1. Saarland

Schlemmen ganz in Weiß

Schlemmen ganz in Weiß

Saarbrücken. Plötzlich sind sie da: Frauen in flatternden Sommerkleidern, manche mit großen Hüten, andere mit Blumen im Haar. Alle Damen sind weiß gekleidet. Sie wieseln über den Ludwigsplatz in Saarbrücken. Dazwischen setzen Männer dunkle Akzente mit schwarzen Hosen oder Hemden. Die meisten Herren hüllen sich aber auch in Weiß. Unter ihren Armen klemmen Klapptische und -stühle

Saarbrücken. Plötzlich sind sie da: Frauen in flatternden Sommerkleidern, manche mit großen Hüten, andere mit Blumen im Haar. Alle Damen sind weiß gekleidet. Sie wieseln über den Ludwigsplatz in Saarbrücken. Dazwischen setzen Männer dunkle Akzente mit schwarzen Hosen oder Hemden. Die meisten Herren hüllen sich aber auch in Weiß. Unter ihren Armen klemmen Klapptische und -stühle. In Händen halten sie große Körbe. Das erstaunliche Bild bietet sich Besuchern um 19 Uhr auf dem malerischen Ludwigsplatz. Das "Dîner en blanc" startet zum zweiten Mal am Samstagabend in Saarbrücken. Kurz vor 20 Uhr ist die Szenerie perfekt: lange Tafeln mit weißen Stofftischdecken, edlen Weingläsern, eleganten Kerzenständern. Und 270 freudig erregte Menschen an ihren Plätzen.Dann wedelt Initiatorin Pascale Jahns-Petit mit ihrer weißen Serviette. 270 Hände lassen Servietten über den Köpfen kreisen. Korken knallen als Startschuss für einen "Flashmob", einen Menschenauflauf der besondern Art. Hier wird nicht getanzt, sondern getafelt. In den nächsten drei Stunden heißt es: zusammen essen, trinken, feiern, singen. Jeder hat ein Drei-Gang-Menü, Getränke und Wunderkerzen dabei.

Das heimlich verabredete Dîner in Weiß stammt aus Paris, wo es das schon seit Ende der 80er-Jahre gibt. 2010 hat das weiße Dîner in Berlin, Hamburg und Stuttgart - und Saarbrücken - Einzug gehalten. Voriges Jahr feierten etwa 200 Menschen vorm Staatstheater. Dieses Jahr sind noch mehr da, aber darum geht es den Initiatorinnen Jahns-Petit und Elisabeth Stolpe nicht. Sie wollen keine vieltausenköpfige, jeden Rahmen sprengende Facebook-Party. Deswegen geben sie den Ort erst morgens um 9 Uhr im Internet preis. "Vor zwei Monaten luden wir unsere Freunde ein. Diese konnten dann ihre Freunde einladen", erklärt Jahns-Petit, "wir wollen es privat halten und ein stilvolles Fest feiern." Und daran halten sich die Gäste. Ein-, zweimal sagt Jahns-Petit sanft mahnend: "Kein Plastik auf den Tischen." Dann wandern Kunststoffschalen schnell in die Körbe. Die Französin lebt seit den 1980er-Jahren in Saarbrücken. "Manchmal", sagt sie, "fehlt der Stadt einfach Leichtigkeit, Schönheit und, wenn Sie so wollen, Glamour. Wir haben die Idee, dass die Bewohner ihre Stadt in die Hand nehmen. Hiermit setzen wir unser kleines Zeichen." Punkt 23 Uhr ist der weiße Zauber vorbei, sind Tische, Stühle, Körbe und Müllsäcke in Autos verstaut. Und die Weißgekleideten Menschen entschwinden in die dunkle Nacht. ceg