| 20:21 Uhr

1000-Kilometer-Fahrt
Zum Atlantik und zurück: 1000 Radkilometer

Letzte Anweisungen gibt ARA-Organisator Stefan Langhabel (links am Rad) am Wallerfanger Campingplatz für die 1000-Kilometer-Strecke Wallerfangen-Dieppe und zurück.
Letzte Anweisungen gibt ARA-Organisator Stefan Langhabel (links am Rad) am Wallerfanger Campingplatz für die 1000-Kilometer-Strecke Wallerfangen-Dieppe und zurück. FOTO: Johannes A. Bodwing
Wallerfangen. 33 Radfahrer starteten am Samstag zu einer Tour von Wallerfangen nach Dieppe - Veranstalter war eine Radfahrer-Organisation.

1000 Kilometer in maximal 75 Stunden, und das auf dem Fahrrad. Die Schnellsten werden deutlich früher wieder am Wallerfanger Campingplatz erwartet. Dort startete am Samstagmorgen gegen acht Uhr ein Feld mit 33 Fahrern zur Langstreckentour Wallerfangen-Dieppe und zurück.


„Bis zum Meer werden wir Gegenwind haben“, schätzte Stefan Langhabel am Samstagmorgen gegen 8 Uhr die Lage ein. 33 Langstreckenfahrer, so genannte Randonneure, machten sich da bereit für eine 1000 Kilometer lange Tour von Wallerfangen nach Dieppe am Atlantik und zurück. Ihre durchschnittliche Geschwindigkeit variiert je nach Pausen zwischen etwa 15 bis 30 Kilometern pro Stunde.

„Die sind schon richtig gut dabei“, stellte Langhabel fest. Er ist der Organisator des Wallerfanger ARA-Stützpunktes. ARA steht für Audax Randonneurs Allemagne und ist ein Zusammenschluss deutscher Randonneure mit derzeit 15 Standorten in Deutschland. Langhabel organisiert mit seiner Partnerin Andrea Nicola die Brevets. Das sind Langstreckenfahrten über 200, 300, 400 und 600 Kilometer innerhalb vorgegebener Zeiten.



Die komplette Brevet-Serie in Wallerfangen wurde erstmals 2016 durchgeführt. Wer die absolviert, qualifiziert sich für das Radfahrer-Ereignis schlechthin - das erstmals 1931 ausgetragene und alle vier Jahre stattfindende Paris-Brest-Paris über 1200 Kilometer. „Nach 350 Kilometern falle ich in ein Loch rein, da muss ich dann wieder rauskommen.“ Das sagte ganz entspannt Thomas Möthe aus Hagen am frühen Morgen.

Er und Werner Weisbecker aus Frankfurt haben hier übernachtet, um nicht direkt nach der Ankunft aufs Rad zu steigen. „Die Temperaturen sind gut“, meinte Weisbecker. „So 15 bis 20 Grad.“ Die Anforderung der Strecke sei „schon ordentlich“, dazu gehöre auch die Phase „wenn die Füße weh tun und der Hintern brennt“.

Jeder Fahrer hat seine eigene Strategie. Einige berichteten von bereits gebuchten Hotelzimmern. So wie Jos Versdegen aus den Niederlanden. „Nach 650 Kilometer schlafe ich sechs bis sieben Stunden im Hotel.“ Andere sind mit Zelt und Schlafsack ausgerüstet. Wenn die Müdigkeit zu groß werde, mache es auch der Straßenrand oder eine Bushaltestelle.

Unter den 33 Fahrern sind Teilnehmer aus Dresden und Berlin, Österreich und Holland. Sie verbrauchen dabei am Tag etwa 10 000 Kalorien. „Das muss wieder rein“, sagte einer der Langstreckenradler. Dafür hätten etliche flüssige Nahrung dabei. „Ein halber Liter ist eine Mahlzeit.“ Weisbecker wies auf seine rote Tasche am Gepäckträger. „Ich habe mir heute morgen ein Kilo Roggenbrot gekauft, das ist jetzt geschnitten und belegt da drin.“

Die über 1000 Kilometer gibt es außer bei ARA-Wallerfangen nur noch an zwei Standorten in ganz Deutschland. Die jetzige Strecke haben Langhabel und Nicola mühsam zusammengestellt.

„Das ist gar nicht so einfach, es auf den Kilometer genau hin zu bekommen“, erklärte Nicola. Deshalb sei der Kontrollpunkt für 1000 Kilometer im französischen Metzervisse südöstlich von Thioville. Ursprünglich war eine Strecke durch Belgien und dann ans Meer geplant. „Aber da ist zu viel Kopfsteinpflaster“, sagte Nicola. „Wenn die Müdigkeit dazu kommt, ist das zu gefährlich.“

„Ich liebe die Normandie“, schwärmte Klaus Seifert, ARA-Organisator aus Hamburg. Die führt im September eine Jubiläumsfahrt zum 25. Bestehen von ARA durch. Bei der 1200 Kilometer langen Strecke Paris-Hamburg wird Wallerfangen einer der Kontrollpunkte sein.