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Windkraftgegner
Widerstand gegen Windkraft formiert sich

Gut besucht war die Infoveranstaltung im Dorfgemeinschafthaus.
Gut besucht war die Infoveranstaltung im Dorfgemeinschafthaus. FOTO: Johannes A. Bodwing
Ittersdorf. Ortsvorsteher Heinz Rickert hatte zur Infoveranstaltung über die geplanten Windräder eingeladen – und viele Bürger waren gekommen. Von Johannes Bodwing

Windenergie verliert an Überzeugungskraft, wenn Menschen direkt betroffen sind: Von Schlagschatten, Infraschall und der Optik von über 200 Meter hohen Stahltürmen. In Ittersdorf begannen deshalb am Dienstagabend Vorbereitungen zur Gründung einer Bürgerinitiative. Mit rund 90 Personen war das Dorfgemeinschaftshaus nahezu voll besetzt.


Die Anwesenden informierte Jacob Fuhrmann von der Organisation Gegenwind-Saarland umfassend über Nachteile und Nebenwirkungen der Windkraft. Eingeladen hatte Ortsvorsteher Heinz Rickert. „Ich bin nicht generell gegen Windkraft“, betonte der, „aber wenn über 200 Meter hohe Windräder nur 1000 Meter vom Ort entfernt stehen, das geht nicht.“

Die von einem Investor beantragten Standorte wären beiderseits der L 351 zwischen Ittersdorf und Berus. Beide Windräder hätten einschließlich Rotoren eine Höhe von je 219 Metern. Zum Vergleich: Die Sendemasten in der Nähe kommen auf 234 Meter. Etwas weiter, beim französischen Berviller, stehen schon fünf etwa 90 Meter hohe Windräder. Der Denkmalschutz habe die beiden Standorte bereits abgelehnt, sagte Rickert. Denn in der Nähe steht die denkmalgeschützte Sende-Anlage „Europe 1“.



Rund eineinhalb Stunden unterfütterte Fuhrmann seine ablehnende Haltung gegenüber der Windenergie mit Informationen. Auf die Gefahren für die Vogelwelt ging Ulrich Leyhe ein. Das treffe nicht nur den Rotmilan, auch Waldkauz, Mäusebussard, Sperber und etliche andere Vögel. „Wir sind alle überrumpelt worden“, meinte Leyhe und betonte, dass er damit nicht unbedingt die Meinung seines Verbandes Nabu vertrete. Als Chance gegen die Windräder sah Leyhe die Bundeswehr. Die lehnt den geplanten Windpark ab, da er in einer kritischen Zone des Absetzplatzes Düren läge. Das bedeute ein Risiko für Fallschirmjäger aus Transall-Maschinen.

„Wenn ich abends im Garten sitze“, sagte Ortsratsmitglied Bernhard Weiler, „höre ich die französischen Windräder.“ Aber die seien nicht annähernd so hoch wie die geplanten und weiter weg. „Wir müssen jetzt in Ittersdorf Widerstand leisten! Das liegt jetzt an uns Bürgern“, sagte Weiler und erntete reichlich Applaus. „Wenn hier einmal zwei Windräder stehen, dann kommen auch mehr.“

Das Mikrofon für Fragen blieb ungenutzt, dafür füllten sich die Unterschriftenlisten. Das sei der Anfang, sagte Rickert. Zwar hätten Gemeinderat und Ortsrat den Bauantrag für die Windräder abgelehnt, aber damit sei die Sache nicht vom Tisch.

Denn „letzten Endes trifft das LUA die Entscheidung“, sagte Rickert. Deshalb wolle Ittersdorf nun den Druck erhöhen. „Zehn Leute gehen in den nächsten Tagen von Haus zu Haus klingeln.“ Auf Basis der abgegebenen Unterschriften soll dann in Ittersdorfer eine Bürgerinitiative entstehen.