwänden sowie einem Sandboden. Auf dem die Kinder während des Unterrichts sitzen. Die Menschen hier sind arm, arbeiten als Tagelöhner auf den Feldern. Direkt an der Schule gibt es ein Heim für 36 Kinder aus den ärmsten Familien der Umgebung. Das Jochen-Rausch-Zentrum unterstützt das St.-Michaels-Children-Home mit Patenschaften. Im vergangenen Jahr ist mit einem Zuschuss des Landes die Toilettenanlage erneuert worden. Jetzt muss dringend ein neues Schulgebäude her. Peter Adams sagt: "Das saarländische Wirtschaftsministerium gibt einen Zuschuss von 70 Prozent. Den Rest müssen wir über den Hungermarsch finanzieren."

Wobei Adams hofft, dass über die beiden Schulprojekte hinaus noch Geld übrig bleibt. Für den Bau von weiteren Häusern für Witwen nämlich. 85 einfache Häuser hat das Jochen-Rausch-Zentrum schon finanziert. Sie bestehen aus zwei Räumen, sind knapp 23 Quadratmeter groß. Weitere sollen hinzukommen. Die Warteliste ist lang. Mittlerweile kostet ein Witwenhaus 2600 Euro.

St. Wendel. Peter Adams und seine Mitstreiter hoffen auf eine hohe Resonanz beim 35. Hungermarsch in St. Wendel. Beginn ist am Sonntag, 25. September, elf Uhr, mit einem Gottesdienst in der Missionshauskirche in St. Wendel. Anschließend ist gemeinsamer Marsch über eine Strecke von 13 Kilometern nach Leitersweiler und zurück. Im Missionshaus gibt es dann neben Projektinfos auch einen Eintopf.

"Alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen sind zum Mitgehen und Mitspenden eingeladen", heißt es im Aufruf der Organisatoren, zu denen neben dem Jochen-Rausch-Zentrum, die Aktion Hungermarsch, das Missionshaus der Steyler und das Arnold-Janssen-Gymnasium gehören. "Dadurch geben wir den armen Witwen ein schützendes Dach und den Schulkindern eine Chance auf gute Bildung. Jeder gespendete Euro kommt voll und ganz den Hilfsprojekten zugute." vf

Das Spendenkonto: Jochen-Rausch-Zentrum-Hungermarsch, Kreissparkasse St. Wendel, Bankleitzahl: 59 25 10 20, Kontonummer: 8 46 16.