1. Saarland

Scheue Wildkatzen vor der Kameralinse

Scheue Wildkatzen vor der Kameralinse

Lange Zeit spekulierte man über die Existenz von Wildkatzen auf dem Lisdorfer Berg. Jetzt hat der Tier- und Naturschützer Wolfgang Lehnen Gewissheit gebracht. Mit Wildkameras filmte er die scheuen Tiere. Auch Jungtiere sind dabei.

Sie liebt große zusammenhängende Waldgebiete und ist deshalb bei uns rar geworden: die Wildkatze. Nachdem sie im Hunsrück und im Warndt schon zuhause ist, hat der Waldpädagoge Wolfgang Lehnen sie nun auch im Wald auf dem Lisdorfer Berg entdeckt.

Als im vergangenen Jahr im Differter Wildpark eine junge Katze in eine Kastenfalle ging, jubelten die Tierschützer. Damals freuten sie sich zu früh. Es war zwar eine wilde Katze, aber keine Wildkatze. Jetzt hat Wolfgang Lehnen Wildkatzen im Wald auf dem Lisdorfer Berg nachgewiesen.

Hunderte Arbeitsstunden

Kinder und Schüler kennen den engagierten Waldpädagogen als "Wald-Wolli". Wolfgang Lehnen aus Saarlouis ist aber auch Jäger und engagierter Tier- und Naturschützer. Der Saarlouiser staunte nicht schlecht, als er beim Spaziergang mit seiner zweijährigen Dackeldame Amelie über die Fährte des scheuen Räubers "stolperte". Erste Versuche, mittels geliehener Wildkameras die Existenz der Wildkatze nachzuweisen, schlugen fehl.

Als die Kamera einfach auf nichts ansprach, kaufte er über seine eigens ins Leben gerufene Interessenvertretung für nachhaltige Natur- und Umwelterziehung (Innu), den Bundesverband für Jagd- und Naturschutz, Wald-, Umwelt- und Naturpädagogik, eigene Wildkameras anderer Bauart. Und siehe da: Lehnen hatte Erfolg, nachdem er zwischen Sandgrube Hektor und Industriepark Lisdorfer Berg Lockpfosten mit speziellen Duftstoffen auf Baldrianbasis ausgebracht hatte.

Hunderte von Arbeitsstunden leistete Lehnen, aber dann klappte das Monitoring. Bisher sind über die Bilder der Wildkameras eine Wildkatze und ein Kuder bestätigt. Auch über genanalytisch untersuchte Haarproben ist die Existenz der Wildkatze auf dem Lisdorfer Berg inzwischen nachgewiesen. Auch Jungtiere wurden gesichtet, wie per Meldebogen zu erfahren war.

Absolut ungefährlich

Wolfgang Lehnen hofft bei seiner Arbeit auch auf die Unterstützung der heimischen Tierfreunde. Wer eine Wildkatze sehen sollte - das Kennzeichen ist der geringelte schwarz-graue Schwanz - sollte dies per Meldebogen kundtun. Er kann im Internet (www.innu-ev.de) heruntergeladen werden.

Sein Engagement für die Wildkatze stieß beim Sandabbauer Hector auf offene Ohren. Vonseiten der Verantwortlichen wurde ein naturverträglicher Abbau zugesichert, der von der Innu begleitet werden soll. Zwischen der Naturschutz-Organisation und der Firma Hector wurde eine längerfristige Kooperation vereinbart, die eine Lenkung und Abbausteuerung zugunsten der Wildkatze sowie eine Biotop-Vernetzung zum Ziel hat.

Wildkatzen sind übrigens nicht nur ausgesprochen scheu, sondern auch absolut ungefährlich. Sie leben im Wesentlichen von Mäusen und Ratten.