1. Saarland
  2. Saarlouis

Was machen Schoolworker und die Schulsozialarbeit in Corona-Zeiten?

Kostenpflichtiger Inhalt: Schoolworker in der Corona-Krise : Beratungsspaziergänge sind auch was für die Zukunft

Keine Schule, keine Schulsozialarbeit? Davon kann keine Rede sein. Es gibt Bedarf – und auch gute neue Erfahrungen.

Sie beraten, vermitteln zwischen Erziehenden und Schülern oder hören einfach nur zu: Schulsozialarbeiter versuchen Jugendlichen bei ihren Problemen zu helfen. Doch seit vier Wochen sind die Schulen geschlossen, der persönliche Kontakt zwischen Schülern und Schoolworkern fehlt. Kommt deswegen ihre Arbeit zum Erliegen?

Die Frage beschäftigte die Jugendhilfe im Landkreis Saarlouis. „Zuerst haben wir auch gedacht: Was ist denn jetzt mit den Schoolworkern?“, erzählt Susanne Betzholz von der Koordinationsstelle Jugendhilfe und Schule. Sie betreut das Aktionsprogramm Jugendhilfe-Schule-Beruf, das sich an benachteiligte Jugendliche richtet, und hat engen Kontakt zu den Schulsozialarbeitern. Zwar sei der Alltag der Schoolworker aktuell ruhiger, weil Präsenz und präventive Projektarbeit an den Schulen wegfällt. Schnell habe sich aber gezeigt, „dass die Schoolworker eng im Kontakt mit ihren jeweiligen Schulen, Schülern und Lehrkräften sind. Zu vielen hatten wir schon vor der Corona-Krise einen Kontakt. Diese Schüler können jetzt proaktiv angesprochen werden. Das ist jetzt der große Vorteil“, weiß Betzholz.

So tauschen sich die Schulsozialarbeiter per Mail, Telefon oder Skype mit den Jugendlichen aus und sprechen sie auf alte Probleme an, wie die Situation in der Familie oder Mobbing. Aber auch auf neue Konflikte reagieren sie: „Zum Beispiel, ob das Home-Schooling funktioniert, und ob sie mit der Lernplattform zurechtkommen. Oder Schüler berichten von ihren Ängsten wegen Corona. Das ist ganz neu, das hatten wir vorher nicht“, berichtet Betzholz. Auch hier hören die Schoolworker zu, „sie sind für viele eine Vertrauensperson“, die die Schüler motivieren.

Trotz geschlossener Schulen vermutet Susanne Betzholz, dass die Häufigkeit des Beistands nicht geringer sei, denn auch die Lehrer engagieren sich, hören sich um oder geben mit den Schulsozialarbeitern Umsetzungshilfe. Denn gerade benachteiligte Jugendliche erfahren bisweilen wenig familiäre Unterstützung. „Nicht jeder kommt mit dem Home-Schooling oder der Lernplattform gut zurecht“, sagt Betzholz. „Ich weiß nicht, ob wir letztendlich alle erreichen“, sagt sie, denn es könne nur da geholfen werden, wo die Schulsozialarbeiter auch davon wissen.

Insgesamt 37 Fachkräfte der schulischen Sozialarbeit kümmern sich an Grund-, weiterführenden und beruflichen Schulen im Landkreis Saarlouis um die Schüler. Für sie sind sie weiterhin erreichbar und gehen neue Wege. Neben der Nutzung von technischen Mitteln wie Mail, Telefon und WhatsApp bieten sie Beratungsspaziergänge an. „Wenn eine persönliche Beratung vom Schoolworker als sinnvoll erachtet wird, gehen beide in einem gebührenden Abstand zusammen spazieren. So was gab es noch nie und das sollten wir unbedingt beibehalten“, sagt Betzholz. „Die Schulsozialarbeiter sind da unheimlich flexibel, engagiert und leisten eine tolle Arbeit.“

Weniger Arbeit hat auch Susanne Betzholz nicht. Anders als viele andere ist sie nicht im Home-Office und geht täglich noch ins Büro. Als Koordinatorin des Aktionsprogramms kontrolliert sie dessen Umsetzung. „Meine Aufgabe ist die Vernetzung der Jugendhilfsangebote mit den Schulen im Landkreis Saarlouis“, sagt Betzholz. Zusammen mit acht Trägern steht sie Jugendlichen bei Fragen rund um Problemen in der Schule und zu Hause, bei Wohnungslosigkeit, Mobbing und Rassismus sowie bei Bewerbung zur Seite. Die Anfragen bündelt sie und verteilt diese an die richtigen Ansprechpartner. Die flexible Anpassung an neue Jugendhilfe-Bedarfe, wie in der jetzigen Situation, „ist in Saarlouis durch die langjährigen und bewährten Teamstrukturen der Angebote und ihre Einbindung in das Aktionsprogramm möglich“, sagt Betzholz, die seit 13 Jahren dieser Arbeit nachgeht.

Die macht ihr Spaß, weil die Mitarbeiter engagiert sind und weil die Arbeit sinnvoll und produktiv ist. „Es kommt immer den Kindern und Jugendlichen zugute und das ist das Schöne daran.“