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Alltagshilfen
Mit moderner Technik länger zu Hause leben

Professor Wolfgang Langguth führte die Funktion von elektronischen Hilfen in der Küche vor.
Professor Wolfgang Langguth führte die Funktion von elektronischen Hilfen in der Küche vor. FOTO: Hans Georg Schneider
Saarbrücken/Kreis Saarlouis. Mitarbeiter der Katholischen Erwachsenenbildung haben Assistenz-Lösungen kennengelernt, die den Alltag erleichtern. red

Das Spülbecken in der Küche lässt sich auf verschiedene Arbeitshöhen einstellen, ebenso wie der benachbarte Herd. Über dem Herd wacht ein Sensor, damit hier nichts in Brand gerät. Am Küchenfenster klettert ein Putzroboter und sorgt für klare Sicht. Sein Kollege hat den Fußboden schon gesaugt. Sturzsensoren im Bad bemerken einen Unfall und benachrichtigen Angehörige und Notarzt.


Was Professor Wolfgang Langguth in einer Saarbrücker Musterwohnung vorführt, ist heute schon verfügbare technische Einrichtung, die das Leben der Bewohner einfacher macht. Auch Menschen mit Behinderung oder ältere Menschen könnten so länger selbstständig und länger gut zu Hause leben, sagt Langguth. Er ist Initiator und Vorstandssitzender des AAL-Netzwerks Saar; AAL steht für „alltagsunterstützende Assistenz-Lösungen“.

Zum Deutschen Weiterbildungstag waren Mitarbeiter der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) auch aus unserem Landkreis zu Gast in der AAL-Musterwohnung in der Saarbrücker Hohenzollernstraße. Es geht darum, die Alltagsunterstützung vor Ort kennen zu lernen, die Langguth als wichtigen Baustein für eine gute Zukunft gerade älterer Menschen vorstellt. Intelligent vernetzte Technik soll Menschen helfen, „gut zu leben und dabei anderen Menschen nah zu sein“. Das mache diese Technik zu „warmer Technik“, sagt Langguth.



Technik muss seine Überzeugung nach konsequent vom Menschen aus entwickelt werden. Sicherheit, Datensicherheit und intuitive Bedienbarkeit müssten am Anfang von Entwicklungen stehen. „Wir müssen gemeinsam lernen, wie’s geht“, sagt er. Dieser Lernprozess könne nur interdisziplinär gelingen. Sozialarbeiter, Pflegekräfte, Psychologen, Ethiker und Mediziner seien ebenso gefragt wie Ingenieure, Elektriker, Physiker, Informatiker, Bauhandwerker und Wirtschaftswissenschaftler.

Um alltagstaugliche Lösungen zu entwickeln, sollen im Saarland zunächst weitere Musterwohnungen entstehen, die dann auch bewohnt werden sollen. Dabei müssten diese Musterwohnungen aussehen „wie normale, gemütliche Wohnungen und nicht wie Forschungslabore“. Schließlich seien „Menschen keine Versuchskaninchen“.

Bis zur flächendeckenden Nutzung der bereits vorhandenen technischen Möglichkeiten sieht Langguth noch viel Arbeit. Aber die sei nötig, wolle man die Herausforderungen unserer alternden Gesellschaft meistern. Noch sei es für eine Privatperson allein zu teuer, das Zuhause umfassend mit Assistenz-Lösungen auszustatten. Dank Assistenz-Lösungen könne man als Gesellschaft allerdings letztlich auch Geld sparen, indem Kosten stationärer Unterbringungen oder Behandlungskosten nach Unfällen reduziert würden. Bis dahin sei aber noch eine Menge Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit nötig, weiß der AAL-Netzwerker.

Bei der Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit helfen könnte auch die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im Saarland. „Sensibilität erzeugen, Angst vor Technik reduzieren und verschiedene Formen des Lebens im Alter vorstellen“: Ralf Dewald von der KEB-Saar sieht für künftige Programme viele Möglichkeiten. Schulungen für Nutzer, Angehörige oder Pflegekräfte sind für Stefanie Oberbillig von der KEB Dillingen eine weitere mögliche Aufgabe.

Weitere Informationen zur Arbeit des AAL-Netzwerks Saar im Internet unter www.aal-in.de.