Schon die Kleinsten fördern

Schon die Kleinsten fördern

Homburg. Kinder so früh wie möglich zu fördern, das ist derzeit eines der großen gesellschaftlichen Themen. Verschiedene Programme sollen dabei helfen, dass Kinder gut in die Schule starten und letztlich später im Berufsleben bestehen können

Homburg. Kinder so früh wie möglich zu fördern, das ist derzeit eines der großen gesellschaftlichen Themen. Verschiedene Programme sollen dabei helfen, dass Kinder gut in die Schule starten und letztlich später im Berufsleben bestehen können. Dazu gehört auch das Präventionsprojekt "Kinder, Bildung, Sprache und Sozialisation", kurz Kibiss, das an fünf Homburger Kindertagesstätten läuft, als Modell noch bis Ende 2012. Was das bedeutet, davon berichten der Leiter des des Kreis-Jugendamtes Klaus Ruffing und Mitarbeiter Hans-Josef Daubaris im Gespräch mit unserer Zeitung.Entstanden sei die Idee für Kibiss zum einen aus Überlegungen, wie Kindergärten sehr früh mit eingespannt werden könnten, um Bildungschancen zu verbessern, erläutert Ruffing. Immerhin gingen "die Kinder zu 94,5 Prozent ein Jahr lang in Kindergärten, die meisten sogar länger".

Dazu kam die Rückmeldung aus solchen Kindergärten in Homburg, in denen viele Kinder aus unterschiedlichen Nationen zusammenkommen, über die Schwierigkeit, sich mit den Eltern zu besprechen, einfach weil diese kein Deutsch verstehen. Es habe also einerseits die Notwendigkeit gegeben, die Kinder sprachlich zu fördern und sie generell so gut vorzubereiten, "dass beim Übergang in die Schule nicht gleich Startschwierigkeiten entstehen". Andererseits galt es, die Rückkopplung der Kitas mit den Eltern zu ermöglichen, so der Jugendamtsleiter.

Es war auch klar, dass dies nur gemeinsam zu stemmen war. Durch das Bündeln von Personalstellenanteilen bei verschiedenen Kita-Trägern konnten schließlich zwei Frauen eingestellt werden, angesiedelt bei der Aquis, der kreiseigenen Beschäftigungsgesellschaft. Um die 70 000 Euro kostet dies pro Jahr, informieren die beiden. Das Geld kommt vom Land, dem Saarpfalz-Kreis und der Stadt Homburg. Dazu wird in eine wissenschaftliche Begleitung des Ganzen bei der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken investiert.

Der offizielle Startschuss für Kibiss fiel bereits Ende 2009. Doch in Phase eins des Projekts ging es erst einmal um den Aufbau im Allgemeinen: die Qualifizierung der Mitarbeiter, Fortbildungen, das Erarbeiten von Konzepten und Ideen - und zwar gemeinsam mit den beteiligten Einrichtungen. Auch der Austausch untereinander wurde intensiviert. Vernetzung werde generell als wichtiges Element angesehen.

Seit Ende vergangenen Jahres gibt es nun die ersten Angebote für Eltern und Kinder. So sind zum Beispiel Sprachtreffs entstanden, in denen Eltern, besonders Mütter, Deutsch lernen und sich austauschen. Von einem "guten Erfolg", sprechen Ruffing und Daubaris. Auch deswegen, weil es wichtig sei, an die Eltern heranzukommen. "Sie spielen eine wichtige Rolle im Kindergarten- und Schulalltag." Viele kennen dieses jedoch aus ihrer Heimat ganz anders. So geht es zum Teil dann auch um so konkrete Dinge, wie das Interesse an Elternabenden zu wecken - zum Beispiel indem man diese mit einem internationalen Büfett verbindet, zu dem jeder etwas mitbringt.

Weiterer Baustein von Kibiss sind die Vorlesepaten, Ehrenamtliche, die in die Kitas kommen und Bücher vorlesen. Und weil zur Entwicklung auch Bewegung gehört, können die Kitas ein Set aus Brettern, Stangen und Kästen ausleihen, aus dem sich Kinder einen eigenen Parcours bauen können.

Bis Ende 2012 läuft Kibiss zunächst einmal, dann wird geschaut, ob damit auch etwas bewirkt wurde. Bei Erfolg könne er sich vorstellen, dass das Projekt in die Fläche ausgedehnt wird - denn derzeit ist Homburg kreisweit die einzige Stadt, in der Kibiss umgesetzt wird, sagt Ruffing. Im Moment sei offen, wie es weitergeht.

Hintergrund

Am Präventionsprojekt Kibiss sind in Homburg fünf Kindertagesstätten beteiligt: die katholische Kita Maria vom Frieden, das Awo-Kinderhaus Du Bonheur und die protestantische Bodelschwingh-Kita (alle in Erbach) sowie die katholische Kita St. Michael und die protestantische Einrichtung Arche Noah in Homburg-Mitte.

In Homburg werden zudem alle fünf Kitas - zusätzlich das Albert-Schweitzer-Kinderhaus - auch von der Bundesregierung gefördert im Projekt "Frühe Chancen", das bundesweit 4000 Einrichtungen zu Schwerpunkt-Kitas "Sprache & Integration" weiterentwickeln möchte - besonders solche,die auch Kinder unter drei Jahren besuchen. Hier sollen gerade Kinder mit einem hohen Sprachförderbedarf erreicht werden. Dahinter steckt die durch Studien belegte Erkenntnis, dass vor allem fehlende sprachliche Kompetenzen bei Kindern den weiteren Bildungsweg und damit den späteren Einstieg ins Erwerbsleben erheblich beeinträchtigen können, heißt es auf der entsprechenden Internetseite der Bundefamilienministeriums. Betroffen seien vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien und Familien mit Migrationshintergrund.

Weitere Infos zu "Frühe Chancen": www.frühechancen.de

Marion Kußler (links) und Anna Thies betreuen beim Saarpfalz-Kreis das Präventionsprojekt Kibiss. Foto: Udo Steigner.
Kommunikation geht zwar anfangs auch noch ohne Sprache, doch die ist grundlegend für schulischen und später auch beruflichen Erfolg. Das Pilotprojekt Kibiss soll in Homburg dabei helfen, Kinder möglichst früh zu fördern. Foto: dpa.
Marion Kußler (links) und Anna Thies betreuen beim Saarpfalz-Kreis das Präventionsprojekt Kibiss. Foto: Udo Steigner.

Für das Projekt Kibiss sind Marion Kußler und Anna Thies Ansprechpartnerinnen, Telefon (0 68 41) 1 04 81 82 oder 1 04 80 73, per E-Mail: kibiss@saarpfalz-kreis.de.ust

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