Schäkern in Saarwellingen

Saarwellingen. Wer sich gestern als Mann traute, den Schäkereien einer Grees zu widerstehen, musste damit rechnen, mit der Plätsch bestraft zu werden. Plätsch steht für Fächer und gehört zur Ausstattung einer echten "Wellinger Grees". Der Saarwellinger Greesentag an Fetten Donnerstag wird in der Gemeinde als Nationalfeiertag gesehen

Saarwellingen. Wer sich gestern als Mann traute, den Schäkereien einer Grees zu widerstehen, musste damit rechnen, mit der Plätsch bestraft zu werden. Plätsch steht für Fächer und gehört zur Ausstattung einer echten "Wellinger Grees". Der Saarwellinger Greesentag an Fetten Donnerstag wird in der Gemeinde als Nationalfeiertag gesehen. Da steht das närrische Volk Kopp, von morgens an bis in die frühen Morgenstunden hinein.

"Eine Grees zu sinn, iss ganz etwas Besonderes", erklärte Helena. Ihren richtigen Namen wollte sie nicht verraten, das Gesicht war hinter einer "Venezianischen Maske nach Wellinger Art" versteckt. Dicke Pausbacken, Nase und Mund aus Plastik lassen zunächst nicht erahnen, wer sich dahinter verbirgt. Die Maske ist allerdings kein Muss, wie die Greesen aus der "Liliengass in Wellingen" bewiesen. Sie trieben ganz ungeniert ihr Unwesen - auch auf die Gefahr hin, erkannt zu werden. Schabernack und Flirten standen dabei ganz oben auf ihrer Agenda. Und wehe, jemand versuchte sich ihrem Charme zu entziehen. . . .

Egal, ob mit oder ohne Maske, nur wer einen Kapotthut, einen knöchellangen Rock mit Unterkleid, eine Tal mit Schmisettchen (Bluse mit Rüschen) und ein Schneptuch - ein Schultertuch - trug, durfte sich Grees nennen. Und gleich einige Hundert Greesen mischten sich gestern Morgen unter das närrische Volk in Saarwellingen, um ihren großen Tag zu feiern. Los ging es mit einem bunten Umzug, der von den Kindern und Jugendlichen aus den Schulen, den Karnevalsvereinen der Gold-Blauen-Funken und den Rot-Weißen-Funken gestaltet wurde. In den Schulen lief unter der Woche ein Sambakurs-Projekt mit dem Engländer Felix Gibbons. 180 Schüler machten mit und ein Großteil davon sorgte gestern für mächtig Rambazamba auf dem Schlossplatz. Dort boten die Saarwellinger Karnevalsvereine ein kurzweiliges Bühnenprogramm, bevor sich die Greesen mit dem närrischen Volk verbündeten, um sich auf den großen Sturm am Abend vorzubereiten. Dabei ist ihnen nicht aufgefallen, dass sich das Gemeindeoberhaupt unter die Menge mischte, um herauszufinden, welchen Schlachtplan die Karnevalisten für seine Entmachtung ausheckten. "Ich bin mit meiner Truppe auf alles vorbereitet, dieses Jahr wird es ihnen nicht gelingen, meinen Regierungssitz zu stürmen", sagte Michael Philippi und zeigte sich siegessicher. Allerdings musste er sich am Abend eines Besseren belehren lassen: Entmachtet bis Aschermittwoch!

Hintergrund

An den Faschingstagen werden saarlandweit rund 1000 Helfer des Deutschen Roten Kreuzes im Einsatz sein. Nach Angaben des DRK sind alle 251 Ortsvereine im Saarland beteiligt. Die Helfer betreuen mit Feuerwehr und THW Faschingsveranstaltungen, Bälle, Kappensitzungen und Umzüge. red

Hintergrund

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