Wallerfangen: Aktivisten entwenden Grabplatte von Franz von Papen

„Zentrum für politische Schönheit“ : Aktivisten entwenden Grabplatte von Franz von Papen

Die Aktivistengruppe „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) hat nach eigenen Angaben in Wallerfangen die Grabplatte des früheren Reichskanzlers Franz von Papen (1879-1969) entwendet.

„Franz von Papen ist auf dem Weg nach Berlin, um die historische Schuld des deutschen Konservatismus aufzuarbeiten“, teilten die Aktivisten am Dienstag auf Facebook und Twitter mit.

„Hitlers Ermächtiger, verantwortlich für Millionen von Toten in ganz Europa, Hauptangeklagter in Nürnberg, wurde so bestraft: vier Jahre Haft“, schreiben die Aktivisten. „Im Anschluss: Saus und Braus auf seinem Schloss, dann: Ehrengrab in Wallerfangen!“ Dieser Zustand sei nun beendet. Erst am Montag hatte das ZPS in der Nähe von Bundestag und Kanzleramt eine temporäre Gedenkstätte für NS-Opfer errichtet. Mit der Aktion unter dem Titel „Suchet nach uns!“ will die Gruppe vor einer Zusammenarbeit der Union mit der AfD warnen. In einer sogenannten „Widerstandssäule“ soll sich Asche von Holocaust-Opfern befinden.

„Vom religiösen Standpunkt her ist die Stele mit der Asche der jüdischen Holocaust-Opfer vor dem Berliner Reichstag pietät- und geschmacklos. Die Asche müsste man auf einem jüdischen Friedhof bestatten“, sagte der Vorsitzende der Synagogengemeinde Saar, Richard Bermann der SZ.

Auch zum Diebstahl des Gedenksteins für Franz von Papen sagte Bermann: „Tote soll man ruhen lassen.“ Das politische Anliegen des ZPS könne er jedoch gut nachvollziehen. „Die Gefahr des Zusammengehens von Konservativen mit den Rechtsradikalen besteht leider wieder in Deutschland, wie man jetzt auch in Thüringen beobachten konnte. Ich sehe das genauso wie das ZPS“, erklärte Bermann. Aus reinem Machtkalkül der Konservativen drohe eine Koalition mit der AfD.

So sieht seit Dienstag die Grabstätte der Familien von Papen auf dem Wallerfanger Friedhof aus. Foto: Johannes A. Bodwing/JOHANNES A BODWING

Der Historiker und frühere Diplomat Reiner Möckelmann hat eine große Biografie über Franz von Papen geschrieben. Auch er hat am Dienstag von der Aktion des Künstlerkollektivs „Zentrum für politische Schönheit“ gehört und gelesen. Motive für Aktionen wie „Zeichen setzen“ oder auch „den Anfängen wehren“, könne er im Grunde als Aussagen verstehen, sagte Möckelmann der SZ. Hier arbeite jedoch „eine fragwürdige Organisation mit fragwürdigen Methoden“. So habe das Zentrum mit einem Aufruf zum Hungerstreik im Iran „für das Spektakel“ auch schon mal die Gefährdung von Menschenleben in Kauf genommen.

„Offensichtlich ist es in unserer Zeit notwendig“, sagt der 78-Jährige, „bei ernsthaften Anliegen zu solchen unbedingt öffentlichkeitswirksamen Mitteln zu greifen.“ Wäre es nicht auch möglich gewesen, für die Aktion mit einer Kopie der Grabplatte zu arbeiten, statt eine Grabruhe zu stören?, fragt er. „Ich kann das persönlich nicht nachvollziehen.“

Was die historischen Vergleiche betrifft, die das Zentrum anstellt, sieht er durchaus Unterschiede zwischen dem Beginn der 1930er Jahre und heute. „Man muss aufpassen bei der AfD“, sagt der Historiker, aber insbesondere, was den Zustand der Demokratie betrifft, sagt er, „sehe ich die Parallele nicht“.

Auch der Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Erinnerungsarbeit im Saarland, der evangelische Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann, hat den Diebstahl des Grabsteins scharf kritisiert. „Das verletzt die Pietät der Familien von Papen und die Friedhofsruhe“, sagte Hofmann der SZ. Solche Aktionen würden von der LAG Erinnerungsarbeit abgelehnt. „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht“, sagte Hofmann. Dennoch sehe er ebenso wie der Chef der Synagogengemeinde Saar die Gefahr eines neuen Zusammengehens deutscher Konservativer mit den Rechtsradikalen.