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Schöne Wohnungen statt Stau

Schöne Wohnungen statt Stau

Saarbrücken. Das mit rund 380 Millionen Euro veranschlagte Projekt "Stadtmitte am Fluss" rechnet sich für die Landeshauptstadt. Es wird dazu führen, dass auf der Stadtautobahn weniger Stau ist, die Autobahn sicherer wird und sich die Lebensqualität in der Innenstadt verbessert

Saarbrücken. Das mit rund 380 Millionen Euro veranschlagte Projekt "Stadtmitte am Fluss" rechnet sich für die Landeshauptstadt. Es wird dazu führen, dass auf der Stadtautobahn weniger Stau ist, die Autobahn sicherer wird und sich die Lebensqualität in der Innenstadt verbessert. Der "volkswirtschaftliche Nutzen" des Projektes belaufe sich auf etwa sieben Millionen Euro pro Jahr. Das hat Saarbrückens Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer am Dienstagabend dem Verkehrsverein vorgerechnet.

Rund 93 000 Autos befahren jeden Tag die Stadtautobahn. Damit ist sie die Straße mit der größten Belastung in der Region, sagt Wandel-Hoefer. Und die Stadtquartiere entlang der Autobahn seien die mit der höchsten Lärmbelastung. Wenn nicht planerisch eingegriffen wird, verschärfe sich diese Situation. Trotz des Bevölkerungsrückgangs werde der Verkehr, insbesondere der Schwerlastverkehr nach Berechnungen des Bundes in Saarbrücken um etwa elf Prozent zunehmen.

Durch das Projekt "Stadtmitte am Fluss" werde der Verkehr nicht verringert, er werde aber besser verteilt, sagt Wandel-Hoefer. Ein großer Teil soll durch einen Tunnel zwischen Bismarck- und Luisenbrücke geleitet werden. Etwa 17 000 Autos werden über den so genannten Boulevard, der vierspurig über die Franz-Josef-Röder-Straße am Landtag und der Schlossmauer vorbeiführt.

Ein Teil wird auf das bestehende städtische Verkehrsnetz verlagert. Um sicherzustellen und dem Bundesverkehrsministerium nachzuweisen, dass das Straßennetz das auch aushält, hat der Stadtrat Ende Mai ein Verkehrsgutachten beschlossen. Das soll die Verkehrsdaten, die zuletzt Anfang der 90er Jahre erfasst worden sind, auf den neuesten Stand bringen (die SZ berichtete).

Wandel-Hoefer nannte am Dienstagabend aber bereits Straßen, die mehr beziehungsweise weniger Verkehr abbekommen. Die Dudweiler- und die untere Großherzog-Friedrich-Straße sowie die Wilhelm-Heinrich-Brücke werden mit rund 5000 Autos pro weniger belastet. Das sind 20 Prozent weniger Verkehr, erklärt Wandel-Hoefer. Die Mainzer Straße, die Arndstraße und der obere Teil der Großherzog-Friedrich-Straße müssen mit 1000 bis 2000 Fahrzeugen mehr pro Tag, also einer Mehrbelastung von zehn bis 20 Prozent rechnen. Die Paul-Marien-Straße zwischen Bismarckbrücke und Großherzog-Friedrich-Straße wird mit 2500 bis 4000 Autos pro Tag mehr belastet.

Weil die Stadt durch "relativ harmlose Eingriffe ins Straßennetz" unter anderem die Knotenpunkte stärken will, wie Wandel-Hoefer sagt, werde der Verkehr gut zu bewältigen sein.

Vor allem an der Bismarck- und an der Wilhelm-Heinrich-Brücke werde so Freiraum entstehen, den die Stadt unter anderem nutzen wolle, um mit privaten Investoren moderne Wohnungen direkt am Fluss entstehen zu lassen. Außerdem werde durch den Umbau der Hochwasserschutz verbessert.

Alleine dadurch entstehe ein volkswirtschaftlicher Nutzen von jährlich 1,3 Millionen Euro. Durch weniger Staus entstehe ein Nutzen von 2,6 Millionen Euro, weniger Unfälle sind mit 1,8 Millionen berechnet. "Eine positive Entwicklung" zeige dieser Sachstand auf, bescheinigte der Vorsitzende des Verkehrsvereins, Walter Poggenpohl, der Baudezernentin.

Auf einen Blick

Der aktuelle Zeitplan für das Projekt "Stadtmitte am Fluss":

In diesem Jahr soll unter anderem mit Rohbauarbeiten in der Ufergasse/Am Steg und die Befestigung der harten Uferkante an der Berliner Promenade begonnen werden. 2010 soll das neue Verkehrsmodell vorliegen. Auf der Promenade soll zwischen Wilhelm-Heinrich-Brücke und Ufergasse gebaut werden. 2011 soll zwischen der Sulzbacheinmündung und der Luisenbrücke weitergebaut werden. 2012-2015 soll es die Großbaustelle unter anderm für Tunnel, Boulevard, Brücken, Plätze, Tiefgarage und Wohnungsbau geben. 2016 sollen die neuen Grünanlagen geschaffen werden. ols