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"Weihnachten ist eine magische Zeit"

Adventsserie : Ein bisschen Bammel vor Knecht Ruprecht

Im SZ-Adventskalender schauen wir jeden Tag hinter eine Tür: Am 2. Dezember in der Kindertagesstätte Metzer Wiesen.

Kindermund tut Wahrheit kund: „Weihnachten ist die schönste Zeit des Jahres – ich hab’ nur Angst, dass Knecht Ruprecht mich in den Sack steckt“, sagt die fünfjährige Leonie beim Besuch der Saarbrücker Zeitung in der Kindertagesstätte Metzer Wiesen in Saarlouis. Wir treffen Kitaleiterin Vera Burger in ihrem Büro. Auf die Frage, was sich die Kita zur Weihnachtszeit so alles einfallen lässt, stockt sie zunächst, lässt die Augen durch den Raum schweifen und seufzt: „Oje, wo soll ich denn da anfangen? Wir sind im Dezember ziemlich auf Achse und immer unter Strom“, erinnert sie sich an die vergangenen Jahre.

Dann beginnt sie zu berichten: „Also zunächst machen wir natürlich traditionell einen Adventskalender – jedes Kind darf dazu ein Türchen öffnen.“ Burger lässt die Kinder losen, wer wann an der Reihe ist, die meisten sind aber ziemlich enttäuscht, wenn sie lange warten müssen: „Kinder sind eben ungeduldig – wenn sie an der Reihe waren sind sie aber am nächsten Tag auch unglücklich, weil sie nicht mehr im Topf sind“, sagt die Kitaleiterin schmunzelnd.

Burger und ihr Team versuchen, die Adventszeit mit den Kindern so besinnlich wie möglich zu gestalten, sie lernen in der Zeit aber auch das Teilen und dass man manchmal auch Geduld haben muss.

Ein weiterer Höhepunkt der Weihnachtszeit kommt gleich zu Beginn mit dem Besuch des Nikolauses. Darüber freut sich allerdings nicht jedes Kind, einige hätten doch zu viel Angst vor dem fremden alten Mann und versteckten sich bei den Erzieherinnen: „Früher hatten wir den Nikolaus auch in den Krippengruppen – da gab es dann aber zu viele verängstigte Kinder, für die kommt der Nikolaus jetzt über Nacht und bringt die Päckchen“, plaudert Burger aus dem Nähkästchen.

Weitere Aktionen in der Kita sind das alljährliche und sehr beliebte Plätzchenbacken, bei dem die Kinder sogar den Teig selbst zubereiten dürfen – und das gemeinsame Schmücken des Weihnachtsbaumes: „Die Kinder stellen sich dabei wirklich sehr geschickt an, sie sind handwerklich sehr begabt und haben immer großen Spaß dabei.“

Wenn das Wetter mitspielt, besucht die ganze Truppe manchmal auch den Weihnachtsmarkt, sagt Burger – das ist aber eher die Ausnahme. Ansonsten basteln die Kinder kleine Geschenke für ihre Familien, stellen selbst dekorative Weihnachtskerzen und Schmuck her und spielen Weihnachtsgeschichten nach: „Natürlich singen wir auch immer viele Lieder, darunter vor allem die Klassiker wie ,Morgen kommt der Weihnachtsmann’ oder ‚In der Weihnachtsbäckerei’.“

Auch für Burger ist die Weihnachtszeit in einer Kita etwas ganz Besonderes, auch wenn es häufig drunter und drüber geht: „Man erlebt die Freude und die Anspannung vor Weihnachten viel intensiver. Mit den Kindern kommt man automatisch in die richtige Stimmung – das gibt mir so viel.“ Die Kitaleiterin selbst begeht das Weihnachtsfest übrigens meist sehr traditionell im engsten Familienkreis – außer in diesem Jahr: „Meine Tochter ist als Au-pair in der Nähe von New York, da fliegen wir hin – mein Mann will unbedingt mal den großen Weihnachtsbaum am Rockefeller-Center sehen.“

Auch die Kinder haben genaue Vorstellungen und konkrete Wünsche für das Weihnachtsfest. Der kleine Sebastian (5) freut sich schon auf den Heiligen Abend, wenn er darauf wartet, dass die Glocken geläutet werden und das Wohnzimmer aufgeschlossen wird: „Ich liebe Weihnachten, ich hoffe, es gibt dieses Jahr nochmal Schnee, damit ich Schlitten fahren kann.“ Gefeiert wird mit der gesamten Familie. Und da er nach eigenen Angaben dieses Jahr sehr brav war, glaubt er, dass das Christkind ihm seine Wünsche erfüllt und ihm das Lego-Spielzeug vorbeibringen wird.

Auch Leonie (5) aus Saarlouis findet, dass Weihnachten die schönste Zeit des Jahres ist, auch wenn sie so langsam etwas aufgeregt ist, da sie Angst vor Knecht Ruprecht hat: „Ich habe Angst, dass er mich in seinen Sack packt – aber eigentlich war ich sehr brav, dann dürfte mir ja nichts passieren.“

Leonie weiß noch nicht, was sie sich wünschen soll, sie schneidet aber immer Bilder aus Katalogen aus und hängt sie auf den Balkon: „Meistens holt die das Christkind auch ab und ich bekomme mein Geschenk gebracht“, erinnert sie sich. Besondere Vorfreude verspürt sie auch, endlich wieder einen schönen Baum kaufen zu gehen und Weihnachtsplätzchen zu backen: „Dann esse ich bestimmt wieder viel zu viel.“ Gefeiert wird bei Leonie mit der ganzen Familie, sogar ihre Tante aus Berlin kommt jedes Jahr zu Besuch.