Kostenpflichtiger Inhalt: Honigprämierung : Wahres El Dorado für die Bienen

Uwe und Irmgard Seiwert aus Gisingen haben bei der saarländischen Honigprämierung den dritten Platz errungen.

Bei Uwe und Irmgard Seiwert dreht sich alles um das flüssige Gold. Nein, gemeint sind keine Reichtümer oder etwa Öl, vielmehr ihr selbst produzierter Bienenhonig. Die zwei Imker aus Leidenschaft haben in diesem Jahr mit ihrem Sommerblütenhonig den dritten Platz bei der saarländischen Honigprämierung erringen können: „Ich bin schon etwas stolz auf unseren Honig, ich bin Imkerin aus Leidenschaft“, berichtet Irmgard Seiwert aus Gisingen, Vorsitzende des Imker-Kreisverbandes im Gespräch mit der SZ. Bereits im Jahr 2000 hat sie das Honigfieber erfasst, seitdem lässt sie das Hobby nicht mehr los: „Ich finde Bienen faszinierend, es macht einfach Spaß, ihnen bei der Arbeit zuzuschauen.“ Die Liebe zu den Tieren hat ihr Mann geweckt, der schon einige Zeit länger mit Bienen arbeitet: „Irgendwann habe ich mich gefragt, warum mein Mann immer so lange wegbleibt und da bin ich einfach mal mit zu den Bienen gegangen – ich war direkt infiziert“, erinnert sich Seiwert. Mit wenigen Völkern angefangen, beheimaten die beiden mittlerweile 24 Bienenvölker in ihrem Garten: „Bei bis zu 50 000 Bienen pro Volk ist da im Somnmer schon ganz schön was los.“ Zurzeit ist es aber eher ruhig um die Bienen, das Honigjahr ist zu Ende und die Völker eingewintert, berichtet die Kreisvorsitzende. Dennoch geht sie jeden Tag nach ihren Völkern schauen, ob es ihnen gut geht: „Es ist ein Hobby, das einen das gesamte Jahr über beschäftigt.“ Derzeit achtet Seiwert vor allem darauf, dass die Völker nicht auskühlen und versucht, die Behausungen gegen das Eindringen von Wespen zu schützen: „Ich mache die Zugänge zu den Häusern ganz klein, damit die Bienen den schmalen Eingang gegen die Wespen verteidigen können.“

Umso zufriedener mit der Platzierung bei der Prämierung ist Seiwert deshalb, da es kein gutes Honigjahr war, auch ihre Ausbeute ist mit lediglich rund 150 Kilo unterdurchschnittlich ausgefallen: „Bienen sind Sonnenkinder und das Frühjahr war einfach zu verregnet – dagegen war der Sommer zu trocken und zu heiß, deshalb ist die Frühtracht teilweise ausgefallen.“ Das hat sich dann auch auf die Teilnehmerzahl, die mit 13 eingereichten Proben recht niedrig war, niedergeschlagen, weiß die Imkerin. Dennoch hat der Medaillenhonig eine Spitzenqualität. Bewertet wurden viele Kriterien, darunter die Aufmachung des Glases, das optische Erscheinungsbild, Geschmack und zahlreiche Laborwerte, beispielsweise der Pollenanteil im Honig: „Los geht es aber immer mit dem Optik- und Geruchstest, aber selbst, ob das Etikett richtig auf dem Glas angebracht ist, spielt eine Rolle“, erklärt Seiwert. Wichtig ist auch die Cremigkeit des Honigs, dazu muss der Imker den flüssigen Honig während der Kristallisation häufig rühren: „Jeder Honig ist zunächst flüssig und durch die Kristallisation des Zuckers wird er fest – will man einen besonders cremigen Honig, muss man ihn immer wieder glatt rühren“, weiß Seiwert.

Imkern ist für die Gisingerin mehr als nur ein Hobby, es ist vielmehr zum Lebensgefühl geworden: „Es macht einfach riesigen Spaß, den Bienen beim Arbeiten zuzuschauen – es ist auch sehr beruhigend.“ Auch, dass sie somit etwas zum Umwelt- und Artenschutz beitragen kann, erfüllt sie. Denn der große Garten hinter ihrem Haus ist ein wahres Paradies für Insekten. Obstbäume, verwilderte Hecken, Gemüsegärten und eine naturbelassene Wiese bilden ein wahres „Dorado“ für die Bienen: „Bei uns blüht das ganze Jahr über etwas – und Unkraut kennen wir eigentlich gar nicht.“ Aber nicht nur um ihre Bienen sorgt sie sich, mit der urigen Flora will Seiwert auch etwas für die Wildbienen tun: „Bei uns fühlen sich alle Insekten wohl, wir haben auch häufig Besuch von Wildbienen.“

Irmgard Seiwert kümmert sich um ihre Honigbienen. Sie werden gegen die Kälte mit einer Folie geschützt. . Foto: Daniel Bonenberger

Seiwerts Honig ist ein wahres Allroundtalent und nicht nur zum Essen geeignet: „Bei mir gibt es Honig auf Brot, an Salaten, in Desserts oder Bratenkruste – die Möglichkeiten sind endlos.“ Selbst Lippenbalsam und Hautcrèmes produziert sie mit dem flüssigen Gold. Nichts wird verschwendet, selbst aus dem Bienwachs werden noch kunstvoll dekorierte Kerzen produziert. Es ist einfach ein umfangreiches Hobby und wird deshalb immer beliebter in unserer Gesellschaft, weiß die Imkerin: „Wir wachsen ständig, die Menschen wollen wieder verstärkt zurück zur Natur.“

Eines von insgesamt 24 Bienenvölkern von Uwe und Irmgard Seiwert aus Gisingen. Foto: Stefan Dalloz

Und dabei wäre es mit der Imkerei bei Seiwert fast nichts geworden, denn sie hatte eine Bienengiftallergie: „Ich wollte das Hobby aber nicht aufgeben, deshalb hab ich eine Therapie begonnen, bei der ich geringe Dosen injiziert bekam – von Zeit zu Zeit lege ich es auf einen Stich an, um zu sehen, ob ich noch immun bin“, betont die Imkerin lachend. Wer einen Stich fürchtet, hat sich sowieso das falsche Hobby ausgesucht. Den ersten Platz bei der saarländischen Honigprämierung erreichte Peter Bartholme-Langenfeld aus Wallerfangen mit seinem Wald- und Blütenhonig sowie mit einem Sommertrachthonig.

Mehr von Saarbrücker Zeitung