Zukunft des Dorfladens Gisingen ist unklar

Zukunft des Dorfladens : Zank um Nahversorgung im Saargau

Zukunft des Dorfladens Gisingen ist noch unklar – Missglücktes Projekt „Bringwäänchen“ soll im März neu starten

Der Saargau-Dorfladen Gisingen steht vor der Schließung – so berichtete die SZ im Mai, und so ist nach wie vor der Stand der Dinge, bestätigt die Inhaberin Kerstin Hector. Zwar gab es, als bekannt wurde, dass sie den Laden – eine der wenigen Möglichkeiten der Nahversorgung auf dem Saargau und beliebter Treffpunkt im Ort –  2020 aus finanziellen Gründen aufgeben muss, etliche „Beileidsbekundungen“, wie sie sagt – aber weder sei der Umsatz seitdem deutlich gestiegen noch hätten sich neue Möglichkeiten ergeben, den Laden zu halten.

Nur einen Hoffnungsschimmer: Umweltminister Reinhold Jost hat kürzlich den Laden besucht und mit Hector Möglichkeiten besprochen, wie man das Projekt doch erhalten und fördern könnte. Diese werden derzeit im Ministerium geprüft, teilt dessen Pressesprecherin mit; es habe „mehrere konstruktive Gespräche“ gegeben, dabei wurden „ergebnisoffen verschiedene Entwicklungsperspektiven diskutiert“. Über Fördergelder kann aber erst entschieden werden, „wenn die Akteure sich einig sind, wie die zukünftige Ausrichtung und der Betrieb des Dorfladens aussehen könnten“, und auch, wer Antragsteller ist, etwa ein Trägerverein oder eine Genossenschaft.

Mit dem Förderverein „Bewahren und Erneuern“ Gisingen, der ursprünglich die Nahversorgung auf dem Saargau, inklusive Dorfladen und dem Lieferservice „Bringwäänchen“, als LEADER-Projekt beantragt hat, bestehe noch Klärungsbedarf, teilt das Ministerium mit, deshalb sei „mit einer Entscheidung im Frühjahr zu rechnen“.

Doch die Klärung könnte schwierig werden: Denn zwischen dem Dorfladen und dem Förderverein gab es Differenzen, inzwischen sind die Fronten verhärtet, bestätigen sowohl Hector als auch Ulrike Heffinger, Vorsitzende des Vereins und Ortsvorsteherin. Das hat auch mit dem missglückten Start des „Bringwäänchens“ zu tun. Der Lieferservice, vor allem für ältere und nicht mobile Gaubewohner, vorrangig mit regionalen Produkten, sollte eigentlich im September 2017 starten. Bis heute ist das „Bringwäänchen“ jedoch nicht im Einsatz.

Denn geliefert wurde der umgebaute Wagen der Marke Piaggio erst mit einiger Verzögerung, nämlich im Januar 2019. Geschuldet dem schwierigen Umbau, sagt Heffinger, unter anderem mit Kühlung und Kaffeemaschine. Gekostet hat das Fahrzeug rund 35 000 Euro, davon flossen 75 Prozent als Zuschuss aus öffentlichen Mitteln über LEADER. Deshalb macht nun auch das Ministerium Druck, dass das „Bringwäänchen“ endlich wie geplant in die Gänge kommt. Denn mit der Unterstützung ist die Verpflichtung verbunden, den Service auch fünf Jahre lang anzubieten.

Bis der Wagen endlich bereitstand, fuhr Hector zwar schon Waren aus, zwei Mal die Woche, gut ein Jahr lang – aber mit ihrem Privatauto. Benzingeld oder eine andere Aufwandsentschädigung habe sie dafür nie bekommen, ärgert sie sich. Und schmiss dafür im März 2019 endgültig hin: „Das war personell und finanziell einfach nicht mehr machbar, zusätzlich zu der Zeit im Laden.“ Der Dorfladen habe Sachleistungen dafür erhalten, argumentiert hingegen Heffinger, etwa die Außenbestuhlung und eine Frische-Theke.

Einig wurden sich beide Seiten nicht, so dass es seit März keine Auslieferung mehr gibt; der Förderverein beantragte ein Jahr Pause, um das Projekt neu aufzustellen und kündigte Hector im November den Vertrag auf. Heffinger ist jedoch fest entschlossen, das „Bringwäänchen“ noch wie geplant fahren zu lassen: „Wir wollen im Januar noch eine Lösung finden und es wird ab März wieder fahren“, ist sie optimistisch. Den Fahrdienst wollen dann Vereinsmitglieder ehrenamtlich übernehmen.

Mechthild Krug, Vorsitzende des Freundeskreis "Gärten ohne Grenzen" (dritte von links) überreichte an Ulrike Heffinger den Spendenbescheid (vierte von links). (v.l.n.r.: Frank Wagner, Mitglied des Landtages, Marcus Hoffeld, Mechthild Krug, Ulrike Heffinger, Daniela Schlegel-Friedrich, Roland Krämer, Bernhard Schneider, 1. Beigeordneter der Gemeinde Mettlach und Stefan Krutten). Foto: Tina Leistenschneider. Foto: leis/Tina Leistenschneider
Der Saargau Dorfladen Gisingen eröffnete 2005. Foto: Johannes A. Bodwing

Die haben bereits Erfahrung, denn das Gefährt war immerhin im Sommer jeden Sonntag am Modellflugplatz Rammelfangen im Einsatz, um Wanderer auf dem Premiumweg „Der Gisinger“ zu versorgen. „Da war ein guter Zulauf, es ist eine richtig tolle Sache“, erzählt Heffinger. Auch der Regiomat, ein Verkaufsautomat mit regionalen Produkten in Gisingen, den der Verein betreibt, werde „super angenommen“, sagt sie. „Die Nahversorgung ist uns wichtig, wir wollen das auf jeden Fall fortführen.“